Schmerler Susi

Zuzanna „Susi“ Schmerler/ Shulamit Nadir *21.4.1923 in Bochum; ✡3.1.12.2001 in Kfar Menachem

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Moritz Schmerler *10.10.1886 in Neutomischel, Posen ;✡ vor 1945 in Polen

Mutter Cirla „Cilly“ Spanier-Meisseles *12.3.1892 in Husiatyn, Galizien; ✡ vor 1945 in Polen

Geschwister

Fanny Schmerler *1915 in Bochum;✡ unbekannt

Josef Artur „Bubi“ Schmerler *26.6.1931 in Bochum;✡ vor 1945 in Polen

Beruf Schülerin; landwirtschaftl. Praktikantin; Krankenschwester

Adressen Bochum

Heirat 1944 in Gedera Ernst Julius Jakob Goldschmidt *30.3.1920 Berkach; ✡ 12.11.1950 in Kfar Menachem

Zweite Ehe in Kfar Menachem mit dem Lehrer Hans Nordheimer/Jochanan Nadir (*23.12.1924 in Leipzig; ✡2007

Kinder

zwei Söhne mit Ernst Goldschmidt, geboren zwischen 1945 und 1949

Joseph Goldschmidt *1949 ; ✡29.1.1996

Die beiden Söhne, Shulamit mit zweitem Ehemann Nadir und deren gemeinsame Tochter (1968)

Eine Tochter mit Jochanan Nadir *ca 1961

Weiterer Lebensweg

1912 Zuzug der Eltern Moritz und Cirla Schmerler nach Bochum, Königsstraße 26 (heute Annastraße

Die Eltern betreiben dort ein Geschäft für Schuhe und Berufskleidung für Bergarbeiter

1933 Susi Schmerler Mitglied einer zionistischen Jugendgruppe

Ca 1938 Heirat von Schwester Fanny Schmerler, Emigration in die USA

Polenaktion

Die Eltern Moritz und Cirl Schmerler auf der Zbaszyn-Residentenliste 1939

28.10.1938 Eltern und Bruder Josef Schmerler in Bochum verhaftet und nach Zbaszyn abgeschoben

Hachschara in Urfeld

Anfang 1938 Susi Schmerler nach der Ausschulung zur „Mittleren Hachschara“ nach Urfeld zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Anfang 1938 Öffnung auch für die mittlere Hachschara von 15–17-jährigen Chaluzim.

Chaluzim in Urfeld

Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren.  Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

28.10.1938 Susi Schmerler verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Herbert Taub, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert).

5.3.1939 erster Eintrag im Tagebuch von Susi Schmerler über Zbaszyn:„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“

Novemberpogrom in Urfeld

10.11.1938 im Novemberpogrom verprügelten vier besoffene bewaffnete Nazis die Chaluzim und zerstörten das Inventar. Der nichtjüdische Hausbesitzer Doering vertrieb die Eindringlinge mit seinen Söhnen, bewaffnet mit Jagdwaffen; nachts versteckte er die Chaluzim in seinem Keller.

Auflösung in Urfeld

15.10. 1939 nach Auflösung des Lagers Urfeld wechseln 5 Chawerim direkt nach Paderborn: Heinz Becker, Karl-Heinz Goldstein, Emil Heilbronn, Hans Peter ScheierHans Werner Rabinowitz. Bis zum Schluss war Benny Paul Stein Madrich in Urfeld. Manfred Wolf folgt Benny Stein nach Schniebinchen, der dort bis Juli 1940 Leiter ist.

Polenaktion – Zbaszyn

Nach ihrer Abreise aus Zbaszyn steht Susi Schmerler noch in reger Korrespondenz mit der Mutter

21.8.1939 ein letzter Brief der Eltern aus Zbaszyn

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

Oktober 1939 Räumung des Lagers in Zbaszyn

Eltern und Bruder Josef im Ghetto Warschau

Die Eltern werden in das Ghetto Krakau eingewiesen

Alija

5.3.1939 Wegen der bereits anstehenden und durch Zertifikate abgesicherten Alija nach Palästina wird Susi Schmerler erlaubt, nach Berlin in die Zentrale des Hechaluz und der Jugendalija in der Meineckestraße 10 zu reisen, um ihre Emigration vorzubereiten.

6.-8.3.1939 Nach drei Tagen mit Behördengängen kann sie noch für vier Tage nach Bochum reisen. In der Wohnung der Schmerlers wohnten inzwischen eine andere Familie. In Bochum wird sie von ihrer früheren Lehrerin Else Hirsch betreut:

„Else Hirsch kümmerte sich rührend um mich, wie eine Mutter und besorgte mir auch noch eine kleine Ausrüstung, weil ich doch fast nichts mehr hatte. Ich habe sie bis heute nicht vergessen.“

13.3.1939 Reise über München nach Triest

15.3.1939 Einschiffung in Triest nach Haifa, Einreise mit einem Studentenzertifikat der Jugendallija der Kategorie B(III); dies war obligatorisch verbunden mit einer Ausbildung in Israel, die sie von 1939 bis 1941 im Jugenddorf Nahalat Jehuda in der Nähe von Rishon LeZion absolvierte.

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Ernst Goldschmidt 76 Werkdorper aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 10 Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Kfar Menachem

Susi Schmerler schließt sich einer Kibbuz-Initiative in Raana an, die später in den 1939 gegründeten Kibbuz Kfar Menachem verwiesen wird

12.5.1941 Ende des Tagebuches von Susi Schmerler

26.6.1944 Heirat von Susi Schmerler mit Jakob Goldschmidt in Gedera

1942, 1944 und 1949 steht Jakob Goldschmidt auf der Wählerliste für die Knesset

Unabhängigkeitskrieg

14.5.1948 Unabhängigkeits-Proklamation durch David Ben Gurion, Staatsgründung Israel und Beginn des Unabhängigkeitskriegs

12.3.1950 Jakob Goldschmidt kriegsgefallen als Leutnant der IDF

Ca 1961 zweite Ehe mit Jochanan Nadir; Geburt der Tochter

Shulamit Nadir arbeitet als Krankenschwester

1995 Besuch von Shulamit und Jochanan Nadir auf Einladung der Stadt in Bochum

3.1.12.2001 in Kfar Menachem

Gedenken

2.7.2024 zwei Stolpersteine für Susi und Fanny Schmerler vor dem Haus an der heutigen Annastraße 26

14.10.1977 Pages of Testimony für ihre Schwiegereltern Rudolph und Rosa Goldschmidt von Shulamit Nadir

Offizielles Militärgrab für Jakob Goldschmidt auf dem Friedhof von Kfar Menachem (Eltern Reuven und Rosa)

Quellen

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2DB78CT014BOCMDE/$File/372_373_Susi_Fanny_Schmerler.pdf

Liste der Zbaszyn-Deportierten, die Verwandte im Ausland haben, erstellt in Krakau August 1939

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de2030884

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de966609

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de29389

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de966612

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2012-Nr-16.pdf

Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010

Stadtarchiv Bochum (Hrsg.) Vom Boykott zur Vernichtung, Klartext, 2002

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010

Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben; LIT-Verlag 2014

Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000

https://www.kohlengraeberland.de/wp-content/uploads/2025/01/Gedenkbuch-Opfer-der-Shoah-aus-Bochum-u.-Wattenscheid.pdf

Manfred Keller/Gisela Wilbertz (Hg.), Spuren im Stein. Ein Bochumer Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte, Essen 1997

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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