Horwitz Hans

Hans Rudolf „Honkie“ Horwitz

*29.12.1923 in Berlin; ✡ 27.11.1944 in Neuengamme

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Max Horwitz *24.10.1882 in Graudenz; ✡ März 1943 in Auschwitz

Mutter Fanny Sittenfeld *1892; ✡ 22.4.1927 in Berlin

Geschwister keine

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Berlin, Nesterstraße 53

Heirat  ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

22.4.1927 Tod der Mutter in Berlin

14.1.1939 mit Kindertransport von Berlin nach Amsterdam

14.1.1939 Unterbringung im Norderhuis in Ruinen, Toldijk D 155

20.4.1939 ins Koloniehuis in Sonsbeek, Schelmseweg bei Arnheim

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Mijnsheerenland

Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.

21.2.1940 Hans Horwitz kommt auf den Hof in Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden.

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

29.11.1940 Hans Horwitz gemeldet in Loosdrecht

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.

Hachschara Huize Voorburg in Elden

Im Jahre 1941 wechselten 16 ältere Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara von Loosdrecht in den Kibbuz Elden, davon 10 bereits im April durch den Bürgermeister angekündigt

2.9.1941 Hans Horwitz nach Abschluss der Umschulung in Loosdrecht in den Kibbuz Elden bei Arnheim, Huize Voorburg, Drielsche Dijk 1. Kibbuz Elden im Huize Voorburg, Drielse Dijk war im Besitz der Familie Kahn

Juni 1941-Oktober 1942 für Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara und Palästinazertifikat als gemeinsames Projekt der „Deventer Vereniging tot vakopleiding“ und der religiösen Misrachi- Dath WaEretz

Elden 1942; v. li. Hans Horwitz, Adolf Gerlich, Emil Windmuller, Arnold Koller, Tova Lunski, Werner Ahlfeld

Juni 1941-Oktober 1942 Zentrum für Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara und Palästinazertifikat

Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager

4.10.1942 Razzia im Huize Voorburg, Verhaftung von 36 der 40 Chaluzim in Elden und Verbringung ins „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“, dazu zählen auch der Leiter von Huize Voorburg Ernst Cosmann, Kurt Pollack aus Bochum, Rosa Kratzer aus Dortmund und ihr Verlobter Gerd Sternlicht (*16.7.1924); Leo Goldschmidt (*26.7.1924) und Verlobte Clara Helena Leefsma (*15.9.1924)

Vier Chaluzim bleiben zum Aufräumen zurück

Kamp Westerbork

4.10.1942 Transport nach Hooghalen. Zu Fuß ins Kamp Westerbork. Die Bahntrasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.

In Westerbork blieb die gesamte Elden-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.

Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, nicht nur aus Elden, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.

14.9.1943 Deportation der über 20-jährigen Chaluzim nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold ErlangerKarl Elias und Erwin Moses.

Die Chaluzim unter 21 Jahren mit Palästina Zertifikat nach abgeschlossener Hachschara erhielten eine Palästina-Verklaring als „Austauschjuden“; sie sollten gegen Deutsche, die in Palästina („Templer“) oder einem anderen Staat des Britischen Empire lebten.

Sieben Transporte von Westerbork nach Bergen Belsen

Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.

Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.

11.1.1944 Arnold  Koller auf dem zweiten Transport von 908 Austauschjuden nach Bergen Belsen

1.2.1944 Hans Horwitz auf dem dritten Transport von 908 Austauschjuden nach Bergen Belsen

Sonderkommando

7.3.1944 Hans Horwitz und Arnold „Effie“ Koller werden bei einem Appell im Sternlager für ein „Sonderkommando“ selektiert. Sie kommen zusammen in eine abgeschlossene Hütte, ohne zu wissen, zu welchem Zweck.

Sie verfassen ein Tagebuch (7.3-16.4.1944, von dem Teile erhalten sind. Hans Horwitz schreibt die Einleitung und wohl auch den überwiegenden Text. Die Eintragungen brechen am 16.4.1944 ab.

Hans Horwitz und Arnold „Effie“ Koller müssen im Krematorium Leichen verbrennen und ihnen zuvor noch die Goldzähne ausbrechen.

Bis zu ihrer Verlegung nach Neuengamme am 23.11.1944 bleiben sie streng isoliert, sie kommen in das Lagergefängnis.

27.11.1944 Ermordung im KL Neuengamme durch Erhängen; vermutlich als „Mitwisser“ wie alle Häftlinge von Sonderkommandos

Fabrikaktion

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

3.3.1943 Vater auf dem 33. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Gedenken

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

http://www.dokin.nl/deceased_children/hans-rolf-horwitz-born-29-dec-1923/

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1077313

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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