Wald Charlotte

Sophie Charlotte Lotte Wald später Nira Schnurmann

* 17.2.1916 in Bochum; +13.11.2012 in Galed, Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Richard Wald *20.3.1875 in Bamberg; +21.8.1942 in Theresienstadt

Heirat der Eltern 24.2.1915 in Bochum

Mutter Isabella Elsa Willstädt *15.6.1883 in Lüdenscheid; deportiert 28.4.1942 nach Zamosc

Im Strandkorb Großvater Julius Willstädt mit Enkel Hans, auf dem Dach Carl und Lotte, 1924

Großeltern Julius Willstädt (1853-1931) und Berta Blumenthal(1853-1920), Bochum

Berta hatte ein Putzgeschäft (Damenhüte), Julius war Weinhändler

Geschwister

Die Geschwister Wald Carl, Hans und Lotte

Carl Heinz (Carlos Enrique) Wald *15.4.1918 in Bochum; +24.1.1990 in Argentina

1.Ehe Margot Weil (23.7.1926-22.3.2006); gemeinsamer Sohn

Alfredo Julio Wald (*10.11.1944 in Uruguay; +3.7.1968 in Deutschland, Unfall)

Alfredo Weil der Junge rechts mit Krawatte (Barmitzwa?)

2. Ehe mit Ada Maria Montalti (19.1.1923-22.3.2006)

aus dieser Ehe 2 Kinder Claudia and Graciela

Daniel Hans- Günter „Dany“ Wald *23.8.1923 in Bochum; +26.4.1977 in Nazareth

Beruf

Adressen Bochum

Heirat

1.Ehe 5.2.1942 in Hoorn mit Heinrich Max Spittel (*27.2.1918, +25.4.1945 in Bergen Belsen)

2.Ehe 1952 mit Hans Meir Schnurmann (*7.7.1914 in Ludwigshafen, +31.3.1985 in Galed)

Kinder

Schaul Schnurmann *18.2.1948 in Galed; +11.6.1995 in Galed

Ora Schnurmann *6.1.1950 in Galed; oo Yechiel Benami

Margalit Schnurmann *1957 in Galed;

Weiterer Lebensweg

Eltern betreiben „Geschäft für eleganten Damenputz“ auf der Hochstraße 22, später Kortumstraße 65, begründet vom Großvater Julius Willstädt

1934 Bruder Karl-Heinz emigriert nach Eindhoven, Holland

1934 Umzug der Familie in die Scharnhorststraße 6

7.12.1938 Bruder Karl-Heinz emigriert nach Uruguay

September 1938 Übernahme des Putzgeschäftes durch Verkäuferin Emilie Schmidt

1935 Habonim (Internationale sozialistisch-zionistische Bewegung) in Bochum, Lotte lernt auf einem Treffen der Gruppe in Berlin ihren zukünftigen Mann Heinrich Spittel kennen, seitdem sind sie „zusammen“

1.6.1936 bis 31.12.1938 Bruder Hans-Günter auf Hachschara in Neuendorf, Fürstenwalde

1937 Heinrich Spittel ins Hachschara-Lehrgut Jägerslust bei Flensburg;

Lotte (rechts) in Jägerslust

10.2.-10.11.1938 Lotte Wald folgt Heinrich nach Jägerslust bei Flensburg, Chawerah des Hechaluz

10.11.1938 brutaler Überfall und Verwüstung des Gut Jägerhof. Alle Chawerim verhaftet, die Männer ins Polizeigefängnis Kiel, von wo sie später ins KL Sachsenhausen deportiert werden. Die Frauen kommen ins Polizeigefängnis nach Flensburg und werden nach einem Tag entlassen.

27.1. 1939 Heinrichs Entlassung aus Schutzhaft im KL Sachsenhausen

1939 Bruder Hans-Günter mit der Jugend-Aliyah nach Palästina

15.2.1939 Lotte Wald und Heinrich emigrieren nach Deventer, Niederlande

4.3.1939 Heinrich kommt zur Familie Wagenvoort in Vierakker.

4.3.1939 Lotte geht nach Steenderen.

2.6. 1939 fängt Heinrich im Werkdorp Wieringer Meer bei Hoorn eine Ausbildung als Gärtner an.

17.5.1939 beide Eltern in Bochum bei Minderheiten-Volkszählung

21.7.1939 Deventer Papenstraat 45

21.11.1939 Lotte in Arnhem, Mesdaagslaan 64

2.4.1940 Umzug von Lotte nach Amsterdam, erst Spiegelgracht 9, dann Rokin 34

Mai 1940 arbeitet Lotte im vegetarischen Restaurant „Reinhard“ in Amsterdam.

31.10.1940 umgemeldet ins Werkdorp Wieringer Meer

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD Amsterdam; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht;

Gerd Vollmann aus Bochum berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform (Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam) und Barbie in Zivil (Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam). Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Heinrich hat das große Glück zu den 60 zu gehören die noch zur geordneten Auflösung Ende Juli 1941 bleiben dürfen. So entgeht er einer brutalen Vergeltungsaktion von Klaus Barbie, SS-Obersturmführer; dieser hatte sich nach einer Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam bei der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“ erschlichen. “ So ließ er bei einer Razzia 300 Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftieren. Von den „Werkdorpern“ 4 wurden freigelassen, 57 in das KL Mauthausen deportiert, keiner überlebte das Jahr 1941.

Juni 1941 bis Dezember 1942, Lotte in Arnheim

6.11.1941 Der Antrag von Lottes Eltern auf Ausreise nach Kuba wird endgültig abgelehnt

Ende Juli 1941 Heinrich nach Abwicklung des Werkdorps nach Arnheim, wo Lotte Arbeit gefunden hat

August 1941 bis April 1942 Heinrich zurück nach Hoorn, vermutlich arbeitet er für Bauern, für die er auch als Werkdorper gearbeitet hat

5.2.1942 Heirat mit Heinrich in Hoorn

10.4.1942 Heinrich wieder zu Lotte nach Arnhem, Mesdaaglaan 64

28.4.1942 Deportation der Mutter Elsa in den Saal des Sportvereins Eintracht in Dortmund

30.4.1942 Deportation der Mutter vom Dortmunder Süd-Bahnhof nach Zamosc; Ehemann Richard zurückgestellt vom Transport wegen Krankheit, wohnt zuletzt im Judenhaus Wilhelmstraße 16

29.7.1942 Deportation des Vaters nach Theresienstadt, Transport X/1

Ankunft von Richard Wald in Theresienstadt
21.8.1942 Vater Richard Wald stirbt an Lungenentzündung in Theresienstadt

Herbst 1942 Vorbereitungen des Ehepaar Spittel um unterzutauchen können nicht mehr umgesetzt werden

11.12.1942 alle Juden bei Razzia in Arnheim verhaftet, ins Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork verbracht; Heinrich durch „Albersheim-verklaring“ zunächst vor Deportation geschützt

Die 70-80 Chawerim wurden gemeinsam in der Westerbork-Baracke 71 untergebracht.

Es gab in dieser Gruppe eine Flucht; gemeint ist offensichtlich Max Windmüller, der am 14.8.1943 ins Lager kommt und bereits am 18. 8 flüchten kann.

13.5.1943 Roode Kruis Brief von Bruder Hans-Günter aus Palästina. Sie erhält daraufhin auch die Albersheim-verklaring

14.9.1943 Transport von Lotte und Heinrich von Westerbork nach Auschwitz, zusammen 40 Chawerim, davon 12 Mädchen; u.a. mit Erco Ernst Cosmann, Sohn des Fritz Cosmann aus Recklinghausen

Lotte zunächst im Experimentier-Block 10 im Stammlager von Auschwitz, wo Prof. Dr. Carl Clauberg und SS- Lagerarzt Dr. med. Eduard Wirtz im Auftrag von Himmler bei Hunderten Jüdinnen per Injektion in den Eileiter Massensterilisationen entwickelte.

