Jacobs Jacob

Jacob Charles Jacobs

*12.1.1911 in Sögel; ✡19.12.1977 in Burnie TAS, Australien

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Simon Schimschen Jacobs *9.3.1874 in Sögel; ✡ 26.3.1942 in Sögel

Heirat der Eltern 29.3.1910 in Herzlake

Mutter Bertha Meyer *16.1.1889 in Herzlake; ✡  vor 1944

Geschwister

Rosette Jacobs *15.2.1912 in Sögel; ✡ vor 1944 in Auschwitz

Jack Otto Jacobs *10.2.1914in Sögel; ✡30.12.1971 in Sheffield, Tasmanien

Else Jacobs *12.7.1921 in Sögel; ✡1944 in Stutthof

Beruf Landarbeiter

Adressen Sögel; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat 20.2.1942 in Haifa Recha Rebecca Gallewska *29.9.1920 in Posen; ✡ 31.10.1997 in Clovelly, Australien

Kinder zwei

Tochter Jacobs; oo Boothman

Weiterer Lebensweg

Gut Winkel

Jacob Jacobs soll 1940 in Gut Winkel Spreenhagen gewesen sein

1939 Rebecca Gallewska zur Hachschara als Praktikantin in Gut Winkel, Spreenhagen;

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel. 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Jacob Jacobs mit beiden Eltern und den Geschwistern Otto und Else Jacobs in Sögel, Haus Nr 126

17.5.1939 Rebecca Gallewski in Gut Winkel

September 1939 Rebecca Gallewski auf der Liste des Landrates Kreis Beeskow-Storkow für das Gut Winkel

Die Patria Katastrophe

Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August1940 Jacob Jacobs und Rebecca Gallewski offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin

16.8.1940 Rebecca Gallewski und Jakob Jonas mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße; es fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

7.11.1940 Registrierung von Rebecca Gallewski im Camp Atlith;

Sie gibt ihre Brüder Hermann Gallewski, Herzhichmuni Shiuil, Hahacarmel. Haifa und Yosef Gallewski im Kibbutz Herzelia Near Tel Aviv als Referenzen an

8.11.1940 Registrierung von Jacob Jacobs im Camp Atlith;

er gibt Cousine Edith Wilensky Benjamin Colony als Referenzen an

Rebecca Gallewski und Jakob Jonas zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Osnabrück- Bielefeld- Riga

11.12.1941 Verbringung der Juden aus dem Raum Osnabrück in die Schule Am Pottgraben

13.12.1941 Zustieg der Osnabrücker Juden in den aus Münster eintreffenden Zug, der nach Bielefeld fährt

13.12.1941 die Schwestern Else und Rosette Jacobs auf dem Transport Osnabrück-Bielefeld- Riga; allein aus den Familien Jacobs und Meyer sind über 20 auf dem Osnabrücker Teiltransport

letzte Nachricht der Schwester Else 1944 aus Stutthof

9.7.1942 letzte Nachricht der Mutter Bertha aus Sögel;

10.7.1942 Deportation nach Auschwitz

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de887435

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de887456

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de887908

Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

Manfred de Vries, Mauritius – Insel des Lebens, BtJ-Magazin, April 2019

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584

https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561

www.raoulwallenberg.net/general/ruth-kl-uuml-ger-mossad-le/

Rudolf Stern (Chawer aus Dortmund), Meine Aliyah – 13. Oktober 1939 – 29. Januar 1940; unveröffentlichtes Manuskript, 1987

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My