
Paula Pauline Hilde Kaufmann
*5.9.1920 in Dabrowa; ✡ 2013
Religion jüdisch
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Nachum Kaufmann
Heirat der Eltern am 11.3.1919 in Dabrowa
Mutter Teresa Millet *20.12.1895 in Brzesowca; ✡ ?
Geschwister zwei
Ludwig „Wiki“ Kaufmann *3.12.1925 in Wien; 29.12.2012; oo Gerda Sternlieb
Beruf Praktikantin; Kranken- oder Kinderpflegerin
Adressen Dabrowa; Wien; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer
Heirat Joseph Herbert Welt 10.1924 in Wien; in Israel
Kinder –
Weiterer Lebensweg
–
Der Aufbau des
Werkdorp Nieuwe Sluis
27.12.1938 Paula Kaufmann zur Hachschara von Wien ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Paula Kaufmann zunächst bei diversen Adressen in A,msterdam
Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam
10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad
Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper
Erste Razzia in der Franschelaan
16.3.1942 Paula Kaufmann in die Plantage Franschelaan 11(13?)
15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet
Januar 1943 Loly Eckhardt in das Jeugdhuis in der Pl. Franschelaan 13
Zweite Razzia in der Franschelaan
26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager werden Berta Aptowitzer, Martha Eibschütz, Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer, Hilde Mandel, Ernst Rosenbaum, Frieda Rosenblatt-Weil, Wolfgang Rothstein, Grete Schramm, Norbert Schweitzer, Herta Tombowsky und Herbert Tombowsky, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60
Nach der zweiten Razzia geht Paula Kufmann als onderduiker ins Versteck, Deckname Elz Visser. Sie schließt dem Netzwerk von Joop Westerweel an.

März 1944 Konspiratives Treffen in Nunspeet mit Paula Kaufmann, Harry Asscher, Kurt Reilinger, Max Windmueller, Paula Kaufmann, Menachem Pinkhof und Jan Smit
März/April 1944 Paula Kaufmann nach Paris geschleust;
Die jüdische Schleusergruppe COR
Nach den ersten Aufrufen zum „Arbeitseinsatz im Osten“, Razzien und Massendeportationen ab Kamp Westerbork durch die SS im Juli 1942 gingen viele der aus Deutschland in die Niederlande geflüchteten Chaluzim als „onderduiker“ ins Versteck; die meisten waren zuvor in den etwa zehn niederländischen Hachschara-Zentren auf ihre Alija vorbereitet worden, davon etwa eintausend im Werkdorp Wieringermeer. Von den im Jahre 1942 noch in den Niederlanden „auf Hachscharah“ lebenden 716 jungen Juden überlebten 393 durch das Engagement des Netzwerk um Joop Westerweel, das gefälschte Papiere und Versteckplätze in den Niederlanden beschaffte.
Um Schleuseraktionen durch Belgien nach Frankreich für die in ihren niederländischen Verstecken oft verratenen Chaluzim zu organisieren, bildete sich in Paris die jüdische Hechaluz Widerstandsgruppe COR um Max Windmüller und Kurt Reilinger. Hierzu zählten etwa zehn weitere junge deutsche Zionisten, die alle aus den Hachschara-Lagern der Niederlande kamen. Die meisten von ihnen kannten sich aus dem Werkdorp und der „Deventer Vereniging“.
Mit gefälschten Wehrmachtspapieren, die sie als holländische Fremdarbeiter auswiesen, organisierten sie die notwendigen gefälschten Ausweise, planten die Transferrouten, Unterkünfte und Fluchtwege

Ab dem Frühjahr 1943 wurden von Paris aus 150 untergetauchte Pioniere mit gefälschten Papieren aus Holland über Belgien nach Frankreich geschleust. Von diesen konnten etwa 80 Chaluzim über die Pyrenäen nach Spanien gerettet werden.

Die Verhaftungen
27.4.1944 Verhaftung von Alfred Fraenkel (Zippi), Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Lollie Eckhardt und Susi Hermann infolge eines Verrates verhaftet in Zimmer von Loly Eckardt in Paris

Eckharts Adresse war dem BDS in die Hände gefallen bei der Verhaftung des Chawer Joop Andriesse bei seiner Flucht in die Schweiz.
Die Verhafteten wurden in das BDS-Hauptquartier in die Rue de la Pompe verbracht, verhört und auch gefoltert, Loebenberg starb in der Folge.
Paula Kaufmann übernimmt Aufgaben der im April vom BDS Verhafteten.
Juli 1944 kann der BDS Paris nach Verrat durch den Doppelagenten Karl Rehbein die meisten Mitglieder der Gruppe verhaften.

