Erna Margules
*18.3.1918 in Leipzig; Überlebende; ✡?
Staatsangehörigkeit ?
Religion jüdisch
(Eltern lassen sich nicht sicher zuordnen; aus Leipzig möglich wären: Majer Michel Margulies *14.1.1885 in Lublin; Heirat 4.3.1909 in Leipzig mit Paula Basch *27.8.1881 in Bremen; 28.10.1938 nach England)
Geschwister unbekannt
Adressen Leipzig; Beth Chaluz Regensburg
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Beth Chaluz Regensburg
Ca 1938 Erna Margules ins Beth Chaluz Regensburg zur Hachschara
Das Beth Chaluz in Regensburg, Weißenburgstraße 31 war ein Hachschara-Wohnheim des Hechaluz, auch „Praktikantenheim“ genannt. Es bestand zumindest seit 1936.
Zu der Hechaluz-Gruppe gehörte auch Fritz Strauß aus Selters, der aber in Regensburg aushäusig wohnte.
Polenaktion
Am 28. Oktober 1938 um 7:30 Uhr werden in Regensburg neun Juden mit polnischen Pässen verhaftet, aus dem Beth Chaluz traf dies sieben polnische Chaluzim, die im ersten Massentransport des NS-Zeit (15000) abends um 20:10 Uhr über die polnische Grenze nach Zbaszyn getrieben werden.

Edith Weinreb, Erna Margules, Haskel Ordynans, Sally Frizner, David Finkelstein, Karol Sokolski, Mohel Kraterstein
Susi Schmerler aus dem Hachscharalager Urfeld notierte in ihrem Tagebuch über die in Zbaszyn gestrandeten Chaluzim:
„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“
Im März 1939 wird den in Zbaszyn festsitzenden Chaluzim genehmigt, nach Berlin in die Zentrale des Hechaluz und der Jugendalija in der Meineckestraße 10 zu reisen, um ihre Emigration vorzubereiten.
Novemberpogrom in Regensburg
Am 9./10.11.1938 wurde auch das Beth Chaluz Regensburg überfallen.
10.11.1938 etwa 70 verhaftete jüdische Männer wurden auf dem NSKK-Gelände festgehalten und mussten vormittags „Morgensport“-Übungen machen.
10.11.1938 Es folgte der „Schandmarsch“ durch die Regensburger Altstadt zum Bahnhof. Auf Lastwagen wurden 65 in „Schutzhaft“ genommene Juden ins Konzentrationslager Dachau, weitere aber auch in das Regensburger Gefängnis „Augustenburg“ verbracht.
Einzelne Chaluzim gehen in ihre Heimatorte, andere wechseln in bestehende Hachscharastätten, so Fritz Strauß in das Lehrgut Ellguth in Schlesien.
12.4.1939 Brief von Jakob Farntrog aus Regensburg:
„Diese Woche … noch gehen Oberdorfer und Springer weg (auf die SS ST. LOUIS). Die letzten vom Bet Chaluts anfangs kommender Woche illegal nach Erets. Die Auswanderung geht ja im großen ganzen nur langsam vonstatten“
Gemeint ist hier vermutlich der erste „Sonderhachschara“ SH 1; Chaluzim aus ganz Deutschland kamen ab Wien in einem Sammeltransport nach Jugoslawien, Einschiffung in Spalato auf einem kleinen Schiff der SS DORA, die nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste Alija Beth, illegale Sonderhachschara SH1
Nach 1938 diente das Gebäude in der Weißenburgstraße 31 als jüdisches Altersheim
April 1942 Judenhaus für 82 jüdische Senioren
Frieda Schottig, 1939 bis Juli 1940 „Zimmermädchen“ im jüdischen Altersheim, Überlebende des KL Ravenbrück schreibt:
„Man habe sie (Sophie Jochberger) zwangsweise in das jüdische Altersheim in der Weißenburgstraße 31 eingewiesen. Dort wohnten und schliefen seinerzeit in einzelnen Zimmer n sechs und mehr alte Leute. Die Ehepaare wurden getrennt. In einem Gebäude, in dem zehn Personen normal leben können, hatte man 1942 82 israelitische Senioren in der unwürdigsten Weise zusammengepfercht.“
Minderheitenzählung
17.5.1939 die späteren DORA-Ma’apilim Erna Margules, Isaak Sapierstein, Erich Schlorch und Karel Sokolski registriert im Beth Chaluz Regensburg, Weißenburgstraße 31
Alija Beth auf der SS DORA
Juli 1939 76 Werkdorper aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA
16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:
Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.
Juli 1939 Gerhard Rachwalsky als Madrich, , Gert Böhm, Gregor Bronstein, Ellen Gaenser, Alfred Jordan, Charlotte Ständig mit etwa vier weiteren Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.
16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.
17.7.1939 Zustieg von Erna Margules mit den drei Chawerim aus Regensburg und etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA
17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)
12.8.1939 Ankunft von auf der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht
Gedenken
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Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429410
https://www.heimatforschung-regensburg.de/2485/1/1063113_DTL1773.pdf
Siegfried Wittmer, Geschichte der Regensburger Juden von 1903 bis 1935
Siegfried Wittmer, Geschichte der Regensburger Juden von 1936 bis 1938
https://danielabraham.net/tree/related/dora
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7456410
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70372024
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten