
Ludwig Eichengrün
*25.7.1919 in Fröndenberg; ✡ 1939 in Ellguth
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Isaak Eichengrün *12.3.1876 in Madfeld; ✡ 7.4.1940 in Düsseldorf
Heirat der Eltern 2.7.1909 in Kassel
Mutter Meta Sommer *19.5.1883 in Bebra; ✡ 8.3.1920 in Fröndenberg

Stiefmutter Marta Silberberg *27.1.1889 in Marsberg; ✡nach April 1942 in Zamosc
Geschwister
Adolf Eichengrün *19.10.1910 in Fröndenberg; ✡ 1931 tödlich verunglückt in Friedland
Ilse Eichengrün/Alon *20.4.1918 in Fröndenberg; ✡ 2010 in Israel
Halbschwester
Miriam Eichengrün/Alon *16.5.1923 in Fröndenberg; ✡ 3.10.2013 Israel; oo Zeev Lipski
Adressen Fröndenberg, Kirchplatz 4; Mannheim; Ellguth
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Die Familie Isaak Eichengrün bewohnte das Haus am Kirchplatz 3 in Fröndenberg
Die Kinder der jüdischen Familien besuchten die Lutherschule in Fröndenberger.
Ludwig Eichengrün turnte beim TV Jahn 1881
3.10.1934 Einreise von Schwester Ilse in Tel Aviv auf der SS ITALIA
15.8.1938 Einreise von Schwester Miriam in Haifa auf der SS GALILEA
Novemberpogrom in Fröndenberg
10.11.1938 Verwüstung und Plünderung der Wohnung und Geschäft der Familie Neufeld sowie die Häuser der Familien Bernstein und Eichengrün. Auf dem jüdischen Friedhof wurden Grabsteine umgeworfen, teils auch zertrümmert. Verhaftung des Vaters Isaak Eichengrün, des Kaufmann Hugo Neufeld und von Anstreicher Paul Neufeld im Fröndenberger Polizeigefängnis; Verbringung in das Gefängnis der Steinwache in Dortmund
Lehrgut Ellguth
Ludwig Eichengrün zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth (ca 1938)
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer – mehr als 18 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450

Ludwig Eichengrün erhält die Häftlingsnummer 10531 und später 27544

10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
1939 Tod von Ludwig Eichengrün in Ellguth
7.4.1940 Tod des Vaters Isaak an den Folgen der im Pogrom erlittenen Verletzungen
Zamosc
Verbringung der Stiefmutter Marta Eichengrün mit fünf Mitglieder der Familien Neufeld und Bernstein aus Fröndenberg zum Sammellager der Turnhalle des Sportvereins Eintracht in Dortmund
30.4.1942 Deportation mit 791 Juden vom Sammellager der Eintracht zum Dortmunder Südbahnhof am Heiligen Weg deportiert nach Zamosc
3.5.1942 Ankunft in Zamosc
16.10.1942 Auflösung des Ghetto Zamosc; alle Bewohner ins Ghetto Izbica; von dort in die Vernichtungslager Sobibor und Belzec
Tod der Stiefmutter nach dem 3.5.1942, Ort und Datum des Todes unbekannt; niemand hat überlebt
Gedenken
12.4.1999 Page of Testimony für Ludwig Eichengrün von Schwester Mirjam Alon
24.4.1999 Page of Testimony für Ludwig Eichengrün von Schwester Ilse Alon
8.12.2009 Sechs Stolpersteine für Isaac, Marta, Ludwig, Ilse und Miriam sowie für Onkel Jakob Eichengrün in Fröndenberg, Kirchplatz 4
Quellen
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420430_17.jpg
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12652210
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en826960
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en854452
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110