Perlmann Michael

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Benjamin Perlmann *16.10.1876 in Perleburg; ✡ 31.7.1942 in Auschwitz

Mutter Else van Son *2.3.1880 in Hamburg; ✡ 31.7.1942 in Auschwitz

Geschwister

Helmuth Perlmann *15.3.1907 in Hamburg; ✡Sept 1982 in New York; oo Edith Sander

Hilde Perlmann *7.9.1908 in Hamburg; ✡Jan. 2005; oo Max Bertenthal/BarTal

Beruf landwirtschaftlicher Praktikant; Madrich

Adressen Hamburg Bogenstraße 15, Grindelallee 44, Brahmsallee 12; Mannheim; Nürnberg; Bomsdorf; Steckelsdorf bei Rathenow im Landkreis Jerichow;

Heirat 1943 Elisheva Singer *1923; ✡1.7.2003

Kinder vier

Weiterer Lebensweg

Die Geschwister sind im Bachad, der Jugendorganisation des religiösen, orthodox-zionistischen Misrachi aktiv

1931 Schwester Hilde emigriert in einen Misrachi-Kibbuz nach Palästina

1933 Mutter Else besucht Tochter und Schwiegersohn in Palästina

1936 Umzug von der Grindelallee 44 in die Brahmsallee 12.

Michael Perlmann in der Jeschiwa in Mannheim

Orthodox-zionistische Hachschara des Bachad auf Gut Bomsdorf

10.11.1938 ein Trupp SA-Männer überfällt das Lager und schießen zwei der Chaluzim nieder. Heute erinnert ein Gedenkstein an diese nie aufgeklärte Mordtat.

Sofie Löwenstein berichtet:

Bereits in der Reichspogromnacht brachen die Nazis in das Lagergelände ein, steckten die Jugendlichen in der Kälte des Novembers in Nachtkleidung auf den Hof und ermordeten zwei Jungen. Sie wurden heimlich auf dem christlichen Friedhof in der Stadt Gräfenhainichen bestattet, und die Lage der Gräber wurde erst vor kurzem bekannt. Die Nazis verschleierten die ganze Angelegenheit, indem sie ihnen verboten, das Ausbildungsprogramm für ein paar Tage zu verlassen, ihnen ausdrücklich verboten, über das Thema zu sprechen, und die Pioniere einschüchterten.

Die über 18-jährigen Chawerim kommen in „Schutzhaft“ ins KL Sachsenhausen

Michael Perlmann als über 17-Jähriger verhaftet, dann für kurze Zeit als „Aktionsjude“ in „Schutzhaft“ im KL Sachsenhausen; dort trifft er auf seinen Bruder Helmut

Das jüdische Umschulungslager Steckelsdorf-Ausbau

Lagerleiter/Madrichim waren Sigmar Bromberger, Manfred und Schoschana Litten, Dr. Benjamin Abrahamson, Herbert Schönewald, Werner Hoffbauer, Friedrich Löwenthal, ab 1941 Kurt Silberpfennig

Madrichim 1939/40 Chaim Grosz, Joachim Lippmann und Richard Heymann

10.11.1938 Novemberpogrom in Steckelsdorf, am Abend wurde das Landwerk gestürmt und verwüstet. Alle männlichen Funktionsträger wie Betriebsleiter Werner Hoffbauer, Simon Berlinger, Adolf Frohmann, Friedrich Löwenthal und Herbert Schönewald verhaftet ins Polizeigefängnis Magdeburg und später als „Schutzhäftlinge“ nach Buchenwald gebracht.

21.11.1938 Entlassung der Steckelsdorf Madrichim Simon Berlinger, Adolf Frohmann, Friedrich Löwenthal und Herbert Schönewald aus dem KL Buchenwald

1939 Instandsetzung und Übernahme von Steckelsdorf durch die RVJD

Auswanderungsantrag

16. 1.1939 stellte er den förmlichen Antrag auf Ausreise. Die erforderliche Ausstattung im Wert von 69 Reichsmark (RM) erhielt er von der Jüdischen Gemeinde: 1 Paar Schuhe, 3 Polohemden, 1 Trainingsanzug, 1 Arbeitshose, 3 Garnituren Unterwäsche. Die Devisenstelle des Oberfinanzpräsidenten erließ ihm die Auswanderungsabgabe von 75 RM.

Sommer 1939 Alija nach Palästina; er wird in einen religiösen Kibbuz des Misrachi aufgenommen. Durch Vermittlung des Hamburgers Baruch Zwi Ophir erhielt er bald eine Arbeit.

Später ist Michael Perlmann an einer Landwirtschaftsschule in Jaffa beschäftigt

Deportation der Eltern nach Auschwitz

11.7.1942 Eltern ab Hamburg über Bielefeld, Berlin nach Auschwitz

Gedenken

Stolpersteine für die Eltern in Hamburg Brahmsallee 12

Quellen

https://www.stolpersteine-hamburg.de/?MAIN_ID=7&BIO_ID=1800

Hubertus Fischer, Bomsdorf und der Bachad: Rekonstruktion einer religiös-zionisten Hachschara; Mitteldeutscher Verlag 2019

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/ad

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

Ina Lorenz, Editorin, Verfolgung und Gottvertrauen, Dölling und Galitz, 1998

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/13.pdf

Bettina L. Götze, Landwerk Steckelsdorf-Ausbau, in: Hachschara als Erinnerungsort.

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/13> [24.03.2024]

Ezra Ben Gershôm David. Aufzeichnungen eines Überlebenden, Evangelische Verlagsanstalt 1989

Joel König (Ezra Ben Gershom), Den Netzen entronnen, Vandenhoeck u. Ruprecht 1967

Bettina Götze, Rathenow, in: Irene Annemarie Diekmann (Hrsg.), Jüdisches Brandenburg. Verlag für Berlin-Brandenburg 2008. S. 304–328

Jizchak Schwersenz: Die versteckte Gruppe. Ein jüdischer Lehrer erinnert sich an Deutschland. Berlin: Wichern Verlag 1988

Michael Wermke: Ein letztes Treffen im August 1941. Kurt Silberpfennig und die Praxis religiös-zionistischer Pädagogik, Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland. Münster: Waxmann 2020

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert