Michel Karl Jakob

Karl Jakob Michel

*21.9.1897 in Neubrückermühle bei Ellweiler; ✡ vor 1944

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Heinrich Michel *11.4.1869 in Fishkill, New York; ✡ –

Heirat der Eltern

Mutter Ida Gerson *7.3.1876 in Sohren/Zell, Mosel;

Geschwister

Gretl Michel *22.2.1900 in Neubrückermühle; Juli 1969 New York

Adressen Nohfelden; Ellweiler; München; Regensburg, Weißenburgstraße 31; Schaffnerstraße 2

Beruf Rechtsanwalt; Prüfungsausschuss höhere Justiz. Verwaltungsdienst München

Heirat 1939 Edith Rosenwald *18.2.1910 in Sulzbürg

Kinder

Denny Michel * Sommer 1941 kurz nach der Geburt verstorben

Weiterer Lebensweg

Erster Weltkrieg

18.10.1918 Meldung in den preußischen Verlustlisten: kriegsgefangen als Gefreiter des Infanterieregiments 23

Jura-Studium in München

1925 Promotion zum Dr. jur.

1926 Zuzug von Dr. Karl Michel nach Regensburg, Zulassung als Rechtsanwalt

1926-1937 gemeinsame Anwaltskanzlei mit Justizrat Dr. jur. Justin Lehmann, Vorsitzender der Ortsgruppe Regensburg des CV (Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens)

Familie Rosenwald

1935 Zuzug der Mutter Ida Michel nach Regensburg; Umzug in die Ludwigstraße 8; hier wohnte auch die Familie von Edith Rosenwald, die aus Sülzburg stammte und im Hause eine Damenschneiderei betrieb.

Die drei Schwestern Hedwig, Cäcilie und Edith Rosenwald 1933

Die jüngste Tochter Hedwig war bereits 1933 in die Niederlande, 1936 nach Tel Aviv und später in die USA geflüchtet;

4.2.1935 Edith Rosenwald zur Schwester Hedwig nach Amsterdam; sie wurde aber bereits am 14.2.1935 des Landes verwiesen, „ambtshalve“

1936 Zuzug von Schwester Grete Michel nach Regensburg

1939 Dr. Karl Michel wohnt mit Schwester Gretl und Mutter Ida im Gemeindehausin Regensburg, Weißenburgstraße 31

In diesem Gebäude befand sich auch das Beth Chaluz Regensburg zur Hachschara-Ausbildung

Das Beth Chaluz in Regensburg, Weißenburgstraße 31 war ein Hachschara-Wohnheim des Hechaluz, auch „Praktikantenheim“ genannt. Es bestand zumindest seit 1936.

Novemberpogrom in Regensburg

Am 9./10.11.1938 wurde auch das Beth Chaluz Regensburg überfallen.

10.11.1938 Dr. Karl Michel verhaftet mit etwa 70 jüdischen Männern, sie wurden auf dem NSKK-Gelände festgehalten und mussten vormittags „Morgensport“-Übungen machen.

10.11.1938 Es folgte der „Schandmarsch durch die Regensburger Altstadt zum Bahnhof. Auf Lastwagen wurden 65 in „Schutzhaft“ genommene Juden ins Konzentrationslager Dachau, weitere aber auch in das Regensburger Gefängnis „Augustenburg“ verbracht.

10.11.1938 Karl Michel gehörte mit Jacob Farntrog zur ersten Gruppe der nach Dachau verbrachten Männer; Häftlingsnummer 20131

11.11.1938 wurden vier weitere über 17-jährige Männer aus dem Beth Chaluz sowie Ernst Levy aus Regensburg und Fritz Strauß aus Selters in Dachau eingewiesen.

12.11.1938 fünf Chaluzim aus dem Beth Chaluz werden nach Dachau verbracht

Aus dem Beth Chaluz Regensburg in das KL Dachau (nach Häftlingsnummer)

Karl Michel (20131), Willy Meier (20133), Siegfried Katz (20137) Heinz Kurt Marcks (20143), Hans Kroner(20145), Heinrich Kästler (20166), Falk Salomon (20195), Berthold Berkowicz (22594), Bernhard Rosenberg (22595), Waldemar Horn ( 22596), Hans Wertheim (22597), Siegfried Berkowicz (23182), Isaak Sapierstein (23183), Rudolf Kästler (23184), Erich Schlorch (23186), Alfred Weiss (23187); ebenfalls zur Gruppe gehörte Fritz Strauß (22604)

5.12.1938 Entlassung von Karl Michel zusammen mit Jakob Farntrog aus dem KL Dachau

Die Auflösung des Beth Chaluz

Wiedereröffnung des Altenheims der Gemeinde in der Weißenburgstraße 31

Einzelne Chaluzim gehen in ihre Heimatorte, andere wechseln in bestehende Hachscharastätten, so Fritz Strauß in das Lehrgut Ellguth in Schlesien.

12.4.1939 Brief von Jakob Farntrog aus Regensburg:

„Diese Woche … noch gehen Oberdorfer und Springer weg (Ehepaar Oberdorfer und Herr Springer auf die ST LOUIS). Die letzten vom Bet Chaluts anfangs kommender Woche illegal nach Erets. Die Auswanderung geht ja im großen ganzen nur langsam vonstatten“

Gemeint ist hier vermutlich der erste „Sonderhachschara“ SH 1; Chaluzim aus ganz Deutschland kamen ab Wien in einem Sammeltransport nach Jugoslawien, Einschiffung in Spalato auf einem kleinen Schiff, der SS DORA, die nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste Alija Beth, illegale Sonderhachschara SH1

Nach 1938 diente das Gebäude in der Weißenburgstraße 31 als jüdisches Altersheim. Die Bewohner sowie die Heimleiter Josef und Else Grünhut wurden im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Deutsche Volkszählung -Minderheitenzählung

17.5.1939 Dr. Karl Michel mit Schwester Gretl und Mutter Ida im Gemeindehaus in Regensburg, Weißenburgstraße 31

17.5.1939 Edith Rosenwald in Regensburg, Ludwigstraße 8

17.5.1939 noch im Beth Chaluz in Regensburg, Weißenburgstraße 31 registriert die vier Ma’apilim Erna Margules, Isaak Sapierstein, Erich Schlorch und Karel Sokolski, die am 12.8.1939 auf der SS DORA am Strand von Shefayim nahe Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht werden

Lissabon-New York

12.-25.11.1940 Schwester Grete mit Mutter Ida auf der SS GUINEE von Lissabon nach New York

Deportation

15.7.1942 Karl und Edith Michel deportiert in der Gruppe von sieben Regensburger Juden mit bis dato unbekanntem Ziel, vermutlich Auschwitz

Gedenken

Stolpersteine für Karl und Edith Michel in Regensburg, Ludwigstraße 8

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de863908

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de863916

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6511); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Rosenwald%22%7D

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429410

https://www.heimatforschung-regensburg.de/2485/1/1063113_DTL1773.pdf

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7456410

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70198031

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70372024

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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