Meyers Chaim

Chaim Meyers (Weiss)

* 1924 in New York; ✡ 2015 in Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater ; ✡ ?

Mutter ; ✡ ?

US Census in New York April 1930

Geschwister ?

Beruf Kunstmaler

Adressen New York; Hattenhof Nr. 36; Kibbuz Shoval

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Aufgewachsen in New York

Aktivist in der zionistischen Jugend Gruppe Hashomer Hatzair

1942 eingezogen als „Private“ in die US-Army

1945 mit der US Army nach Deutschland,

1945 Sommer/Herbst besucht er häufiger den „Kibbuz Buchenwald“ auf dem Gehringshof

22.11.1945 auf dem Gehringshof Beratung mit Aharon Bacia von der NOHAM/Hechaluz-Zentrale in Bergen-Belsen mit vier Soldaten der Jewish Brigade (u. a. Naftali Unger, Chaim Ben Asher) mit dem Ergebnis: die illegale Ausschleusung von 60 Ma’apilim über Bergen-Belsen , Eindhoven nach Antwerpen;

Aharon Bacia bereitet in Bergen Belsen die Unterbringung der 60 Gehringshöfer Chaluzim vor

„Die Chaim Meyers-Affäre“

Mitte Dezember 1945 Chaim Meyers kommt in der Nacht vor der Abreise der zweiten Alija-Gruppe von 60 Chaluzim nach Bergen-Belsen auf den Gehringshof. Er bittet die Chaluzim in mitzunehmen. Wegen der Gefährdung der Gruppe durch einen Deserteur kommt es zu heftige Diskussionen; Ernst Piese Zimche erinnert sich:

„Als Anführer der Gruppe dachten wir nur an eines: Wieviele Leben würden die gesamte Alija gefährden, wenn er erwischt würde. Also fragten wir die Soldaten der Brigade, was zu tun sei, und sie sagten, sie sollten ihn auf Alija gehen lassen, obwohl er ein Deserteur war. Was tun? Zuerst mussten wir ihn umgestalten. Wir gaben ihm einen Muselman-Haarschnitt, fanden ihm eine Hose und vergruben seine Waffe in Gehringshof, und so kam er mit uns nach Israel.“

Meyers selber machte sich Sorgen:

„Zuerst zog ich mich im Speisesaal um, und sie zogen mir die Uniform aus, dann nahmen sie mir meine Waffe ab. Am Ende änderten sie auch meinen Namen: „Von diesem Moment an heißt du Weiss“, sagte mir Aharon Bacia, weil es der einzige Name war, den ich ohne amerikanischen Akzent aussprechen konnte. Ein paar Stunden später fuhren wir mit Lastwagen los, die von den Brigadesoldaten gebracht wurden, alle unter Planen. Hinten saß einer mit dem Mantel eines britischen Soldaten   und bewachte angeblich Kriegsgefangene. Dann wurde mir plötzlich klar, dass ich ein Deserteur war und wir uns immer noch in der amerikanischen Zone befanden, und ich hätte mir fast in meine Hose gemacht.“

Und weiter:

„In Bergen-Belsen traf ich mich mit einem Brigadisten, Gershon Shmo, und er sagte mir: „Hab keine Angst, Leben, zwölf Tage und du bist in Israel.“ Ich wusste, dass ein Soldat nach 21 Tagen zum Deserteur erklärt wurde. Ich erinnerte mich an einen amerikanischen Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg zum Deserteur erklärt worden war, und als er gefangen genommen wurde, wurde er erschossen.

In Bergen-Belsen organisierte uns Gershon von der Brigade wieder und sagte uns, dass wir direkt zum Schiff gehen würden. Also änderte er die Geschichte. „Es wird einige Verzögerungen geben“, sagte er, wandte sich dann an mich und fragte: „Wenn Sie innerhalb von zwanzig Tagen in Israel sind, werden Sie nicht als Deserteur wahrgenommen, oder?“ Nicht für zwölf Tage, zwanzig Tage. Dann war ich nicht mehr ein wenig besorgt, sondern stark; aber es war zu spät!“

Ende Dezember 1941 nach ein oder zwei Wochen Wartens in Bergen Belsen werden  die in Uniformen gesteckten Chaluzim  mit Militär-LKW nach Antwerpen geschleust.

Chaim Meyers über die Wartezeit in Antwerpen:

„Die ganze Zeit in Antwerpen sprachen sie über NOHAM und wir gingen alle in den Kibbuz. Plötzlich erwischten uns die Hashomer Hatzair-Leute auf dem Weg, holten uns ab und erklärten uns, dass wir nach Israel kommen und dort in den Kibbuz Hashomer Hatzair, Kibbuz Mesilot, umziehen würden.“

Nach zwei Monaten Wartens in den zwei Quartieren der Jewish Brigade in Antwerpen fahren sie in einem großen Militär-LKW-Konvoi nach Marseille; von dort gelangen sie auf der SS TEL HAI nach Haifa.

Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta ein schützendes Hafen suchen.

Die TEL HAI wird vor Haifa von britischen Marinesoldaten geentert und nach Haifa gebracht. Chaim Meyers, für den Generator verantwortlich, erinnert sich:

„Das erste, was wir taten, war, das Funkgerät ins Meer zu werfen. Ich warf alle Dokumente weg, bis auf das Blatt, das die Briten mir dann in Atlit abgenommen haben. Als wir in Haifa ankamen, nahmen die Briten die griechische Mannschaft mit, um die jüdische Mannschaft zu identifizieren, und wir wussten im Voraus, dass wir unsere Gesichter ändern mussten. Ich reichte dem einen meine Brille, und ein anderer nahm seinen Bart ab, und die Schlussfolgerung war, dass wir alle in die Busse steigen sollten, und sie würden verschwinden. Und so war es auch. Die Engländer setzten uns in Busse,  Die Palmach-Männer entkamen neben dem Fahrer durch die Tür und kamen nicht mit uns nach Atlit.“

Nach wenigen Tagen in Atlith geht die „Kibbuz Buchenwald“-Gruppe in den Kibbuz Afikim, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontigente anzurechnen.

Die 60 Chaluzim gehen in den nicht religiösen Kibbuz Afikim; er zählte 1946 etwa 670 Bewohner.

April 1946 Pessachfest (2.-10.4.1946) Begrüßungsfeier im Kibbuz Afikim für die zweite NOHAM-Gruppe von ca. 60 Pionieren, die aus dem Gehringshof mit der TEL HAI nach Haifa gekommen waren, hierzu zählen: Aharon Bacia und Rita Kuperberg, Isi Philipp, Piese Zimche und Hilde Grynbaum, Fredi Diament, Theo Lehmann, Abraham Mohr, Guste Zisner.

300 NOHAM Mitglieder verstreut im Jordantal in den Kibbuzim (Degania, Ashdot Yaakov, Ein Gev, Masada und Afikim (70).

Später geht er mit einem Teil der NOHAM Gruppe in den Kibbuz Mesilot, dann Kibbuz Shoval.

Er kann sein Kunststudium an dem Oranim Art Institute in Tivon fortsetzen; wird ein berühmter israelischer Künstler, Malerei in Oil, Acryl, Holzkohle und Pastellkreide

Dozent am College of Visual Arts, Beersheva, Yoav Regional Council und Kibbutz Workshop, Tel Aviv

Diverse Gruppen- und Einzelausstellungen, zuletzt 2008 in Beersheva

5.11.1987 Gruppeninterview im Kibbuz Shoval Judith Baumel mit den „Buchenwaldern“ Yocheved (Schwimmer) Galil, Tova Beinart (Gusta Zitzler), Bluma (Rosenstein) Chailovich, Avraham (Romek) Mohr, Haim Meyers, Naomi Fried (Zosha Spokolna) und Bella (Staub) Meirem

Gedenken

Quellen

Judith Tydor Baumel, Kibbuz Buchenwald, Hrsg. Kibbuz HaMeuhedet, Tel Aviv 1994

Zeugnisse aus dem Tal des Todes, Veteranen des Kibbuz Netzer-Sereni erzählen; Oranit Verlag, 1998

Gruppeninterview im Kibbuz Shoval von Judith Baumel mit den „Buchenwaldern“ Yocheved (Schwimmer) Galil, Tova Beinart (Gusta Zitzler), Bluma (Rosenstein) Chailovich, Avraham (Romek) Mohr, Haim Meyers, Naomi Fried (Zosha Spokolna) und Bella (Staub) Meirem am 5.11.1987

https://museum.imj.org.il/artcenter/newsite/en/?artist=Meyers,%20Chaim&list=M

https://museum.imj.org.il/artcenter/newsite/en/exhibitions/?artist=Meyers,%20Chaim&list=M

https://newrepublic.com/article/151061/road-buchenwald

https://www.jewiki.net/wiki/Netzer_Sereni

https://de.wikipedia.org/wiki/Netzer_Sereni

http://hachshara-dor-hemshech.com/de/home-deutsch/

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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