
Ruth Loewy
*17.12.1920 Hoppstädten; ✡ 9.11.1942 Auschwitz
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Rudolf Loewy *3.3.1893 Freienwalde; ✡ 29.11.1941 in Kauen
Heirat der Eltern 1916
Mutter Grete Heymann *13.2.1896 in Gräfenthal ; ✡ ?
Geschwister
Gerhard Loewy/Jerry Lewis *1.9.1916 in Berlin;13.6.1991 Rahway, NJ, USA; oo Evelyne
Tosca Loewy *4.7.1919 in Berlin; März 2001 in Beit Oren; oo Hans Lebrecht Cohn (1915-2014)
Georg Loewy *19.6.1922 Hoppstädten; ✡ 17.10. 1922 nach Trinken von Essigessenz
Esther Loewy *15.12.1924 in Saarlouis; ✡10.7.2021 in Hamburg; oo Nesim Bejarano(1925-1999)

Ausführliche Biografie von Schwester Esther Loewy-Bejarano hier: https://spurenimvest.de/2023/03/04/bejarano-esther/
Adressen Hoppstädten; Neu-Ulm, Schützenstraße 38 Berlin; Ellguth, Steinau; Oldenzaal
Heirat (?) Istvan Marchand
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Vater Rudolf Loewy war Kantor, Musiklehrer
Umzug der Familie von Berlin nach Hoppstädten
1923 Umzug der Familie nach Saarlouis
1926 Umzug der Familie nach Saarbrücken
1936 Umzug der Familie nach Neu-Ulm
Lehrgut Ellguth
Ruth Loewy zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche kommen mit Motorrad aus Breslaunach Ellguth und berichten über die dortigen Pogromexzesse; nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen.
10.11.1938 Ein Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut; Ruth wird von S.A.-Männern brutal geschlagen, sie konnte kaum noch laufen. Alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer – mehr als 17 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen. Ruth fährt zu den Eltern nach Ulm.
In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
22.3.1939 Ruth Loewy von Ulm nach Luxemburg
1.5.1939 nach Gorssel, Niederlande; die Jeugdherberg „De kleine Haar“ war ein Stützpunkt der zionistischen „Deventer Vereiniging tot vakopleididing“

August 1940 zur Ausbildung als Krankenschwester in das „Ziekenhuis Zuidwal“ in Den Haag
März1941 als Pflegekraft im „Centraal Israëlitisch Oude Mannen- en vrouwenhuis“, Oosthaven 31 in Gouda
Februar 1942 in der Hengeloschestraat 2 in Oldenzaal. Sie war Haushälterin der Familie Zwartz.
Onderduiker
Juli 1942 erste Massendeportationen nach Auschwitz. Ruth geht wie viele Chaluzim ins Versteck.
26.11.1942 im „Algemeen Politieblad“ Ausgabe Nr 47, 1317, notice 2868 wird sie als „onderduiker“ zur Fahndung ausgeschrieben.
Kamp Westerbork
Ruth Loewy wird verhaftet und in das polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork als Strafgefangene eingewiesen. Üblicherweise wurden diese zur Bestrafung auf den nächsten abgehenden Transport nach Auschwitz gesetzt.

6.11.1942 steht sie auf der Deportationsliste von Westerbork nach Auschwitz
1.12.1942 Tod in Auschwitz
Es gibt aber auch diesen Bericht, der vermutlich auf einer Verwechslung beruht:
„1942 heiratete sie den ungarischen Juden István Marchand, und gemeinsam flohen sie mit dem Fahrrad aus dem Konzentrationslager Westerbork. Ein Bauer schmuggelte sie unbemerkt auf seinem Heuwagen aus den Niederlanden, woraufhin sie versuchten, in die Schweiz zu fliehen. Doch wenige Kilometer vor der Schweizer Grenze entdeckten Grenzsoldaten das flüchtende Paar, und beide wurden auf der Stelle erschossen.“
Massenerschießung in Kaunas
25.11.1941 beide Eltern auf dem Transport von Breslau nach Kaunas; Einsperrung im Fort IX
Der erste Transport mit schlesischen Juden verließ am 25.11.41 den Bahnhof Breslau-Odertor, nachdem die Menschen zuvor im Sammellager am Schießwerderplatz konzentriert wurden. Wie bereits die Züge aus Berlin (17.11.), München (20.11.), Frankfurt/Main (22.11.) und Wien (23.11.) wurde auch der Transport aus Breslau nicht wie ursprünglich vorgesehen nach Riga, sondern ins litauische Kowno geleitet. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden die Breslauer Juden am 29.11.41 vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A im Fort IX außerhalb von Kowno erschossen
25.11.1941 nach Ankunft der Juden aus Frankfurt/Main Massenerschießung zusammen mit den zuvor Eingetroffenen aus Berlin und München; vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD wurden insgesamt 2934 Menschen im Fort IX außerhalb der Stadt erschossen.
29.11.1941 Tod der Eltern bei Massenerschießung in Fort IX in Kauen
Gedenken
2015 Stolpersteine für Ruth Loewy und die Eltern in Saarlouis
Ihr Name steht auf der Gedenktafel in Oldenzaal
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en920767
https://www.joodsmonument.nl/en/page/33137/ruth-loewy
Algemeen Politieblad, nr 47, 26 November 1942, 1317, notice 2868
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130335748
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten