Ernst Lissner
*16.1.1919 in Breslau; ✡ 28.3.1990 in Teaneck New Jersey
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Salomon Lissner *5.5.1883 in Samter; ✡ 21.12.1938 in Breslau

Mutter Marianna Ruben *22.7.1891 in Danzig; ✡ 27.1.1959 in Tel Aviv
Geschwister
Ursula Lissner *21.9.1921 in Breslau; ✡ 6.10.1999 in Hampstead; Heinz Plautus (1921-1996)
Vera Lissner *20.8.1929 in Breslau; 6.1.2025 ; oo Jacob Herman
Beruf
Adressen Breslau, Augustastr. 16; Ellguth, Steinau
Heirat Ruth Stern *28.10.1924 in Frankfurt; ✡4.12.1998 in Teaneck
Kinder
Sylvia Lissner; oo Irwin; oo Burke
Weiterer Lebensweg
Lehrgut Ellguth
Ernst Lissner zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;
12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 25 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450, Ernst Lissner die Nummer 13512
10.11.1939 Vater Sally verhaftet in Breslau, eingewiesen in das KL Buchenwald
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
12.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Buchenwald
20.12.1938 Entlassung von Ernst Lissner aus dem KL Sachsenhausen

21.12.1938 Tod des Vaters in Bresalau an den Folgen eines im KL Buchenwald unbehandeltem Diabetes
Dezember 1938 — u.a. Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski und Hermine Duschinsky als Wirtschaftsleiterin aus Wien.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Ernst Lissner mit 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf
17.5.1939 Mutter Lissner mit den Schwester Ursel und Vera in Breslau, Augustastr. 16
Flucht von Ernst Lissner und Schwester Ursula nach England
Britischer Census
29.9.1939 Ernst Lissner auf der Hachschara Manor Farm, Hay Lane, Bulkeley, Nantwich, Cheshire, England
29.9.1939 Schwester Ursula Lissner auf der Hachschara Refugee Training Farm, Great Engham Manor, Tenterden, Kent, England
Alija
21.3.1940 Mutter Marianne mit Schwester Vera nach Haifa mit einem Kapitalisten-Zertifikat der Kategorie A(1)
Nachkriegszeit

1.-9-9.1947 Ernst und Ruth Lissner auf der SS BATORY von Southampton nach New York zu seiner Schwester Ursula Plautus
Gedenken
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110