Neumann Margot

Margot Neumann

*3.1.1920 in Berlin; ✡ in Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Kurt Neumann *19.11.1889 in Widminnen Ostpreußen; ✡1944 in Auschwitz

Heirat der Eltern 1.5.1919 in Berlin

Mutter Gertrud Cohn *29.7.1891 in Berlin

Großeltern Samuel Neumann und Henriette Cohn(*18.8.1850 in Milken)

Tante Elisabeth Neumann *3.8.1879 in Milken; oo Mordko Kalkstein

Onkel Josef Neumann *9.10.1892 in Widminnen

Onkel Max David Neumann *14.10.1895 in Widminnen; ✡31.10.1944 Auschwitz; oo Rika Nathans

Geschwister

Cousin Horst Kalkstein *13.8.1910 in Berlin; ✡16.9.1941 in Mauthausen

Beruf

Adressen Berlin; Schniebinchen, Sorau;

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

1933 Flucht der Eltern in die Niederlande

9.3.1942 Tod der Großmutter Henriette Neumann in Amsterdam

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Margot Neumann zur Hachschara auf Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Margot Neumann registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2

12.10.1939 Bahnfahrt von Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

13.2.1940 Registrierung in Athlit; Margot Neumann  gibt als Referenz die Betriebsleiter Wolfgang Berger und Martin Gerson aus Schniebinchen an , als Gemeindeältesten Rabbi Kondlowsky (Dokument D/627/40/CHU);

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

Amsterdam –  Kamp Westerbork – KL VUGHT – Auschwitz – Schweden

20.6.1943 Einweisung der Eltern sowie Onkel Max und Tante Rika Neumann aus Amsterdam in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

26.6.1943 Einweisung von Vater Kurt aus Westerbork in das KL Vught; vermutlich wurde er dort mit einer leitenden Funktion im Außenlager Philipps betraut; im Juli folgen ihm dann seine Frau Gertrud sowie sein Bruder Max mit Ehefrau Rika nach Vught

23.3.1944 Vater Kurt auf dem Transport von Westerbork nach Auschwitz

In Auschwitz wird er mit Bruder Max zur Zwangsarbeit nach Monowitz beordert.

1944 vermutlich im Sommer ist er wie sein Bruder Max derart geschwächt, dass beide als „Muselmann“ in die Gaskammern  von Auschwitz Birkenau gefahren worden sein sollen. Das Datum Dezember 1944 muss auf einem Irrtum beruhen; die Gaskammern waren bereits im November 1944 stillgelegt.

31.12.1944 offizielles Todesdatum des Vaters in Auschwitz.

KL Vught – PHILIPS Deportation – Auschwitz – Ravensbrück -Eidelstadt

5.7.1943 Mutter Gertrud Neumann sowie die Schwägerinnen Elisabeth Kalkstein und Rika Nathans aus dem Kamp Westerbork in das KL Vught, zur Zwangsarbeit im Außenlager der Fa. Philips in Eindhoven

Juni 1944 Schließung des KL Vught

3.6.1944 Mutter Gertrud Neumann sowie die Schwägerinnen Elisabeth Kalkstein und Rika Nathans mit 496 Philips-Gefangenen bei der „PHILIPS Deportation“ auf der Transportliste vom KL Vught nach Auschwitz „PHILIPS Deportation“

Lilly Klafter aus Amsterdam berichtet:

„They told us that we were being sent East, to work.  They put us on passenger trains in good condition.  We didn’t know where we were going.  Two days later we reached the camp [Auschwitz-Birkenau]… They got us off the trains with screams and deadly blows.  They stood us in a line… they brought us to the „sauna“.  We smelled something dreadful, and asked the veteran inmates what the strange smell was.  „That’s scorched human flesh.“  We didn’t believe our ears.  What did that mean? „Yes, here, human beings are burned.“  When they brought us to the „sauna“, we saw chimneys belching out thick smoke…“

Nach etwa sieben Wochen wird die Gruppe der „Philips-Facharbeiterinnen“ verlegt nach Reichenbach in die Telefunken-Fabrik

Bereits August 1944 kamen 2.500 Frauen aus dem KL Ravensbrück in das Außenlager Helmstedt-Beendorf zur unterirdischen Rüstungsproduktion. Die Bergwerke „Marie“ bei Beendorf und „Bartensleben“ bei Morsleben erhielten die Decknamen „Bulldogge“ und „Iltis“. Anfang Dezember 1944 kommen die Frauen der Diamantgroep hinzu.

Am 10. April 1945 erfolgt die Räumung beider Lager in Eisenbahnwaggons über Magdeburg, Stendal und Wittenberge in das Auffanglager Wöbbelin bei Ludwigslust, wo die Männer bis zu ihrer Befreiung durch amerikanische Streitkräfte am 2. Mai 1945 bleiben. Die Frauen werden nach Hamburg weitertransportiert, wobei zahlreiche an Erschöpfung, Hunger und Durst starben.

20./21.4.1945 in das am erst 7. April geräumte Außenlager Hamburg Eidelstedt werden erneut mehrere hundert Frauen eingewiesen. Anfang Mai kamen weitere Häftlinge aus den Hamburger Frauenaußenlagern Langenhorn/Ochsenzoll und Wandsbek hinzu.

1.5.1945 Mutter Gertrud Neumann und Schwägerin Rika Nathans auf einem Rote-Kreuz-Rettungstransport mit vielen Frauen nach Dänemark oder Schweden gerettet.

5.5.1945 die 158. Brigade der Royal Army erreicht das Frauenaußenlager des KL Neuengamme; aus dem Kriegstagebuch der des Hauptquartiers 158. Brigade der Royal Army

480 Frauen – sehr schlimme Zustände, wenig oder keine Lebensmittel, Durchfall, Krankheiten / Deutsche Kriegsgefangene zu Aufräumarbeiten herangezogen. Brot ist knapp. 319 Deutsche, 3 Russinnen, 2 Polinnen, 1 Belgierin, 1 Niederländerin, 4 Italienerinnen, 99 Jugoslawinnen, 18 Tschechinnen, 5 Ungarinnen“

Nachkriegszeit

1945 Rückkehr der Mutter Gertrud und der Tante Elisabeth Kalkstein aus Schweden in die Niederlande.

Die Tante Rika Neumann-Nathans, bleibt als Witwe in Schweden; 1976 ist sie in Johanneshov bei Stockholm

29.12.1945 Mutter Gertrud wieder in Amsterdam gemeldet.

19.6. Umzug der Mutter nach Doorn

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/390964

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130347039

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1133899

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Kurt%20Neumann%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Max%20David%20Neumann%22%7D

https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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