Juli 1944 Verhaftung von Max Windmüller und Paula Kaufmann.
„Am nächsten Tag bei der Fahrt zum Verhör, verständigte Kurt (Reilinger) uns, dass Paula (Kaufmann) und Max (Windmüller) ebenfalls gefangen seien. (Diese seien auf einen Spitzel, der versprochen hatte, uns herauszuholen, hereingefallen; ihre Gespräche mit ihm wurden heimlich auf Platten aufgenommen.)“
Die Gruppe COR wird in das Gefängnis Fresnes gebracht, wo sie drei Monate lang immer wieder verhört werden. Von der Gruppe waren in Fresnes inhaftiert: Loly Eckhardt, Max Windmüller, Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Alfred Fraenkel (Zippi), Ernst Ascher, Paul Wolff, Paula Kaufmann, Gerd Sperber; aus der französischen Gruppe u.a. René Kapel, Jacquel-Lazarus.
8.8.1944 Verlegung der Gruppe in das Sammel-und Durchgangslager Drancy.
Alfred Fränkel und Ernst Hirsch kommen in den „Bunker“ (Lager-Gefängniszelle), die Frauen in Einzelhaft.
Noch am Tag der Räumung von Drancy werden vom Hauptsturmführer Alois Brunner, einer der engsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns, für den letzten Transport Nr 78 aus Drancy 51 Personen bestimmt. Neben jüdischen „Prominenten“, wie der Flugzeugkonstrukteur Marcel Bloch-Dassault, die illegale Leitung der Armée Juive in Paris und die Gruppe um Kurt Reilinger.
Paula Kaufmann versteckt sich vor dem Transport nach Drancy, wird aber nach halbstündiger Suche gefunden und muss mit nach Drancy
Zippi Fraenkel schreibt:

17.8.1944 die männlichen Gruppenmitglieder werden nach Buchenwald transportiert in einem Wagen mit der Aufschrift „Juden Terroristen“
25.8.1944 Wegen der durch alliierte Angriffe massiv beeinträchtigen französischen und belgische Bahnstrecken erreicht der Zug das Konzentrationslager Buchenwald erst nach neun Tagen
Nach der obligatorischen Quarantäne in Block 57 im kleinen Lager von Buchenwald wird die Gruppe Cor in verschiedene Außenlager überstellt
Im April und Juli 1944 kann der BDS Paris nach Verrat durch den Doppelagenten Karl Rebh die meisten Mitglieder der Gruppe verhaften. Die Verhafteten wurden in das BDS-Hauptquartier in die Rue de la Pompe verbracht, verhört und auch gefoltert, Loebenberg starb in der Folge. Die Gruppe wird in das Gefängnis Fresnes gebracht und Anfang August in das Lager Drancy.
Am 17. August, dem Tag der Räumung durch die SS werden noch acht von ihnen auf dem letzten Transport aus Drancy mit 51 Mitgliedern der Resistance in einem Güterwagon mit der Aufschrift „Juden Terroristen“ nach Buchenwald deportiert.

Nach der obligatorischen Quarantäne in Block 57 im kleinen Lager von Buchenwald werden die Chaluzim der Gruppe Cor in verschiedene Außenlager überstellt.
Paula Kaufmann wird weitergeleitet in das KL Ravensbrück

Von Ravensbrück nach Theresienstadt; sie gibt als Wohnort ihre Versteckadresse in Haarlem beim Frans Gerritsen an
Noch zu klären:
Vermutlich mit den dänisch/schwedischen Weißen Bussen des Roten Kreuzes aus Theresienstadt nach Schweden gerettet
Nachkriegszeit
27.8.1946 wieder in Amsterdam
24. Juni 1948 nach der Unabhängigkeitserklärung nach Israel

Treffen der Überlebenden Chaluzim in Israel mit Frans Gerritsen
In Israel lebt sie in Herzlia, Nachkriegsadressenliste der Werkdorper
Quellen
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Kaufmann%201920%22%7D
Testimony of Jael Burstein – Eckhardt
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4995199
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Fraenkel%201920%22%7D
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5880197
https://aussenlager.buchenwald.de/witten-annen
Claude Pot, De Fresnes à Buchenwald. Mémoires de captivité et de déportation (1943-1945), Auxerre 2018 [1946]
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130286343
Arolsen Signatur 11422001 147