Weinstein Moritz

Moritz Weinstein

*26.2.1923 in Beuthen

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Benjamin Weinstein *2.4.1895 Tschenstochau; ✡1942

Mutter Sarah Bondiskowska *10.10.1897 in Warschau; ✡ 1942

Geschwister

Bernhard Weinstein *23.3.1920 in Beuthen; ✡6.7.1915 in Israel

Heinrich Jakob Weinstein *27.5.1922 in Rossberg, Beuthen; ✡ 17.5.2018; oo Sophie Tirza Getreu (1921-2017)

Joseph Weinstein *18.1.1928 in Beuthen; ✡1942

Cousin Friedel Weinstein *6.11.1915 in Hindenburg

Beruf

Adressen Beuthen; Schniebinchen, Sorau

Heirat Susi Bacher *26.2.1924 in Wien; ✡April 1979 in Hempstead

Kinder zwei Töchter

Evelyn Weinstein

Weiterer Lebensweg

1938 Bruder Heinrich zur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf, Pfadfinderbund Makkabi HaZair

Bruder Bernard zur Hachschara ins Landwerk Halbe

19.9.1938 Legale Alija von Bruder Heinrich nach Haifa

1939 Bruder Bernhard nach Dänemark

8.10.1943 Bruder Bernhard bei der Masenflucht über den Öresund nach Schweden

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Moritz Weinstein zur Hachschara nach Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Moritz Weinstein erfasst in Schniebinchen mit 122 Personen

17.5.1939 Moritz Weinstein mit den Eltern und Brüdern in Beuthen, Adolf-Hitler-Platz 12

Kindertransport

10.8.1939 Moritz Weinstein zusammen mit Heinz Alter, Helmut Kirsch, Sala Zyskind auf einem GEF-Kindertransport (gefährdete Kinder) über Hoek van Holland nach Harwich

Kriegseintritt Großbritannien

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

3.9.1939 Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg

Winston Churchill: „Collar the lot“

10.5.1940 Winston Churchill Premierminister als Nachfolger von Neville Chamberlain; Anordnung Churchills, zur Internierung und Verschiffung außer Landes der etwa 70000 Deutschen und Österreicher in Großbritannien; 60000 von ihnen waren Flüchtlinge.

11.6. -1.8.1940 10000 Männer und 4000 Frauen als „enemy aliens“ interniert in neun Camps auf der Isle of Man

Juli 1940 Innerhalb von 16 Tagen wurden über 10000 Internierte auf fünf Schiffen illegal nach Übersee deportiert

SS DUNERA – 57 Tage auf See

10.7.-6.9.1940 Reise der SS DUNERA von Liverpool nach Sydney

Die 2500 Deportierten waren zuvor in den Lagern mit falschen Versprechungen zu einer „freiwilligen Meldung“ gedrängt worden. So wurden die auf der Isle of Man im Camp Ramsey Internierten aus dem Kitchener Camp getäuscht, dass sie wohl nach Kanada kämen und dort völlige Bewegungsfreiheit hätten.

Die SS DUNERA war ein zum Militärtransporter umgebautes früheres Kreuzfahrtschiff und für nur 1157 Soldaten zugelassen.

An Bord befanden sich auch die 451 Schiffbrüchigen des durch einen Torpedo des U-47 versenkten Internierten Schiff ARANDORA STAR (überwiegend kriegsgefangene Marine-Soldaten)

12.7.1940 Die SS DUNERA übersteht zwei Treffer durch aber nicht explodierende Torpedos der U-56.

24.7.1940 Hafen von Free Town in Sierra Leone

Die 450 Schiffbrüchigen der ARANDORA STAR werden in Melborne ausgeschifft und kommen in das Lager Tatura.

6.9.1940 Ankunft der SS DUNERA in Sydney; Internierung der 2000 Juden und Nazi-Gegner in zwei Lagern bei Hay in New South Wales

22.6.1942 Offizielles Ende der Internierung; Freilassung zur Rückkehr in ein Land ihrer Wahl

Möglichkeit des Erwerbs der australischen Staatsbürgerschaft durch Eintritt in eine Arbeitseinheit der Australian Army

29.3.1942 Rückkehr von Moritz Weinstein aus Sydney über Auckland von 1987 Deportierten „aliens“ nach Liverpool auf der HMS CAPETOWN CASTLE; Ziel Bloomsbury House, die Zentrale des Hechaluz in London

Beuthen – Auschwitz

13. 6.1942 Deportation der Eltern und Bruder Joseph von Beuthen nach Auschwitz

Gedenken

5.5.1999 Pages of Testimony für die Eltern und Bruder Joseph von Jakob Weinstein

Quellen

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988603

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988655

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_sln_420514.html

United Kingdom and Ireland, Incoming Passenger Lists, 1878-1960

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?itemId=6548076

Herbert Fiedler, Eine Geschichte der Hachschara; Verein Internationale Begegnungsstätte Hachschara-Landwerk Ahrensdorf e.V

Herbert und Ruth Fiedler, Hachschara, Hentrich & Hentrich 2004

http://www.hachschara-ahrensdorf.de/html/body_anfang.html

https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Fraemlingspass_Weinstein__Bernhard.pdf

Schweden, Haushalte-Untersuchungsbücher, 1840-1947

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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