
Adolf Hafner
*11.3.1921 Wien; ✡ in 1943 in Lahde, Petershagen
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Leon Hafner *21.9.1893 Czernowitz; ✡ 1944 in Launigen, Donau
Mutter Franziska Hafner *24.7.1897 ; ✡ 11.4.1945 in Zeholfing
Geschwister
Susanne Hafner *2.6.1929 in Wien
Beruf Landwirtschaftlicher Volontär
Adressen Wien, Bennogasse 29-25; Ellguth, Steinau; Bielefeld; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
„Anschluss“ Österreichs 1938
Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich
15.11.1938 Vater Leon stellt einen Antrag für die Familie bei der Israel.- Kultusgemeinde Wien zur Unterstützung der Ausreise der Familie nach Shanghai
Das Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Diese konnten aber oftmals illegal wieder zurückkehren.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
In Buchenwald erhielten einige Chaluzim aus Ellguth zunächst durch Entlassung von ASJ Häftlingen freigewordenen Nummern im Bereich 10000-11000, später erfolgte einen Umnummerierung auf Nummern um 27450; Adolf Hafner erhält die Nummer 27310

10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 Adolf Hafner u.a. mit Kurt Hannemann, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
6.1.1938 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande zu Einzelhachschara in der Deventer Vereniging tot Vakopleiding.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
25.2.1939 Adolf Hafner zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis, gemeldet in Wieringermeer
Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Adolf Hafner in die Raphaelstraat 22 in Amsterdam
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
20.3./26.7.1941 abgemeldet nach Amsterdam
Onderduiker

Adolf Hafner geht mit falschen Papieren ins Versteck

Wie andere Chaluzim lässt er sich als arischer niederländischer Fremdarbeiter Johan de Rijp in die Meister Fahrradwerke Bielefeld vermitteln. Die Meister Fahrradwerke wurden 1921 in Bielefeld gegründet. Dort wurden zunächst Fahrräder und ab 1924 auch Motorräder hergestellt.
AEL Lahde
Das Arbeitserziehungslager Lahde (AEL) wurde im Mai 1943 in Petrshagen bei Minden von der Gestapo Hannover als Nachfolgelager des AEL Liebenaubei Nienburg/Weser eingerichtet und bestand bis zum 1. April 1945
10.10.1943 Tod von Adolf Hafner im Arbeitserziehungslager Lahde
Gedenken
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en291559
https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitserziehungslager_Lahde
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Hafner%201921%22%7D
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278226
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/82492736
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer
https://danielabraham.net/tree/related/dora
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316