Sternlicht Gerd

Gerhard „Gerd“ Michael Sternlicht

*16.7.1924 in Berlin; ✡ 18.8.2012 in New York

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos;

Religion jüdisch

Vater Wilhelm Awigdor Sternlicht *15.9.1895 in Lubaczow; ✡ 31.3.1940 in Sachsenhausen

Mutter Regina Rifka Stern *4.4.1896 in Cajar/Ungarn; ✡ 4.5.1942 Vernichtungslager Kulmhof

Beruf Lehrling als Elektriker, Landbau-Praktikant

Adressen Berlin, Münchener Straße 15; Loosdrecht; Palästina; New York

Heirat in Westerbork Rosa Sternlicht geb. Kratzer * 4.12.1924 in Dortmund

Kinder

Weiterer Lebensweg

4.1.1939 Kindertransport aus Berlin über Bielefeld, Rheine nach Amsterdam

4.1.1939 es wurden drei Gruppen gebildet

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Losser K.L. Smitoord nur Mädchen, 40 Mädchen sind in Oldenzaal ausgestiegen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

5.1.1939 Ankunft von Gerd Sternlicht im Dommelhuis

16.11.1939 Gerhard Sternlicht ins Werkdorp

24.10. 1939 Rosa Kratzer kommt aus dem Huize Ockenburgh, Monsterse Weg 4-6 Loosduinen zur Hachschara in Jugend-Alija „Paviljoen Loosdrechtsche Rade“ in Loosdrecht

Gert Sternlicht fast ein ganzes Jahr beim Bauern C. Mulder, Nieuw-Loosdrechtsedijk 133

Werkdorp Nieuwe Sluis Wieringermeer

16.11.1939 Gerhard Sternlicht ins Werkdorp

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Jeugdalijah

Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige. Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht.

1940 Gerd Sternlicht in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Kibbuz Elden

1941 Nach Abschluss der Umschulung in Loosdrecht in den Kibbuz Elden im „Huize Voorburg“. Huize Voorburg, Drielse Dijk war im Besitz der Familie Kahn.

8.4.1941 Ankündigung der Verlegung nach Elden

Juni 1941-Oktober 1942 für Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara und Palästinazertifikat als gemeinsames Projekt der „Deventer Vereniging tot vakopleiding“ und der religiösen Misrachi- Dath WaEretz

8.6.1941 Gerd Sternlicht zur Hachschara ins Jugend Alija Haus „Huize Voorburg“ in Elden

28.7.1941 Rosa Kratzer nach Elden, Jugend Alija Haus „Huize Voorburg“ in Elden

Kibbuz Elden Sommer 1942

4.10.1942 36 von 40 Jugendlichen aus dem „Huize Voorburg“ nach Westerbork deportiert

Heirat mit Gerd Sternlicht in Westerbork

Oktober 1942 Auflösung aller jüdischen Arbeitslager

4.10.1942 Razzia im Huize Voorburg, Verhaftung von 36 der 40 Chaluzim in Elden und Verbringung ins „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“, dazu zählen auch der Leiter von Huize Voorburg Ernst Cosmann, Kurt Pollack aus Bochum, Rosa Kratzer aus Dortmund und ihr Verlobter Gerd Sternlicht (*16.7.1924); Leo Goldschmidt (*26.7.1924) und Verlobte Clara Helena Leefsma (*15.9.1924)

4 Chaluzim bleiben zum Aufräumen zurück

Transport nach Hooghalen. Zu Fuß ins Kamp Westerbork. Die Bahntrasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.

In Westerbork blieb die gesamte Elden-Gruppe nach Intervention von Josef  Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.

Die Elden Chaluzim sind in Baracke 58 untergebracht.

Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, nicht nur aus Elden, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.

14.9.1943 Deportation der über 20-jährigen Chaluzim nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold ErlangerKarl Elias und Erwin Moses.

 Die Chaluzim unter 21 Jahren mit Palästina Zertifikat nach abgeschlossener Hachschara erhielten eine Palästina-Verklaring als „Austauschjuden“; sie sollten gegen Deutsche, die in Palästina („Templer“) oder einem anderen Staat des Britischen Empire lebten.

25.10.1943 Rosa Kratzer erhält das ersehnte Palästina-Zertifikat

Transporte von Westerbork nach Bergen Belsen

Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.

Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.

11.-12-1.1944 Gerd und Rosa Sternlicht auf dem zweiten Transport von 1037 „Austauschjuden“ nach Bergen Belsen

25.8.1944 im Block 13 in Bergen Belsen

Bergen Belsen, Verlorener Zug

10.4.1945 Evakuation der Austauschjuden aus Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt

23.4.1945 zweiwöchige Irrfahrt endet an der gesprengten Elsterbrücke, Ankunft Tröbitz

Befreiung durch die Rote Armee, General Tschukow

Rosa erkrankt an Fleckfieber („Typhus“)

Sie werden von Dr. Jopie Melkmann betreut wie ja auch die Kinder Georg und Ursula Levy

Von Tröbitz nach Leipzig mit US-Militärgefahren zur amerikanischen Militärbasis in Leipzig

Weiter nach Brüssel und dann Maastricht

Erste Polenaktion

28.10.1938 Abschiebung von etwa 15000 Juden mit polnischem Pass nach Zbaszyn, auch die Eltern Rückkehr nach Berlin

Zweite Polenaktion

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

7.9.1939 Haftbefehl für alle polnischstämmigen Männer, Juden und Funktionäre polnischer Verbände als „feindliche Ausländer“; Vater Wilhelm zunächst ins Gefängnis

13.9.1939 Internierung im Kl Sachsenhausen

31.3.1940 Tod des Vaters im KL Sachsenhausen; Sterbeurkund vom 3. April 1940 mit der Angabe „Lungenentzündung“

Berlin – Ghetto Lodz/Litzmannstadt – Kulmhof

24.10.1941 Deportation der Mutter nach Litzmannstadt

4.5.1942 Tod der Mutter im Vernichtungslager Kulmhof

Nachkriegszeit

N Maastricht von den niederl Behörden erneut interniert

Juli 1945 im Rückkehrer-Sammellager Abtei St. Benediktusberg in Mamelis Vaals

Nach Entlassung nach Loosdrecht; Gerd besucht „seinen Bauern“ Mulder

Alija Beth auf der TEL HAI

März 1943 großer Militär-LKW-Konvoi der Jewish Brigade von Antwerpen nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille.  Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.

17.3.1946 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen

28.3.1946 Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI;

Nach wenigen Tagen werden die internierten Ma’apilim aus Athlit entlassen, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontingente anzurechnen. Als Wohnort geben sie bei der Entlassung aus Athlit Beit Hashita an

Emigration USA

15.8.-1.9.1954 Gerd und Rosa von Haifa mit der „SS Jerusalem“ nach New York

24.8.1986 Interview durch Miriam Pinkhof auf Audiokassette in Niederländisch, Englisch, Deutsch und Hebräisch in New York City

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=6765867&ind=1

Card index of Relico, the Relief Committee of the World Jewish Congress (WJC) in Geneva: Jews who were inmates of Bergen-Belsen, 1945

www.dokin.nl/surviving_children/gerhard-sternlicht-born-16-jul-1924/

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1168085

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1168004

https://www.joodsmonument.nl/nl/page/70056/huize-voorburg

https://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp?book=57956&lang=eng&site=gfh

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 8500); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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