Rosenthal Siegfried

Siegfried Schmuel Rosenthal

*25.11.1918 in Kettig, Koblenz; ✡1973 Israel

Religion jüdisch

Vater Siegfried Rosenthal *25.6.1886 in Kettig; ✡25.10.1918

Mutter Bertha Schmitz; ✡?

Geschwister

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen  Kettig; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

25.10.1918 Tod des Vaters Siegfried als Soldat des Infanterieregiments 86 einen Monat vor Siegfrieds Geburt, weshalb er dessen Vornamen bekommt.

Siegfried Rosenthal zur Hachschara in das Gut Jägerslust bei Flensburg

 Novemberpogrom auf Gut Jägerslust

10.11. 1938 „Jägerslust“ von einem Mob unter Führung des Flensburger Polizeipräsidenten SS-Standartenführer Hinrich Möller überfallen, Siegbert Pinkus mit Albert Berger verhaftet; er wird mit 10 weiteren Chaluzim im Polizeigefängnis von Kiel eingesperrt. Die Frauen kommen ins Gerichtsgefängnis in Flensburg im Südergraben und werden nach einem Tag entlassen, die Männer in „Schutzhaft“ in das KL Sachsenhausen

Entlassungsliste Sachsenhausen

Anfang 1939 sammeln sich viele Chaluzim nach der Zerstörung einzelner Hachscharalager in Deutschland in Bielefeld

13.1.1939 Siegfried Rosenthal mit einer Gruppe Chaluzim aus Jägerslust (u.a. Siegbert Bubi Pinkus, Alfred Berger) emigriert ins Sammellager der „Deventer Vereenging tot Vakopleiding“ in der Vliegschule Teuge in Voorst

18.1.-1.2.1939 in Hummelo

1.2.1939 zurück in der Vliegschule Teuge in Voorst

24.3.1939 im Haus der Deventer Vereeniging in der Papenstraat 45

2.6.1939 Siegfried Rosenthal zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

19.9.1939 Offizielle Ummeldung

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage.

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

20.5.1941 Siegfried Rosenthal in Amsterdam, Prinsengracht 85

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes.

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Jeugdtehuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad Plantage Franschelan 13

10.11.1941 Aufnahme  von Jugendlichen im Jugendheim des Joodse Raad Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

10.11.1941 Ernst Rosenbaum zusammen mit Gerhard Hirsch, Hans Joseph, Günter Levy, Harald Rosenbach, Norbert Schweitzer, Hans Stern und Gert Herz zur Eröffnung ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13

November 1941 Siegfried Rosenthal angestellt als Koch des Jeugdtehuis

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen.

Chaluzim vor dem Gebäude Franschelaan 13; Foto Hajo Meyer

Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolas-Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten.

Erste Razzia in der Franschelaan

15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet und nach Hooghalen deportiert; u.a.:

Gert Herz, Günter Levy, Hans Stern, Harald Rosenbach, Horst Levi, Gerhard Hirsch, Erwin Eichengrün,

 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen

Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.

15.7.-17.7.1942 Erster großer Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz

Zweite Razzia in der Franschelaan

26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; — eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager zusammen mit Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Ernst Rosenbaum, Grete Schramm,  Norbert Schweitzer, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60

Weitere Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan waren:

u.a. Alfred Cohn, Hans Moser, Cäcilie Neumann, Helmut Holzheim, Selma Wahrhaftig

23.3.1944 Holzheim zusammen mit Norbert Schweitzer („vermoedelijk gevlucht“)

Mai 1943 Siegfried Rosenthal mit Heinz Meyerstein, Kurt Mendel und Moses Hartog als holländische Fremdarbeiter für drei Monate mit gefälschten Papieren in Dortmund; Rosenthal berichtet:

„Wir lebten eine Weile zusammen in Dortmund, mit gefälschten Papieren als holländische Fremdarbeiter, und wir beide schafften es über Holland, Belgien, Frankreich und die Pyrenäen nach Spanien zu flüchten, von wo wir im November 1944 auf einem portugiesischem Schiff nach Palästina kamen.“

Nach drei Monaten wird die Identität entdeckt und sie kehren nach Amsterdam zurück.

Von der Westerweel Gruppe über Belgien nach Frankreich geschleust, dort bis November 1943 als holländische Fremdarbeiter mit gefälschten Papieren beim Bau des Westwalls für die Organisation Todt (OT)

November 1943 ein erster Versuch zur Pyrenäen-Überquerung wird wegen Schneefalls abgebrochen

20.2.1944 der zweite Versuch mit einer Gruppe von 32 Flüchtlingen gelingt

Verhaftung in Lerida

Flucht nach Barcelona

21.9.1944 in Madrid Ausstellung des Certificate of Identity

Alija auf der SS GUINEE 1944

Im Oktober 1944 erhielten Paul Siegel und weitere Palästina-Pioniere von der britischen  Mandatsregierung  erteilte  Einwanderungszertifikate  für  Palästina. Siegel,  Chanan  Flörsheim  und  53  weitere  Hechaluz-Mitglieder  gingen  am  27.  Oktober  1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

14.11.1944 Entlassung von Siegfried Rosenthal aus dem britischen Camp in Athlit

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

16.12.1946 Einbürgerung von Siegfried Rosenthal in Palästina

Gedenken –

Quellen

http://www.denkmalprojekt.org/2024/vl_gedenkbuch-rjf_wk1_r-z.html

Heinz – Yehuda Meyerstein Collection: Hachshara in the Netherlands and escape to France and Spain

https://www.oorlogsbronnen.nl/tijdlijn/bf2de8a7-f568-4802-8efb-5847ed2cdc88

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.mappingthelives.org

http://danielabraham.net/tree/related/hachshara/

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130353714

https://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp?book=54768&lang=eng&site=gfh

https://joodsebegraafplaatsassen.nl/index.php/achtergrond-info/vernietiging-en-daarna/palestina-pioniers

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://danielabraham.net/tree/related/hachshara

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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