Hans David Seeman
*21.7.1923 in Berlin; ✡5.12.2007 in Israel
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Erich Seemann*29.8.1877 in Berlin; ✡ 10.3.1937 in Berlin
Mutter Minna Ermisch *30.5.1892 in Aschersleben; ✡ ungeklärt
Tante Käthe Seemann *18.5.1881 in Berlin; ✡1943 in Auschwitz
Cousine Eva Seemann *14.4.1922 in Berlin; ✡1943 in Auschwitz; oo Martin Süsskind (*21.1.1911)
Verwandte in Scheveningen Familie Heilmann, Leuvenschestraat 26
Geschwister
Sientje de Groot *15.5.1925; ✡ 5.12.1997
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant; Gärtner
Adressen Berlin, Frankenstraße 2

Heirat 7.2.1947 in Givat Mieke Michal de Groot *21.9.1923 in Almelo; ✡ 19.9.2010

Kinder vier
Perez Seemann 3.5.1951
Ezra Seemann *29.11.1957
Weiterer Lebensweg
ORT Schule Berlin

1936-1938 in der ORT Schule Berlin, Niederschönhausen zur Umschulung
Hans Seemann in der Möbelschreiner Werkstatt
10.3.1937 Tod des Vaters in Berlin
Hans wohnt bei seiner Tante Käthe Seemann
Novemberpogrom 1938
Die ORT-Schule Berlin erhält ein Transportkontingent für 10 Jungen
4.1.1939 Kindertransport ab Berlin über Bielefeld, Rheine nach Amsterdam
4.1.1939 in Amsterdam wurden drei Gruppen gebildet
– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen
– Losser K.L. Smitoord nur Mädchen
– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen
5.1.1939 Eintreffen im Dommelhuis, Jonckbloetlaan 13, Eindhoven
22.3.1940 in das Jungenheim Westersingel, Westersingel 40, Rotterdam
Besuch der Ambachtschool in Rotterdam
Jeugdalijah
Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.
Mijnsheerenland
Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.
3.9.1940 kommt Hans Seemann auf den Hof in Mijnsheerenland
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
16.10.1940 Wechsel in das Jeugdalija Tehuis in Loosdrecht
Kibbuz Elden
8.6.1941 Hans Seeman nach Abschluss der Umschulung in Loosdrecht in Loosdrecht in den Kibbuz Elden bei Arnheim, Huize Voorburg, Drielsche Dijk 1. Kibbuz Elden im Huize Voorburg, Drielse Dijk war im Besitz der Familie Kahn
Juni 1941-Oktober 1942 für Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara und Palästinazertifikat als gemeinsames Projekt der „Deventer Vereniging tot vakopleiding“ und der religiösen Misrachi- Dath WaEretz

„Huize Voorburg“ 1942; Mieke de Groot sitzend ganz rechts, Hans Seemann stehend 5. Von rechts
Mieke de Groot ist rechtzeitig untergetaucht und überlebt im Versteck bis zur Befreiung.
Sie steht in brieflichen Kontakt mit Hans Seemann im Kamp Westerbork.
Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager
3.10.1942 Razzia im Huize Voorburg, Verhaftung von 36 der 40 Chaluzim in Elden und Verbringung ins „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“, dazu zählen auch der Leiter von Huize Voorburg Ernst Cosmann, Kurt Pollack aus Bochum, Rosa Kratzer aus Dortmund und ihr Verlobter Gerd Sternlicht (*16.7.1924); Leo Goldschmidt (*26.7.1924) und Verlobte Clara Helena Leefsma (*15.9.1924)
Vier Chaluzim bleiben zum Aufräumen zurück
4.10.1942 Transport nach Hooghalen. Zu Fuß ins Kamp Westerbork. Die Bahntrasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.
In Westerbork blieb die gesamte Elden-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.
Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, nicht nur aus Elden, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.

14.9.1943 Deportation der über 20-jährigen Chaluzim nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold Erlanger, Karl Elias und Erwin Moses.
Die Chaluzim unter 21 Jahren mit Palästina Zertifikat nach abgeschlossener Hachschara erhielten eine Palästina-Verklaring als „Austauschjuden“; sie sollten gegen Deutsche, die in Palästina („Templer“) oder einem anderen Staat des Britischen Empire lebten.

Austauschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
11.1.1944 Hans Seemann auf dem zweiten Transport von 908 Austauschjuden nach Bergen Belsen

März 1945 Hans Seemann mit Flecktyphus und TBC schwer krank in den Häftlingskrankenbau von Bergen Belsen
10.4.1945 Wegen seiner Erkrankung wird er nicht auf einen der drei Transporte der „Austauschjuden“ Richtung Theresienstadt mitgenommen.
15.4.1945 Befreiung in Bergen-Belsen durch britische Truppen
Rückkehr in die Niederlande
Alija Beth auf der SS BIRIA
Im April 1946 machen sich Miekje de Groot und Hans Seemann auf in Richtung Marseille
22.6.1946 Abreise Miekje de Groot und Hans Seemann aus Port de Sete, einem kleinen Hafen 200 km westlich von Marseille mit 1086 Ma’apilim auf dem von der Haganah gechartertem Schiff SS BIRIA, zuvor SS AKBEL
2.7.1946 Ankunft der SS BIRIA in Haifa; Zieladresse Alex de Groot in Tel Aviv
Die Ma‘apilim werden nach Zypern verbracht und dort in britischen Detentioncamps interniert
7.2.1947 in Givat Heirat mit Hans Zeemann
14.5.1948 Proklamation der Staatsgründung Israels durch David Ben Gurion
Fabrikaktion
17.5.1939 Tante Käthe mit ihrer Tochter Eva in Berlin, Frankenstraße 2 bei der MInderheitenzählung
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert
1.3.1943 Tante Käthe Seemann auf dem 31. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
2.3.1943 Cousine Eva mit Mann Martin Süsskind auf dem 32. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
Gedenken
Grabstein für Hans David und Michal Seeman auf dem Regba Cemetery
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130298694
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212482
Hans-David Seemann (born 20 July 1923)
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
http://meitotmei.nl/233-ontsnappingen-uit-westerbork/
https://infocenters.co.il/gfh/search.asp?lang=ENG
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316