Philipsthal Benjamin

Benno Benjamin Philipsthal

*18.3.1888 in Stolp; ✡18.10.1973 in Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Meier Moritz Philipsthal *18.5.1840 in Stolp; ✡12.1.1915 in Stolp

Heirat der Eltern 26.5.1882 in Danzig

Mutter Sara Ludowika Bernstein *15.4.1848 in Danzig; ✡4.3.1927 in Stolp

Geschwister

Lucie Philipsthal *15.3.1872 in Stolp; ✡10.2.1943 in Theresienstadt; oo 1890 Heinrich Kray

Ella Philipsthal *1882 in Stolp; ✡ 23.3.1922; oo Max Herzfeld

Beruf

Adressen Stolp

Heirat Eva Chava Gottschalk 15.1.1900 in Stolp ✡ ?

Vera, Benno, Irma, Eva, Ellen Philipsthal; Fotoarchiv Familie Tänzer/Rosenthal

Kinder

Irma Philipsthal *8.3.1922 in Stolp

Ellen Helen Galila Philipsthal *4.7.1923 in Stolp; ✡ 27.10.1993 in Haifa; oo Hans Tenzer

Aviva Vera Philipsthal *7.10.1924 in Stolp; oo Hancinsky; oo Kahn; oo Zeev Max Sachsel (Echsel)

Enkel

Irit Tänzer; oo Jonathan Rosenthal

Yael Tänzer; oo Levanon

Ron Tänzer

Weiterer Lebensweg

1907 Verlobung von Schwester Ella mit Max Herzfeld

17.6.1908 Geburt des Neffen Heinz Herzfeld

Benno Philipsthal Soldat im 1. WK; eine Verwundung ist in den preußischen Verlustlisten nicht gemeldet

12.1.1915 Tod des Vaters in Stolp; Benno „z. Z. im Felde“

8.3.1922 Geburt der Tochter Irma

Benno Benjamin Philipsthal leitet eine Fabrik für exklusive Boutique-Möbel

4.3.1927 Tod der Mutter Ludowika in Stolp

Nach der NS-Machtübernahme 1933 hatte etwa die Hälfte der 1932 in Stolp lebenden Juden die Stadt verlassen und war in die Emigration gegangen; ihre Geschäfte waren vor allem zwischen 1935 und 1938 „arisiert“ worden. Der letzte Rabbiner der Gemeinde, Wilhelm Teichner, emigrierte 1939 – wie auch andere Stolper Juden – nach Shanghai.

Tochter Irma zunächst auf der jüdischen Haushaltsschule Berlin;

Irma zur Hachschara im Kibbuz Dati in Steckelsdorf, Jerichow

Tochter Ellen zur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf

30.8.1937 Ankunft von Hans Tänzer in Haifa

Zeugnis der SG Stolp für Benno Philipsthal

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Benno und Eva mit Tochter Vera Philipsthal in Stolp, Hitlerstraße 50

17.5.1939 Ellen in Jüterbog-Luckenwalde, Ahrensdorf, Pfadfinderbund Makkabi HaZair

Die Patria Katastrophe

Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August 1940 offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin

16.8.1940 mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

7.11.1940 Registrierung von Benno, Eva und Vera Philpsthal im Camp Atlith;

Eva Philipsthal gibt als Referenz an: First Reference: daughter Ellen Phillipsthal living in Massade Colony near Kinnereth

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.

Bericht von Jonathan Rosenthal (2026)

Eines Tages erhielt Ellen einen Anruf vom Rabbiner der Gemeinde Stolp. Er teilte ihr mit, dass ihre Eltern Palästina erreicht hätten, sich jedoch im Internierungslager Atlit befänden. Ellen reiste daraufhin vom Kibbuz Masada zu ihnen. Bei dem bewegenden Wiedersehen brachte sie ihnen Kleidung, Lebensmittel, Bettwäsche und alles, was ihr zur Verfügung stand.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Gedenken

23.5.1955 Pages of Testimony für Schwester Irma von Schwester Aviva Hancinsky

8.2.2000 Pages of Testimony für Schwester Irma von Schwester Aviva Kahn

Grabstein für Ellen auf dem Haifa Sde Yehoshua Cemetery

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/128450689

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Anneliese Ora Borinski, Erinnerungen

Herbert Fiedler, Eine Geschichte der Hachschara; Verein Internationale Begegnungsstätte Hachschara-Landwerk Ahrensdorf e.V

Herbert und Ruth Fiedler, Hachschara, Hentrich & Hentrich 2004

http://www.hachschara-ahrensdorf.de/html/body_anfang.html

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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