Lotte Zobel
*17.3.1910 in Berlin; ✡ 12.9.1995 in Haifa
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Bernhard Zobel *16.2.1866 in Berlin; ✡29.19.1943
Mutter Ella Neue *3.6.1874 in Berlin; ✡ 16.12.1962
Bruder Alfred Zobel *17.9.1908; ✡18.9.1908 in Berlin
Schwester Grete Zobel *2.2.1912 in Berlin; England
Halbbruder
Ludwig Zobel , Dr. jur. *14.8.1892 in Berlin; ✡ 6.8.1945; oo Trude Todtmann
Adressen Berlin Schöneberg, Sponholzstr. 35; Ellguth, Steinau
Beruf Fotografin
Heirat 19.9.1940 in Haifa Walter Abraham *28.7.1912 in Berlin; ✡9.8.1999 in Haifa
Kinder zwei
Weiterer Lebensweg
Die erste Frau des Vaters Cäcilie Riess ist im Kindsbett 1892 verstorben.
Die Mutter Ella war keine Jüdin.
Lehrgut Ellguth
1939 Lotte Zobel zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;
12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 23 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 u.a. Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
Nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Lotte Zobel bei der Volkszählung mit 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf
17.5.1939 Lotte Zobel mit beiden Eltern und Schwester Grete in Berlin Schöneberg, Sponholzstr. 35
17.5.1939 Bruder Ludwig mit Frau Gertrud und Sohn Walter (*12.8.1924) in Berlin Wilmersdorf, Spichernstraße 2
Mai 1939 Schwester Grete nach England
15.-26.10.1939 Bruder Ludwig mit Frau Gertrud auf der SS ROTTERDAM von Rotterdam nach New York
25.6.-7.7.1940 Neffe Walter Zobel – zuvor in Leeds – auf der SS SCYTHIA von Liverpool nach New York
Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2
12.10.1939 Bahnfahrt von Lotte Zobel und Walter Abraham ab Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien
14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest
6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen
26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA
15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert
22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa
24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung
29.1.1940 Ankunft von Lotte Zobel und Walter Abraham in Haifa nach Abschluss von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung
29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

15.2.1940 Registrierung in Atlith, Lotte Abraham-Zobel gibt Margarete Sachs als Referenz an , als Gemeindeältesten Rabbi Wiener, Berlin (Dokument D/796/40/CHU)
18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

19.9.1940 Heirat in Haifa Walter Abraham, obwohl sie auf den Athlit-Listen bereits als Frau Lotte Abraham geführt wird.
Gedenken
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Quellen
Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6480); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 8
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110