Gluskinos Irene

Irene Rachel Gluskinos

*20.5.1917 in Breslau

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Wilhelm Zeev Gluskinos *9.10.1881 in Posen; ✡1965

Mutter Judith Breslauer *1.1.1882 in Kepno; ✡ ?

Tante Rebekka Slagter geb. Gluskinos

Geschwister

Gerhard Gluskinos *9.8.1913 in Breslau; ✡17.8.2011 in Bnei Brak; oo Miriam Stern

Ruth Rebekka Gluskinos *1.9.1914 in Breslau; ✡19.2.1943 in Auschwitz

Georg Itzchak Gluskinos *26.1.1921 in Breslau; ✡Febr. 2015 Ramat Gan

Beruf Schneiderin

Adressen Breslau, Wallstraße 13;

Heirat oo David Theo Goldschmidt (1917-1976)

Kinder

Weiterer Lebensweg

1937 Bruder Georg flüchtet in die Niederlande

Landwerk Neuendorf

Bruder Gerhard zur Hachschara ins Landwerk Neuendorf in Brandenburg; Leiter des Landwerks von Beginn 1932 bis zum Novemberpogrom 1938 war Alexander Moch (1893–1977).

Im Novemberpogrom wurden 38 männliche Chaluzim und Angestellte verhaftet und im KL Sachsenhausen interniert; Moch besorgte in England 150 Ausreisevisa, mit denen er die Gefangenen aus der Haft auslösen konnte.

19.1.1939 Entlassung von Bruder Gerhard aus dem KL Sachsenhausen

6.2.1939 Passausstellung für Gerhard Gluskinos in Breslau

27.3.1939 Alija von Gerhard Gluskinos nach Haifa, Einreise mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

17.5.1939 Eltern und Schwester Judith in Breslau, Wallstraße 13 bei Minderheiten-Volkszählung

Alija der Familie Gluskinos

27.3.1939 Alija von Gerhard Gluskinos nach Haifa, Einreise mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

25.8.1939 Die Eltern emigrieren zur Tochter Ruth nach Apeldoorn

16.7.1939 Boarding von Bruder Georg mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der SS DORA

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

30.11.1939 Legale Alija der Eltern nach Palästina, Ankunft auf der SS MARCO POLO in Haifa

Irene bleibt noch in Breslau; ein mit dem Vater befreundter Polizeioffizier soll sie geschützt haben

1.11.1940 Alija beth von Schwester Irene auf der SS PACIFIC, Ankunft in Haifa;

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht

Alija Beth – Sonderhachschara VII – der Paraguay-Transport

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August 1940 Irene Gluskinos offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt ab Breslau nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Palästina zu kommen

Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

7.11.1940 Registrierung von Irene Gluskinos im Camp Atlith; sie gibt als Referenz den Vater Willy in  Tel Aviv an

zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

8.10.1941 Entlassung von Irene Gluskinos aus dem Camp Atlith

12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Razzia in Apeldoorn – Kamp Westerbork

1939 Schwester Ruth von Emden in die Niederlande zunächst nach Borculo, dann Apeldoorn

17./18.11.1942 Schwester Ruth mit 67 Juden festgenommen bei einer Razzia in Apeldoorn

18.11.1942 Schwester Ruth in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

16.2.1943 Ruth Gluskinos auf dem Transport von Westerbork mit 1108 Juden nach Auschwitz

Gedenken

1995 Page of Testimony  für Schwester Ruth von Bruder Jitzchak

Stolperstein für Schwester Ruth in Apeldoorn, Burgemeester Tutein Noltheniuslaan 50

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1581987

https://www.joodsmonument.nl/en/page/218427/ruth-rebekka-gluskinos

https://www.tracesofwar.com/sights/115266/Memorial-Stone-Burgemeester-Tutein-Noltheniuslaan-50.htm

https://www.joodsmonument.nl/en/page/593184/in-memoriam

BILDER & DOKUMENTE – הכשרות החלוץ בגרמניה – דור המשך (hachshara-dor-hemshech.com)

https://yvng.yadvashem.org/ad

Harald Lordick, Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara – Zwangsarbeit; in Pilarczyk, Ulrike (Hrsg) Hachschara und Jugendalija, Schulmuseum Steinhorst, 2019

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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