
Hans Chanan Grüneberg
*18.9.1923 in Siegburg; ✡ 16.4.2016 Kibbuz Mayan Zwi
Staatsangehörigkeit
Religion jüdisch

Vater Karl Kalonimus Grüneberg *21.5.1886 in Beuel; ✡ 11.1.1942 in Recebedou
Heirat der Eltern 13.3.1914 in Giessen
Mutter Bertha Stern *27.2.1887 in Breidenbach; ✡ 30.1.1934 Bergen Belsen
Großvater Siegmund Grüneberg *18.1.1858 in Sterkrade, Ruhrort; 2.8.1926 in Beuel; oo Regina Levy
Urgroßeltern Jakob Grüneberg (1828-1879) und Dina Schnellenberg (1836-1879)
Geschwister

Ruth Ilse Grüneberg *12.12.1914 in Elberfeld; ✡2001 Israel; Ernst Schey
Judith Else Grüneberg *29.10.1919 in Siegburg; ✡ 27.12.2006 Israel; oo Jekutiel Low (1916-2000)
Großcousins/e aus Elberfeld
Rudolf Grüneberg *20.3.1911 in Elberfeld; ✡ 12.10.1977 in Edinburgh; oo 1939 in Harwich mit Viktoria Treistmann (*19.8.1914 in Meinerzhagen; ✡2011 England)
Ilse Grüneberg *20.3.1914 in Elberfeld; ✡5.10.1970 in Naharija; oo Rudolf Stern (1909-1993); oo Jakob Lodner (1914 in Fürth-1986 Haifa)
Richard Rafael Grüneberg/Giveon *7.2.1916 in Elberfeld; ✡ Aug 1985 in Afula
Beruf Landarbeiter
Adressen Siegburg; Sorau; Mayan Zwi
Heirat 1955 Helene Ilana Schiff *30.11.1931 England; 10.6.2020 Mayan Zwi
Kinder drei
Weiterer Lebensweg
Vater Karl im Ersten Weltkrieg



Preußische Verlustlisten vom 11.9.1917, 26.10.1917 und 21.8.1918
20.1.1936 Alija von Schwester Ilse Grüneberg, Einreise in Haifa mit einem Arbeiterzertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS
Novemberpogrom
10.11.1938 Vater Karl verhaftet in Siegburg
16.11.1938 Einweisung in das KL Dachau; Häftlingsnummer 27251

1.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Dachau
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Hans Grüneberg zur Hachschara ins Lehrgut Schniebinchen bei Sorau
Rudolf und Ilse Grüneberg aus Elberfeld ebenfalls zur Hachschara nach Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen
13.10.1939 fuhren etwa 20 Chawerim, ab Schniebinchen über Sommerfeld und Breslau nach Wien, wo sie der Sonderhachschara (SH2) über die Schwarzmeerroute angeschlossen werden und auf der SS HILDA vor der Drei-Meilen-Zone von der Royal Navy vor Haifa geentert werden.

11.9.1939 Schwester Judith Grüneberg nach Tel Aviv auf der SS TIGER HILL
KL Sachsenhausen – Brüssel – St. Cyprien – Rebecedou

31.3.-7.6.1939 Vater Karl inhaftiert als „ASO-Jude“ im KL Sachsenhausen, Block 18

Sommer 1939 Flucht der Eltern nach Brüssel, Belgien
10.5.1939 Einmarsch der Wehrmacht in Belgien
10-18.5.1939 völkerrechtswidrige Abschiebung des Vaters nach Südfrankreich in das Internierungslager St. Cyprien als „feindlicher Ausländer“
März 1941 Verlegung verschiedener Gruppen aus St. Cyprien und Gurs in andere Lager: Betagte Menschen kamen nach Noé, Schwerbehinderte nach Récébédou, Familien in das sogenannte ‚Familienlager‘ Rivesaltes.
11.1.1942 Tod von Vater Karl Grüneberg an Typhus in Recebedou
Niederlande – Kamp Westerbork

15.1.1942 Mutter Bertha Grüneberg von Anderlecht nach Amsterdam
16.4.1942 Mutter Bertha in das Vluchtelingenkamp Westerbork

Austauschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
12.1.1944 Mutter Bertha auf dem zweiten Transport von 1037 „Austauschjuden“ nach Bergen Belsen
30.1.1944 Tod der Mutter Bertha Grüneberg in Bergen Belsen
Alija Palästina
Einreise Palästina unbekanntes Datum
27.4.1944 Einbürgerung in Palästina
Gedenken
10.4.1999 Pages of Testimony für die Eltern von Chanan Grüneberg
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de880531
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de880506
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/10654703
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/4094214
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130298952
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Bertha%20Stern%22%7D
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316