Laufer Fritz

Fritz Peretz Laufer

*11.3.1924 in Gleiwitz; ✡ Dezember 1977 USA

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Dagobert David Laufer *20.12.1885 in Breslau; ✡25.9.1941 in Gleiwitz

Heirat der Eltern 14.1.1920 in Beuthen

Mutter Eva Pick *18.8.1898 in Beuthen; ✡ 29.3.1968

Onkel

Herbert Laufer * 21.5.1887 in Breslau

Siegfried Laufer *28.12.1884 in Breslau

Großvater Silvius Pick *1.5.1869 in Beuthen; ✡?

Großmutter Käthe Ehrlich *2.9.1870 in Belgard; ✡1943

Urgroßonkel Paul Ehrlich *14.3.1854 in Strehlen; 20.8.1915 in Bad Homburg

Urgroßeltern Ismar Ehrlich und Rosa Weigert

Geschwister

Hans Heinz Laufer/ Reuben Ben Dori *4.11.1920 in Kattowitz; ✡ 5.8.2010 Jerusalem; oo Gisela Schürmann (*5.7.1921 Bielefeld)

Ernst Wolfgang Zeev Laufer *5.3.1922 in Kattowitz; ✡ 29.3.1968; oo Johanna Kiefer

Martin Menachem Laufer *24.8.1928 in Beuthen; ✡23.12.2012 Israel

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Beuthen; Kattowitz; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat

Kinder

Cousin Franz Laufer *18.8.1925 in Kattowitz; ✡ August 1942 in Auschwitz

Weiterer Lebensweg

1908 Onkel Paul Ehrlich erhält den Nobelpreis; Entdecker des Salvarsan zur Behandlung der Syphilis, Zellfärbungstechniken

Novemberpogrom

10.11.1938 Vater Dagobert Laufer in Gleiwitz verhaftet

Eingewiesen in das KL Buchenwald; Häftlingsnummer 27329

10.12.1938 Entlassung aus dem KL Buchenwald

17.5.1939 Dagobert Laufer in Gleiwitz, Wilhelmstraße 5 bei der Minderheitenzählung

25.9.1941 Tod des Vaters in Gleiwitz

Hachschara in Schniebinchen

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Ca 1938 Fritz Laufer zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

1939 waren 109 Chaluzim und Personal im Lager;

2.2.1939 Passausstellung von Fritz Laufer in Sorau

Vermutlich zuletzt in St. Gilles bei Brüssel, Belgien gemeldet

27.3.1939 Alija von Fritz Laufer nach Haifa mit Studentenzertifikat der Jugendalija Kategorie B(III)

Werkdorp Nieuwe Sluis

19.3.1936/31.3.1936 Hans Heinz Laufer angemeldet ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

1.12.1936/14.1.1937 Bruder Ernst angemeldet ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

7.4.1937 Eva und Sohn Martin Laufer zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

Eva Laufer Leiterin der Hauswirtschaft im Werkdorp

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner, auch Eva, Ernst, Martin, Heinz Laufer von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

3.4.1939 Ernst Laufer nach Tel Aviv mit Studenten-Zertifkat der Jugend-Alija der Kategorie B (III)

17.12.1934 Johanna Kiefer nach Haifa mit Studenten-Zertifkat der Jugend-Alija der Kategorie B (III)

13.6.1939 Alija von Heinz und Gisela Laufer auf der SS CHAMPOLLION nach Tel Aviv mit Arbeiter Zertifkaten des Hechaluz der Kategorie C/LS

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

3.9.1941 Eva Laufer mit Sohn Martin abgemeldet nach Amsterdam, Euterperstraat 80

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad Plantage

10.11.1941 Aufnahme Eva Laufer mit Sohn Martin von im Jugendheim des Joodse Raad Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

Mutter Eva Laufer Leiterin der Hauswirtschaft im Jeugdhuis

Siegfried Rosenthal wird als Koch eingestellt.

10.11.1941 Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer und Neffe Franz Laufer, Gert Herz, Gerhard Hirsch, Hans Joseph, Günter Levy, Hajo Meyer, Harald Rosenbach, Ernst Rosenbaum, Norbert Schweitzer und Hans Stern zur Eröffnung ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolaas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper

1.6.1942 Günter Schwarzschild in die Fransche Laan 13

Erste Razzia in der Franschelaan

15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet und nach Hooghalen deportiert; u.a.:

Gert Herz, Günter Levy, Hans Stern, Harald Rosenbach, Horst Levi, Gerhard Hirsch, Erwin Eichengrün,

 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen

Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.

15.7.-17.7.1942 Erster großer Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz

Zweite Razzia in der Franschelaan

26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; — eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager zusammen mit Martha Eibschütz, Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Ernst Rosenbaum, Grete Schramm,  Norbert Schweitzer, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60

Kamp Westerbork

26.5.1943 Mutter Eva und Bruder Martin eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

Austauschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen

Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.

Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.

1.2.1944 Eva und Martin Laufer auf dem dritten Transport von 908 „Austauschjuden“ nach Bergen Belsen

Sternlager Bergen-Belsen

 Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.

„Verlorener Zug“

10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt, Eva Laufer mit Sohn Martin auf dem „Verlorenen Zug“

23.4.1945 Die Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz,

Befreiung von Eva Laufer mit Sohn Martin in Tröbitz nach Eintreffen der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee, General Tschukow

Nachkriegszeit

Oktober 1964 stellt er einen Antrag zur Aufnahme in die US-amerikanischen Sozialversicherung

29.3.1968 Tod von Mutter Eva Laufer bei Autounfall in Hedera auf der Rückfahrt von der Hochzeit der Enkelin

Gedenken

Grabstein für Martin Menachem Laufer auf dem Savyon Cemetery, Savyo

Quellen

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de908982

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Pick%20Eva%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Laufer%22%7D&page=3

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131605731

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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