
Herta Tombowski geb Stern
*1.6.1921 in Burghaun; ✡ 31.5.1945 in Bergen-Belsen
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Markus Stern *1886 in Burghaun; ✡? Vor 1944 im Ghetto Minsk
Mutter Karoline Strauß *1888 in Burghaun; ✡ nach 11.11.1941 in Minsk
Geschwister
Jonas Stern *1916 in Burghaun; ✡ 1995 New York

Mali Stern *1919 in Burghaun; ✡ 2018
Beruf Landwirtschaftliche Volontärin
Adressen Burghaun; Beuthen; Frankfurt, Obermainanlage 24; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,
Heirat 11.10.1941 in Hoogwoud mit Herbert Tombowsky *8.3.1919 in Berlin; 3.4.1945 in Flossenbürg
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1935 die Familie flieht aus Burghaun nach Beuthen wegen drohender Verhaftung des Vaters
1937 Umzug nach Frankfurt
Novemberpogrom
10.11.1938 Bruder Jonas und Vater Markus verhaftet
12.11.1938 Bruder Jonas wird eingewiesen ins KL Buchenwald, Häftlingsnummer 26502
16.11.1938 Vater Jonas von Frankfurt aus nach Dachau
21.12.1938 Vater Jonas aus Dachau entlassen
9.1.1939 Bruder Jonas aus Buchenwald entlassen
17.5.1939 Herta Stern mit beiden Eltern und Geschwistern in Frankfurt, Obermainanlage 24 bei der Minderheitenzählung
1939 Bruder Jonas und Schwester Mali fliehen in die USA
Werkdorp Nieuwe Sluis
20.9.1939 Herta Stern aus Frankfurt zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Das Ehepaar Tombowsky gehört zu den letzten 60 Chawerim, die die abschließenden Arbeiten erledigen mussten.
Von 1941 bis 1942 zur Einzelhachschara bei Bauern in der Region in De Gouw, Hoogwoud

11.10.1941 Heirat in Hoogwoud
16.10.1941 formal abgemeldet nach Hoogwoud

April 1942 nach dem Räumungsbefehl für die Juden in der Küstenregion geht eine große Gruppe von Chaluzim nach Deventer zur „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“ , von dort wurden sie zur Einzelhachschara verteilt. 20 Chawerim gehen nach Almelo.
Im September 1942 ergeht die Anordnung, dass sich männliche Juden in den Werkkampen wie Nunspeet einfinden sollen. Herta und Herbert können sich verstecken, gehen im Dezember 1942 nach Amsterdam
Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam
10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad
10.11.1941 Aufnahme Eva Laufer mit Sohn Martin von im Jugendheim des Joodse Raad Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam
Siegfried Rosenthal wird als Koch eingestellt.
10.11.1941 Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer und Neffe Franz Laufer, Gert Herz, Gerhard Hirsch, Hans Joseph, Günter Levy, Hajo Meyer, Harald Rosenbach, Ernst Rosenbaum, Norbert Schweitzer und Hans Stern zur Eröffnung ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13
Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolaas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper
1.6.1942 Günter Schwarzschild in die Pl. Fransche Laan 13
Erste Razzia in der Franschelaan
15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet und nach Hooghalen deportiert; u.a.:
Gert Herz, Günter Levy, Hans Stern, Harald Rosenbach, Horst Levi, Gerhard Hirsch, Erwin Eichengrün,
7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen
Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.
15.7.-17.7.1942 Erster großer Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz
22.12.1942 Herta und Herbert Tombowsky aus Almelo in das Jeugdhuis Plantage Franschelaan
Zweite Razzia in der Franschelaan
26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; Herta und Herbert Tombowski eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager zusammen mit Martha Eibschütz, Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Ernst Rosenbaum, Grete Schramm, Norbert Schweitzer, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60
26.5.1943 Aufnahme im Kamp Westerbork, als Ehepaar in Baracke 61
5.-7.4.1944 Ehepaar Tombowski mit 289 Juden auf Transport XXIV/5 von Westerbork nach Theresienstadt

12.10.1944 Ehepaar Tombowski auf Transport E q von Theresienstadt nach Auschwitz
Groß Rosen Flossenbürg
6.12.1944 Herbert Tombowsky von Auschwitz in das Außenlager Groß Rosen
15.12.1945 weitertransportiert in das KL Flossenbürg
3.4.1945 Tod von Herbert Tombowsky im Außenlager Hersbruck des KL Flossenbürg
Herta Tombowski wird von Auschwitz in das KL Bergen Belsen deportiert; sie erlebt die Befreiung von Bergen-Belsen am 15. April durch britische Truppen als schwer kranke erschöpfte Frau. Medizinische Hilfe kommt zu spät. Sie stirbt am 31.5.1945 im Lager Bergen Belsen
Gedenken
19.2.1957 Page of Testimony für Herta Tombowski von Onkel Leopold Strauss
28.6.1999 Page of Testimony für Herbert Tombowski von Bruder Ruben
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5122142
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5122143
http://www.dokin.nl/deceased_children/herta-stern-born-1-jun-1922/
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Herta%20Stern%22%7D
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Tombowsky%22%7D
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1171804
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de976414
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer