Gans Helmut

Helmut Wolfgang Gans

*9.1.1923 Bad Hersfeld; ✡ ?

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Maximilian Gans *7.12.1885 in Göttingen; ✡  ?

Heirat der Eltern 9.6.1916 in Bad Hersfeld

Mutter Bella Klebe *26.4.1890 in Bad Hersfeld; ✡  1923 (?)

Großvater Julius Gans *1855; ✡1919

Großmutter Frieda Gans geb Heilbronn *16.4.1863 in Gersfeld; 5.3.1942

Tante Hedwig Schloss geb. Gans *7.5.1895 in Göttingen; 8.5.1942 in Kulmhof

Onkel Arthur Schloss *1885 in Trier; 26.8.1939 in Trier (Schlaganfall)

Cousin oder Halbbruder

Rolf Schloss geb. Gans *5.7.1918 in Frankfurt; ✡ 10.2.1979 in Saint-Cergue, Schweiz

Geschwister

Beruf

Adressen Hersfeld; Frankfurt; Trier; Mannheim; Schniebinchen bei Sommerfeld

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

In Trier lebt auch Tante Hedwig Schloss mit ihrem Mann Arthur, die vermutlich den späteren Spiegel Journalisten Rolf Schloss geb. Gans adoptierten.

Sie zieht im September 1939 mit der Großmutter zur Stiefschwester von Jullius Gans Rosa Gans nach Düsseldorf

5.3.1942 Tod der Großmutter in Düsseldorf

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Helmut Gans zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Helmut Gans mit den Jungen aus Schniebinchen in das Jungen-Flüchtlingsheim Dommelhuis in Eindhoven

Vondelhof

6./7.2.1939 Wechsel von Helmut Gans, Manfred Freund, Leo Dienstfrei, Adolf Gerlich aus dem Dommelhuis in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

6./7.2.1939 Wechsel von Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Esther Singer und Grete Lehmann aus Losser in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

Jeugdalijah

Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Mijnsheerenland

Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.

11.9.1939 Helmut Gans in den Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

10.8.1939 Vier Chaluzim Heinz Alter, Helmut Kirsch, Moritz Weinstein und Sala Zyskind auf einem GEF-Transport (gefährdet) über Hoek van Holland nach Harwich nach England

Britischer Census

29.9.1939 Vater Max. Gans mit Frau Eugenie Jenny Gans in Barnes, Surrey, England

Alija

9.2.1940 abgemeldet zur Alija

22.2.1940 Helmut Gans mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III) auf der SS PROVIDENCE nach Haifa

Bis März 1940 konnten 30 Chaluzim auf Alija nach Palästina gehen.

Nachkriegszeit

3.3.1947 Einbürgerung in Palästina

Gedenken

Quellen

http://www.dokin.nl/surviving_children/helmut-gans-born-9-jan-1923/

https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_W._Schloss

www.historischekringlosser.nl

Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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