Rauchbach Kurt

Kurt Rauchbach/Curt Rocker

*11.5.1921 in Wien; ✡ 24.5.2008 in San Matteo

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Hermann Rauchbach *16.1.1890 in Wien; ✡1.6.1942 Maly Trostinec

Mutter Mizzy Marie Brandstätter *19.10.1893 in Wien; ✡ 1.6.1942 Maly Trostinec

Geschwister

Otto Rauchbach/Fred Rocker *15.3.1919 in Wien; ✡ 2007; oo 1945 Beate Goldfeld

Adressen Wien, Czerningasse 23, Tür 17; Ellguth, Steinau; Werkdorp Wieringermeer

Heirat 1959 in Manhattan mit Liane Neuner

Kinder

Weiterer Lebensweg

„Anschluss“ Österreichs

Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich

Lehrgut Ellguth

6.11.1938 Kurt Rauchbach, gerade 18 Jahre alt, zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.

Benno Teichmann berichtet:

„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“

Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen.

10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;

12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 22 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen. In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450,

Kurt Rauchbach zunächst die 10291 und später die Nr. 27489

Vater Rauchbach schickt Reisegeld

10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald

Dezember 1938 — u.a. mit Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld

6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.

25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung

Er bleibt bis zum 20.1.1939 im Landwerk Ellguth; Rückkehr nach Wien.

24.1.1939 Kurt Rauchbach stellt einen Antrag für sich bei der Israel. Kultusgemeinde Wien zur Unterstützung der Ausreise nach Den Helder, ins Werkdorp; die Kosten der Fahrkarte werden gewährt.

Werkdorp Nieuwe Sluis

21.2.1939 Kurt Rauchbach zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

Kurt Rauchbach abgemeldet nach Schermerhorn.

Onderduiker

Sommer 1942 nach dem Einsetzen der ersten Massentransporte aus den Niederlanden taucht Kurt Rauchbach unter.

1942 -1945 Kurt Rauchbach überlebt als „onderduiker“ im Versteck mit gefälschten Papieren unter dem Namen Gert Fuhrmann

England

10.2.1939 Bruder Otto emigriert über Belgien nach England zum Hechaluz in London, um dort zur Hachschara zu gehen.

11.7.1939 Beate Goldfeld mit Kindertransport von Wien nach Harwich

3.7.1940 Bruder Otto als „alien enemy“ auf der SS ETTRICK deportiert nach Kanada

19.10.1941 Rückkehr von Bruder Otto nach London

Wien-Blagowszczina

27.5.1942 beide Eltern auf dem 23. Transport ab Wien nach Maly Trostinec

1.6.1942 Ankunft in Maly Trostinec, Massenerschießung im Wald von Blagowszczina

Nachkriegszeit

August 1945 Bruder Otto heiratet in Hemel Hempstead Beate Goldfeld

Bruder Otto mit Frau Beate und den Kindern Doreen (1947) und Steven (1949)

18.10.1947 Abreise von Kurt Rauchbach ab Southampton auf der SS QUEEN MARY nach New York

23.10.1949 Ankunft in New York; Ziel Onkel F. Reiss, der auch die Schiffspassage bezahlt hat.

Gedenken

Grabstein für Curt Rocker auf dem Skylawn Memorial Gardens, Half Moon Bay, California,

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6903001

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278227

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130501574

https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn718575

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7490); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85.

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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