Sokolski Karel

Karel/ Jakov Sokolski

*14.2.1919 in Berlin; ✡ 21.2.2002 Israel

Staatsangehörigkeit Tscheche /Pole?

Religion jüdisch

Vater Leib Sokolski ; ✡ ?

Mutter Miriam ; ✡ ?

Geschwister eins

? Baruch Majer Sokolski *14.12.1913 in Warschau;

Adressen Berlin; Regensburg, Weißenburgstraße 31

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

1934 Baruch Sokolski aus Berlin nach Polen

1936 Baruch Sokolski nach Argentinien

Beth Chaluz Regensburg

Etwa 1938 Karel Sokolski ins Beth Chaluz Regensburg zur Hachschara

Das Beth Chaluz in Regensburg, ein Wohnhaus in der Weißenburgstraße 31, war ein Hachschara-Wohnheim des Hechaluz, auch „Praktikantenheim“ genannt. Es bestand zumindest seit 1936. Die Jungen/Männer wurden in örtlichen Werkstätten und Betrieben, Gärtnereien und Bauernhöfen, die Mädchen/Frauen meist in Küchen ausgebildet.

Zu der Hechaluz-Gruppe gehörte Fritz Strauß aus Selters, der aber in Regensburg wohnte.

Oktober 1938 auf der Liste tschechischer Mitglieder der AOK Regensburg

Polenaktion

Am 28. Oktober 1938 um 7:30 Uhr werden neun Juden mit polnischen Pässen verhaftet, aus dem Beth Chaluz traf dies sieben polnische Chaluzim, die im ersten Massentransport des NS-Zeit (etwa 15000 aus Deutschland) abends um 20:10 Uhr über die polnische Grenze nach Zbaszyn getrieben werden.

Siegfried Wittmer, Geschichte der Regensburger Juden von 1936 bis 1938

Es ist unsicher, ob er als Tscheche tatsächlich – wie von Wittmer angegeben – nach Zbaszyn abgeschoben wurde,

Susi Schmerler aus dem Hachscharalager Urfeld notierte in ihrem Tagebuch über die in Zbaszyn gestrandeten Chaluzim:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

Im März 1939 wird den in Zbaszyn festsitzenden Chaluzim genehmigt, nach Berlin in die Zentrale des Hechaluz und der Jugendalija in der Meineckestraße 10 zu reisen, um ihre Emigration vorzubereiten.

Novemberpogrom in Regensburg

Wie überall im Reich wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagoge niedergebrannt, Wohnungen und Geschäftslokale verwüstet. Auch das Beth Chaluz in der Weißenburgstraße wurde überfallen. Es wurden 15 Chaluzim und der Bezirksrabbiner Falk Salomon verhaftet. Etwa 70 Männern aus der 1938 noch 220 Mitglieder umfassenden Gemeinde wurden auf dem NSKK-Gelände festgehalten. Frauen und unter 18-Jährige konnten nach einem Verhör auf den Polizeiwachen am Minoritenweg und am Jakobstor wieder nach Hause gehen. Vormittags wurden die Männer zu demütigenden „Morgensport“-Übungen gezwungen. Um 11 Uhr folgte der „Schandmarsch“ durch die Regensburger Altstadt vom St. Georgenplatz über die Maximilianstraße zum Bahnhof. Von dort wurden sie um 12 Uhr auf Lastwagen des NSKK die 65 in „Schutzhaft“ genommenen Juden in das Regensburger Gefängnis „Augustenburg“ verbracht.

Anschließend wurden auf dem ersten von drei Transporten 21 Männern mit einem Reisebus des Busunternehmers J. Seitz in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Am 11. und 12. November erfolgten weitere Transporte nach Dachau.

11.11.1938 wurden vier weitere über 17-jährige Männer aus dem Beth Chaluz sowie Ernst Levy aus Regensburg und Fritz Strauß aus Selters in Dachau eingewiesen.

12.11.1938 fünf Chaluzim aus dem Beth Chaluz werden nach Dachau verbracht

Die Entlassung von Berthold Berkowicz, Waldemar Horn, Bernhard Rosenberg, Fritz Strauß, Hans Wertheim aus Nottuln erfolgte am 23.12.1938, bei Ernst Levy bereits am 20.11.1938.

Einzelne Chaluzim gehen in ihre Heimatorte, andere wechseln in bestehende Hachscharastätten, so Fritz Strauß in das Lehrgut Ellguth in Schlesien.

12.4.1939 Brief von Jakob Farntrog aus Regensburg:

„Diese Woche … noch gehen Oberdorfer und Springer weg (Auf die ST LOUIS). Die letzten vom Bet Chaluts anfangs kommender Woche illegal nach Erets. Die Auswanderung geht ja im großen ganzen nur langsam vonstatten“

Gemeint ist hier vermutlich der erste „Sonderhachschara“ SH 1; Chaluzim aus ganz Deutschland kamen ab Wien in einem Sammeltransport nach Jugoslawien, Einschiffung in Spalato auf der SS DORA, einem kleinen Schiff, die nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste Alija Beth, illegale Sonderhachschara SH1

Nach 1938 diente das Gebäude in der Weißenburgstraße 31 als jüdisches Altersheim

April 1942 Judenhaus für 82 jüdische Senioren

Frieda Schottig, 1939 bis Juli 1940 „Zimmermädchen“ im jüdischen Altersheim, Überlebende des KL Ravenbrück schreibt:

„Man habe sie (Sophie Jochberger) zwangsweise in das jüdische Altersheim in der Weißenburgstraße 31 eingewiesen. Dort wohnten und schliefen seinerzeit in einzelnen Zimmer n sechs und mehr alte Leute. Die Ehepaare wurden getrennt. In einem Gebäude, in dem zehn Personen normal leben können, hatte man 1942 82 israelitische Senioren in der unwürdigsten Weise zusammengepfercht.“

Minderheitenzählung

17.5.1939 die späteren DORA-Ma’apilim Erna Margules, Isaak Sapierstein, Erich Schlorch und Karel Sokolski registriert im Beth Chaluz Regensburg, Weißenburgstraße 31

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 76 Werkdorper aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:

Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.

Juli 1939 Gerhard Rachwalsky als Madrich, , Gert Böhm, Gregor Bronstein, Ellen Gaenser, Alfred Jordan, Charlotte Ständig mit etwa vier weiteren Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.

17.7.1939 Zustieg von Karel Sokolski mit den drei Chawerim aus Regensburg und etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft von auf der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429410

https://www.heimatforschung-regensburg.de/2485/1/1063113_DTL1773.pdf

Siegfried Wittmer, Geschichte der Regensburger Juden von 1903 bis 1935

Siegfried Wittmer, Geschichte der Regensburger Juden von 1936 bis 1938

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7456410

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70372024

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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