Sommer 1944 verlegt nach Auschwitz-Birkenau, dort in Arbeitskommandos wie Straßenbau, Kartoffelkommando

26.10.1944 Heinrich von Auschwitz, Buna Monowitz ins KL Natzweiler, Elsass

29.10.1945 Heinrich verlegt vermutlich in rechtsrheinische Natzweiler Außenlager

Nov./Dezember 1944 Transport per Bahn von Lotte aus Auschwitz nach Bergen-Belsen.

Jan. 1945 Lotte meldet sich freiwillig für ein Arbeitskommando in der Munitionsfabrik Draht-und Metallwarenfabrik in Salzwedel

30.1.1945 Heinrich Transport über KL Dachau ins KL Buchenwald

23.3.1945 Heinrich auf Transport von Buchenwald nach Bergen-Belsen

April 1945 Heinrich angemeldet für einen Repatriierungstransport von Bergen-Belsen in die Niederlande

14.4.1945 9. US-Army befreit etwa 3000 zumeist jüdische Frauen im Außenlager Salzwedel, das nach einer weiteren Woche aufgelöst wird.

14.4.1945 die befreiten Frauen in Salzwedel in Begleitung von US-Soldaten, um sich in der Stadt das Nötigste zu beschaffen; Fotos Dale Ramsey

15.4.1945 Max Spittel in Bergen-Belsen von der Royal Army befreit

25.4.1945 Tod von Max Spittel in Bergen-Belsen

28.4. 1945 Lotte kehrt in die Niederlande zurück, wird dort am Blinddarm operiert

Herbst 1945 Lotte auf Alijah nach Kriegsende illegal über Frankreich nach Palästina, Aufnahme im Kibbuz Gal-Ed bei Haifa

Briefwechsel mit Siegbert Vollmann, Gemeindevorsteher und Vater des o.a. Gert Vollmann

Gedenken

Grabstätte der Großeltern Julius Willstädt und Berta Blumenthal, jüdischer Friedhof

März 1957 Interview Lotte Wald, Nira Schnurman

24.7.1995 und 22.9.1999 Page of Testimony für Max Spittel von seiner Witwe Lotte

4.10.2010 Stolpersteine für Richard und Isabella Wald vor dem Geschäftshaus Kortumstraße 65

Quellen

https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W28D8DRM722BOLDDE/$FILE/116_117_Wald_Isabella_und_Richard.pdf

Index Bevolkingsregister Eindhoven 1929-1938

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Wald%201916%22%7D

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Ralph Piorr (Hrsg) Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg

nach Zamość im April 1942; Essen 2012

https://www.statistik-des-holocaust.de/X1-38.jpg

www.spurenimvest.de/2021/10/08/cosmann-ernst/

https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/5126254?s=Richard%20Wald&t=6937&p=1

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/7167665?s=Spittel%201918&t=222836&p=1

https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/80084-wald-richard-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1164723

www.werkdorpwieringermeer.nl/en/heinrich-max-spittel-2/

http://danielabraham.net/tree/related/hachshara/

www.spurenimvest.de/2021/10/12/vollmann-gert/

www.spurenimvest.de/2022/04/09/windmueller-max/

https://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp?book=56710&lang=eng&site=gfh

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

Philipsen, Bernd (2008): Jägerslust. Gutshof, Kibbuz, Flüchtlingslager, Militär-Areal. Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (69). Flensburg. Philipsen, Bernd (2016):„Dat Judennest hebbt wi utrökert.“ Vom gewaltsamen Ende des Auswanderer-Lehrguts Jägerslust bei Flensburg. In: Hering, Rainer (Hg.) (2016): Die „Reichskristallnacht“ in Schleswig-Holstein. Der Novemberpogrom im historischen Kontext. Hamburg, S. 231-25

Barbara Petersen-Vollmann, Erinnerungen, in Erinnern für die Zukunft Nr. 9, Bochum, 2005

https://media.offenes-archiv.de/ha7_2_1_5_thm_2489.pdf

Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010

Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben; LIT-Verlag 2014

Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000

Manfred Keller, Spuren im Stein, ein Bochumer Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte, 1997

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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