
Fritz Firnbacher/Efraim Firn
*13.4.1924 in Regensburg; 5.12.1966 in Wellington, Neuseeland
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Leopold David Firnbacher *6.6.1872 in Goßmannsdorf ; ✡ 30.6.1937 in Regensburg
Heirat der Eltern 13.5.1906 in Ansbach
Mutter Sofie Bermann; ✡ vor 1945 in Polen
Tante Frida Sämann geb Firnbacher *22.7.1896 in Goßmannsdorf ; ✡ vor 1944 in Polen
Tante Amalie Lorch geb Firnbacher *28.3.1889 in Goßmannsdorf ; ✡ vor 1944 in Polen
Geschwister
Max Firnbacher *16.4.1907 in Regensburg; ✡ 27.10.1960 in Neuseeland; oo Gretel Wolf (1914-2011)

Irma Firnbacher *8.8.1909 in Regensburg; ✡1943 Auschwitz; oo Dr. med. Erich Wiesen (*18.12.1897, ✡1.1.1972 USA)
Neffe Kurt Peter Wiesen *24.4.1933; März 1943 in Auschwitz
Beruf –
Adressen Regensburg, Roritzerstr. 10a; Schniebinchen, Sorau
Heirat 23.8.1956 in Melbourne mit Irene Earle
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Novemberpogrom
10.11.1938 Schwager Dr. med. Erich Wiesen in Eisenach, Schlossbergstraße 10 verhaftet
10.11.1938 eingewiesen in das KL Buchenwald, Häftlingsnummer 20762
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Fritz Firnbacher zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Fritz Firnbacher registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen
17.5.1939 Mutter Sofie in Regensburg, Roritzerstr. 10a
Alija
28.6.1939 Passausstellung in Sorau
9.8.1939 Einschiffung von Fritz Firnbacher in Triest
14.8.1939 Ankunft in Haifa mit Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)
9.9.1943 Einbürgerung in Palästina
23.8.1956 in Melbourne mit Irene Earle5.12.1966 in Wellington, Neuseeland
Regensburg – München – Piaski
3.4.1942 Mutter Sofie mit ihren Schwägerinnen Frieda Sämann und Amalie Lorch auf dem Transport ab München nach Piaski
Fabrikaktion
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert
1.3.1943 Irma, Erich und Sohn Kurt Wiesen und fünf weitere Eisenacher Juden in das Sammellager nach Weimar „abgeschoben“. Die Juden aus Sachsen und Thüringen wurden in das „Judenlager“ am Hellersberg in Dresden verbracht
3.3.1943 Schwester Irma mit Ehemann Erich und Sohn Kurt aus Eisenach auf dem Teiltransport Weimar ab Dresden nach Auschwitz Ehemann Erich wird für Buna Monowitz übernommen, er bekommt die Häftlingsnummer 105166 in den linken Unterarm tätowiert.
Er arbeitet als Häftlingsarzt unter Josef Mengele im Krankenrevier von Auschwitz

26.10.1944 Verlegung von Erich Wiesen in das KL Sachsenhausen

26.2.1945 Verlegung von Erich Wiesen in das KL Mauthausen
3./5.5.1945 Befreiung der KL Mauthausen und Gusen; Erich Wiesen überlebt,
1945 Rückkehr nach Eisenach, Geschäftsführer der Israelitischen Kultusgemeinde
Gedenken
Pages of Testimony für Schwester Irma Wiesen
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1247746
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865772
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de958085
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de918467
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de234005
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130119447
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
Familie Wiesen
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage