Sigrid Rudolfa Weil geb Würzburger
*4.12.1917 in Gießen; ✡ 26.9.1942 Raasiku
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Josef Würzburger *7.11.1884 in Wiesbaden; ✡?
Mutter Martha Simons *6.12.1885 in Burgdorf; ✡ 4.3.1943 in Auschwitz
Geschwister
Senta Würzburger; oo Arzt Alexander Weinberg
Irmgard Würzburger; oo Heini Christ
Irene Würzburger; deportiert „nach dem Osten“-
Adressen Gießen; Ellguth; Frankfurt
Heirat 25.2.1941 in Frankfurt mit Nestor Weil *10.3.1909 in Fulda;

Kinder Uri Weil *17.2.1942 in Frankfurt
Weiterer Lebensweg

1933 Flucht der Schwester Irmgard nach Amsterdam
Lehrgut Ellguth
Sigrid Würzburger zu eineme unbekannten Zeitpunkt zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;
12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 23 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 — u.a. mit Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
Nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Vater Josef gemeldet in Darmstadt, Eschollbrücker Straße 4 und Gießen, Asterweg 53 bei Minderheiten-Volkszählung mit 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf

17.2.1942 Geburt des Sohnes Uri in Frankfurt
24.9.1942 Sigrid und Nestor Weil ab Frankfurt, Berlin nach Raasiku
6.11.1942 Tod des Vaters in Darmstadt mit „Herzblock (AV-Block III) im Alten-und Pflegeheim Dr. Rosenthal der jüd. Gemeinde Darmstadt; 1935-1939 Privatklinik Dr. Max Rosenthal

1943 Dokument des Nachlassgerichts
Fabrikaktion

1./2.3.1943 Mutter Martha in der Fabrikaktion aus Frankfurt nach Berlin auf dem 32. Osttransport nach Auschwitz
Nachkriegszeit
16.2.1949 Schwester Irmgard und Heinrich Christ aus Amsterdam nach Clevland, Ohio
Gedenken
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Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11208154
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/85947883
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22W%C3%BCrzburger%22%7D
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996415
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz