Karliner Heinz

Heinz Karliner

*22.9.1922 in Beuthen; Mai 1974 in Brentwood

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Kurt Karliner *12.8.1896 in Peiskretscham; ✡1942 in Auschwitz

Heirat der Eltern 16.11.1921 in Beuthen

Mutter Irma Böhm *13.1.1891 in Berlin; ✡ 1942 in Auschwitz

Onkel Josef Karliner *27.6.1898 in Peiskretscham; ✡ 25.11.1943 in Auschwitz

Tante Martha Karliner geb.Weissler *11.7.1895 in Nikolai,

Onkel Sylvius Karliner *30.11.1881 in Peiskretscham; ✡ 1944 in Auschwitz

Tante Anita Karliner geb. Koslowsky *17.4.1894 in Guttentag; ✡ 1942 in Auschwitz

Geschwister

Ruth Fanny Karliner *7.9.1923 in Beuthen; ✡ 15.4.1982 in Manchester, Connecticut, USA (Suizid); oo Jakob Friedman

Edith Ditl Karliner *10.3.1925 in Beuthen; oo Leschek Bulder *10.3.1925

Cousinen

Ruth Karliner *10.10.1927 in Peiskretscham; ✡ 1942 in Auschwitz

Ilse Karliner *11.1.1923 in Peiskretscham; ✡ 1942 in Auschwitz

Edith Karliner *22.2.1924 in Peiskretscham; ✡ 1942/43 in Auschwitz

Margot Karliner *29.7.1917 in Peiskretscham; ✡ 24.3.2008 in Beersheba

Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin

Adressen Beuthen, Ring 9/10; Sorau, Schniebinchen

Heirat Hanna Jacobus *22.9.1917 in London; ✡13.4.2003 in Cricklewood

Kinder

Michael Karliner

Weiterer Lebensweg

Israelitische Gartenbauschule Ahlem

Heinz zur Gärtnerausbildung die die Israelitische Gartenbauschule Ahlem bei Hannover;

29.9.1939 Heinz in Hitchin Hertfordshire bei britischen Census; als Beruf gibt er Gartenbaulehrling an, hat also keine Gesellenprüfung in Ahlem abgelegt

10.11.1938 Überfall der SA auf den Hof in Groß Breesen, alle über 18-Jährigen Bewohner werden mit einem Bus abgeführt und ins KL Buchenwald gebracht, auch Curt Bondy, der als Homosexueller besonders gefährdet war

Ende 1938 zur Hachschara in das freie, nichtzionistische Gruppenauswanderer-Lehrgut Groß Breesen; im Gegensatz zu anderen Lagern ist Groß Breesen nicht an jüdische Organisationen gebunden.

Schwester Edith „Ditl“ kommt erst nach Erreichen des 14. Lebensjahres dazu.

1936-1939 Lagerleiter Curt Bondy, auf Bitten von Leo Baeck

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Schwester Ruth in Groß-Breesen/ Trebnitz bei

17.5.1939 Schwester Edith bei den Eltern in Beuthen, Ring 9/10

17.5.1939 Cousine Edith in Peiskretscham, Beuthener Straße 10

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

1938   zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Das Geburtsdatum wurde vermutlich gefälscht, um ihn noch auf die Liste setzen zu können, korrekt war 22.9.1922.

Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Aufnahme von Werner Kalb im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.

Britischer Census

29.9.1939 Heinz Karliner in Hitchin Hertfordshire bei britischem Census mit sieben weiteren Chaluzim als „trainees“

3.5.1945 Befreiung von Schwester Ruth durch US-Truppen in Lübz in Mecklenburg

Mai 1945 Entlassung der Cousinen Karliner aus Buchenwald

Nachkriegszeit

27.9.1945 Schwester Ruth mit Ehemann Jacob Friedmann ab Bremen mit „Seabord and Western Airlines“ nach New York; Ziel Hartford, Connecticut

Mai 1954 Heirat mit Hannah E. Jacobus in Wandsworth, London

April 1974 Tod in Brent, Greater London mit Herzinfarkt

Gedenken

16.8.1978 Pages of Testimony für die Eltern von Schwägerin Hannah Estella Karliner

Quellen

Heinz Karlinger (born 7 April 1923)

Jutta Pelz Bergt, Die ersten Jahre nach dem Holocaust; Hentrich, 1996

Diethard Aschoff, „Jeden Tag sahen wir den Tod vor Augen“. Der Auschwitzbericht der Recklinghäuserin Mine Winter, in: VZ 94 – 96, 1995 – 97, Hrsg. W. Burghardt, S. 321 – 386

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de893814

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de893808

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/67090602

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11239945

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212893

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212889

https://www.mappingthelives.org/bio/525c06e5-c484-4b66-8979-af88ab24ba07

Ellis Island und andere New York Passagierlisten, 1820-1957 – Ruth Friedman

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7739); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My