Eckhardt Lolly

Lolly Eckhardt /Jael Burstein

*22.10.1923 in Wien; ✡ ?

Religion jüdisch

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater unbekannt

Mutter ?

Geschwister eine Schwester

Beruf Praktikant

Adressen ; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat 1951 Burstein

Kinder drei

Michal Burstein *Oktober 1952

Gad Burstein Oktober 1954

Weiterer Lebensweg

Besuch der Volks- und Mittelschule

Werkdorp Nieuwe Sluis

13.2.1938 Lolly Eckhardt zur Hachschara von Wien ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Lolly Eckhard als Haushaltshilfe bei jüdischer Familie

Apeldoornsche Bosch

Ende 1941 als Pflegerin in die „Nervenklinik Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht „Het Apeldoornsche Bosch“

Dritte Große Amsterdam Razzia – Erster großer Massentransport aus den Niederlanden

5.7.1942 die ersten Aufrufe Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden. Damals bestand beim Hechaluz noch die Auffassung, man solle sich deportieren lassen, in der irrigen Annahme, es handele sich um Arbeitseinsätze

Die ehemaligen Werkdorper bekamen zumeist einen“Sperrstempel“ durch die Stichting Joodse Arbeid. Demgegenüber vertrat die „Deventer Vereniging“ die Auffassung, dass die Chaluzim in die Illegalität untertauchen sollten.

Ontruiming

20.1.1943 Ankunft des Jüdischen Ordredienst aus Kamp Westerbork in Apeldoorn; Bereitstellung von 40 Güterwaggons am Bahnhof Apeldoorn; die Hälfte des Personals flüchtet

21./22.1.1943 in der Nacht Zwangsevakuierung der gesamten Klinik, „Verladung“ in Güterwaggons 1181 Patienten und 51 jüdischen Krankenschwestern von Apeldoorn nach Auschwitz.

Das in Apeldoorn verbliebene Personal wurde zusammen mit den letzten rund hundert jüdischen Einwohnern Apeldoorns mit einem Linienzug ins Lager Westerbork gebracht und von dort deportiert.

Loly Eckardt entgeht der Verhaftung. Sie schreibt:

„Am Tage als die Deutschen die Insassen der Nervenheilanstalt Apeldoorn abholten, kam ich gerade dorthin zurück. Am Bahnhof schon hielten mich irgendwelche Leute zurückam zurückzukehren, worauf ich nach Amsterdam fuhr.“

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper

Erste Razzia in der Franschelaan

15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet

Januar 1943 Loly Eckhardt in das Jeugdhuis in der Pl. Franschelaan 13

Zweite Razzia in der Franschelaan

26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager werden Berta Aptowitzer, Martha Eibschütz, Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer, Hilde Mandel, Ernst Rosenbaum, Frieda Rosenblatt-Weil, Wolfgang Rothstein, Grete Schramm,  Norbert Schweitzer, Herta Tombowsky und Herbert Tombowsky, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60

26.5.1943 der Razzia in der Pl. Franschelaan war Loly Eckhardt nicht im Hause

Lore Durlacher bringt sie in ein Versteck bei Leeuwaarden, wo sie für sieben Monate verbleibt, bis sie von Zippi Fraenkel nach Haarlem gebracht wird in das Haus von Frans Gerritsen, wo sie auf Paula Kaufmann und Norbert Klein trifft.

Im Januar wird sie mit einer weiteren Chawera von Max Windmüller über die grüne Grenze nach Belgien und weiter nach Paris geschleust.

„Dort bekam ich ein Zimmer in einem kleinen Hotel. Ich traf Kurt Reilinger und Willi Elias Ernst Hirsch. Später Betty Britz. Traf auch Zippi Fraenkel, mit noch einem Chawer, (Hans Ehrlich), der uns mit Lebensmittelkarten versorgte und auch allerlei deutsche Papiere stehlenkonnte, da er als Holländer bei der Wehrmacht arbeitete.“

Die Verhaftung

27.4.1944 Verhaftung von Alfred Fraenkel (Zippi), Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Lollie Eckhardt und Susi Hermann infolge eines Verrates verhaftet in Zimmer von Lolly Eckardt in Paris

 „Wir saßen  bei einer Besprechung mit allen möglichen Papieren auf dem Tisch, einer füllte Papiere aus an der Schreibmaschine. Es klopfte, wir machten auf und vier Gestapobeamte in Zivil erschienen mit vorgehaltenen Revolvern. Sie durchsuchten das ganze Zimmmer, fanden alle Papiere“…

Eckharts Adresse war dem BDS in die Hände gefallen bei der Verhaftung des Chawer Joop Andriesse bei seiner Flucht in die Schweiz.

Die Verhafteten wurden in das BDS-Hauptquartier in die Rue de la Pompe verbracht, verhört und auch gefoltert, Loebenberg starb in der Folge.

Juli 1944 Verhaftung von Max Windmüller und Paula Kaufmann.

„Am nächsten Tag bei der Fahrt zum Verhör, verständigte Kurt (Reilinger) uns, dass Paula (Kaufmann) und Max (Windmüller) ebenfalls gefangen seien. (Diese seien auf einen Spitzel, der versprochen hatte, uns herauszuholen, hereingefallen; ihre Gespräche mit ihm wurden heimlich auf Platten aufgenommen.)“

Die Gruppe COR wird in das Gefängnis Fresnes gebracht, wo sie drei Monate lang immer wieder verhört werden. Von der Gruppe waren in Fresnes inhaftiert: Loly Eckhardt, Max Windmüller, Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Alfred Fraenkel (Zippi), Ernst Ascher, Paul Wolff, Paula Kaufmann, Gerd Sperber; aus der französischen Gruppe u.a. René Kapel, Jacquel-Lazarus.

8.8.1944 Verlegung der Gruppe in das Sammel-und Durchgangslager Drancy.

Alfred Fränkel und Ernst Hirsch kommen in den „Bunker“ (Lager-Gefängniszelle), die Frauen in Einzelhaft.

Vor der Aufgabe von Drancy werden vom Hauptsturmführer Alois Brunner, einer der engsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns, für den letzten Transport Nr 78 aus Drancy 51 Personen bestimmt. Neben jüdischen „Prominenten“, wie der Flugzeugkonstrukteur Marcel Bloch-Dassault, die illegale Leitung der Armée Juive in Paris und die Gruppe um Kurt Reilinger.

17.8.1944 am Tag der Räumung durch die SS werden die männlichen Gruppenmitglieder nach Buchenwald transportiert in einem Wagen mit der Aufschrift „Juden Terroristen“

25.8.1944 Wegen der durch alliierte Angriffe massiv beeinträchtigen französischen und belgische Bahnstrecken erreicht der Zug das Konzentrationslager Buchenwald erst nach neun Tagen

Nach der obligatorischen Quarantäne in Block 57 im kleinen Lager von Buchenwald wird die Gruppe Cor in verschiedene Außenlager überstellt

Befreiung in Drancy

17.8.1944 Räumung des Sammellager; die SS verlässt das Lager Drancy

Loly Eckhardt und Susi Hermann werden in den Einzelzellen „vergessen“.

18.8.1944 Befreiung durch US Truppen

Alijah 1.3.1946

? 27.3.1946 SS TEL HAI

Meta Lande, Fraenkel?, Jael Burstein

Nachkriegsadressenliste der Werkdorper

Quellen

Testimony of Jael Burstein – Eckhardt

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Fraenkel%201920%22%7D

https://infocenters.co.il/gfh

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5880197

https://aussenlager.buchenwald.de/witten-annen

Claude Pot, De Fresnes à Buchenwald. Mémoires de captivité et de déportation (1943-1945), Auxerre 2018 [1946]

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130286343

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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