
Marianne Cohn
*29.7.1924 in Gleiwitz; ✡ 7.5.2021 in Haifa
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Walter Cohn; ✡?
Mutter Ernestine Kluger 7.5.1884 in Myslowitz; ✡ ?

Die erste Ehe der Mutter mit Heinrich Schutz (*1.12.1889; kriegsgefallen 19.5.1917)
Geschwister
Halbschwester Ella Schutz *7.7.1914 in Gleiwitz; ✡1942 Trelinka; oo Max Hahn

Neffe Peter Hahn *24.11.1935 in Brünn; vor 1944 im Ghetto Warschau
Beruf
Adressen Gleiwitz; Schniebinchen bei Sommerfeld
Heirat
4.4.1943 mit Wolfgang Neuthal

23.8.1943 Die Ehe wird geschieden
Egon Paschkusz/Peled *4.3.1921 in Wien; ✡20.5.2015 in Kirijat Bialik
Kinder
Rafi Peled *14.12.1952 in Haifa; ✡14.5.1994 in Kirijat Bialik
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1938 Marianne Cohn zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Novemberpogrom
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet
– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen
– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen
– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen
Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser
4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arendt, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht.

Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.
Zeehuis Bergen aan Zee
4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am 23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde
6./7.2.1939 Marianne Cohn mit Käte Arendt, Anni Goldberg, Ruth Kochmann,Esther Singer und Grete Lehmann aus Losser in das Heim der Alijah Noar Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a
Jeugdalijah
Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.
Mijnsheerenland
Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.
11.9.1939 Marianne Cohn zur Hachschara in den Jugendalija Hof van Moerkerken
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht.
5.9.1939 Käte Arendt in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“
Bis März 1940 konnten 30 Chaluzim auf Alija nach Palästina gehen.
Alija
5.11.1939 abgemeldet zurAlija
15.11.1939 Ankunft von Marianne Cohn und Käte Arendt mit einer Gruppe der Jugend-Alija auf der SS CHAMPOLLION in Haifa
Minderheitenzählung
17.5.1939 in Schniebinchen registriert 122 Personen, davon 109 Chaluzim und Angestellte
Zweiter Kindertransport aus Schniebinchen
10.8.1939 Vier Chaluzim Heinz Alter, Helmut Kirsch, Moritz Weinstein und Sala Zyskind auf einem GEF-Transport (gefährdet) über Hoek van Holland nach Harwich nach England
10.5.1940 Überfall der Wehrmacht auf Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich
Shanghai

1939 Vater Walter im jüdischen Adressbuch Shanghai
22.7.1948 Ankunft von Walter Cohn von Shanghai in San Francisco auf dem US-Truppentransporter USS GENERAL M C MEIGS
Gedenken
–
Quellen
Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage
http://www.dokin.nl/surviving_children/marianne-cohn-born-29-jul-1924/