Gonda „Gonnie“ van Oosten/Tamar Ben Gera
*26.7.1924 in den Haag; ✡28.3.2015 Kibbutz Beit Keshet
Staatsangehörigkeit Niederlande
Religion jüdisch
Vater Abraham van Oosten *25.4.1897 in Assen ✡ 2.2.1937 in Assen
Heirat der Eltern 10.10.1923 in Amsterdam
Mutter Heintje Stork *14.10.1895 in Amsterdam; ✡19.2.1943
Großvater Jonas van Oosten *2.9.1885 in Assen; ✡ 8.10.1942 Auschwitz
Großmutter Gonda van Oosten geb Godschalk *31.8.1871 Roden; ✡ 8.10.1942 Auschwitz
Geschwister
Leo van Oosten *19.5.1926 in Assen; ✡ 30.9.1942 in Auschwitz
Johanna van Oosten *29.1.1931 in Assen; ✡19.2.1943 in Auschwitz
Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin
Adressen Den Haag, Assen, Beit Keshet
Heirat Adolf Gerlich *26.4.1924 in Frankfurt; ✡ 6.11.2006 im Kibbutz Beit Keshet
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Vater Abraham war Bauzeichner
1930 Vater Abraham entwirft neue farbige Glasfenster für die Synagoge in Assen
1932 werden diese eingebaut
1945 die Gereformeerde Kerk kauft das Synagogengebäude; als die Buntglasfenster entfernt werden sollen, lässt Tamar Ben Gera diese 2016 durch YAD VASHEM aufwändig ausbauen und nach Israel transportieren, wo sie seitdem den Speisesaal auf dem „Berg der Erinnerung“ schmücken.
Jeugdalijah
Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.
Mijnsheerenland
Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.
2.9.1939 Adolf Gerlich kommt auf den Hof in Mijnsheerenland
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.
7.9.1940 Adolf Gerlich mit Nathan Freij in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“
Im Jahre 1941 wechselten 16 ältere Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara von Loosdrecht nach Elden, davon 10 bereits von Bürgermeister im April angekündigt
Kibbuz Elden in Elst
15.6.1941 Adolf Gerlich nach Abschluss der Umschulung in Loosdrecht in den Kibbuz Elden bei Arnheim, Huize Voorburg, Drielsche Dijk 1. Huize Voorburg war im Besitz der Familie Kahn und gehörte zur „Deventer Vereniging tot vakopleiding“
Gonda van Oosten ebenfalls im „Huize Voorburg“
Juni 1941-Oktober 1942 Zentrum für Chaluzim mit abgeschlossener Hachschara und Palästinazertifikat
Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager
4.10.1942 Razzia im Huize Voorburg, Verhaftung von 36 der 40 Chaluzim in Elden und Verbringung ins „Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork“, dazu zählen auch der Leiter von Huize Voorburg Ernst Cosmann, Kurt Pollack aus Bochum, Rosa Kratzer aus Dortmund und ihr Verlobter Gerd Sternlicht (*16.7.1924); Leo Goldschmidt (*26.7.1924) und Verlobte Clara Helena Leefsma (*15.9.1924) sowie Gonda van Oosten und Ascher Gerlich.
Vier Chaluzim bleiben zum Aufräumen zurück
4.10.1942 Transport nach Hooghalen. Zu Fuß ins Kamp Westerbork. Die Bahntrasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.
In Westerbork blieb die gesamte Elden-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.
Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, nicht nur aus Elden, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.
Gonda von Oosten zunächst in der zusätzlich bewachten Strafbaracke 67
14.9.1943 Deportation der über 20-jährigen Chaluzim nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold Erlanger, Karl Elias und Erwin Moses.

Die Chaluzim unter 21 Jahren mit Palästina Zertifikat nach abgeschlossener Hachschara erhielten eine Palästina-Verklaring als „Austauschjuden“; sie sollten gegen Deutsche, die in Palästina („Templer“) oder einem anderen Staat des Britischen Empire lebten.
Sieben Austauschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
Heirat mit Gerrit van Oosten in Westerbork
11.-12.1.1944 Gonda van Oosten und Ascher Gerlich auf dem 2. Transport von Westerbork nach Bergen Belsen mit 1037 „Austauschjuden“

26.7.1944 Zu ihrem 20. Geburtstag bekommt sie von Hans Rudolf „Honkie“ Horowitz und Arnold „Effie“ Koller einen Gedichtband geschenkt
Der Verlorene Zug
10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt
23.4.1945 Gonda van Oosten und Ascher Gerlich auf dem dritten, dem „Verlorenen Zug“. Die Irrfahrt endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz,
Befreiung von der Irrfahrt des durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow
Rückkehr in die Niederlande
Alija Beth auf der SS TEL HAI
März 1946 großer Militär-LKW-Konvoi nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von“La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille. Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.
17.3.1946 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen

28.3.1946 Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI
Nach wenigen Tagen werden die internierten Ma’apilim aus Athlit entlassen, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontingente anzurechnen.
Gedenken
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Quellen
Jerusalem Post 15. Juli 2021
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Adolf Gerlich (born 21 April 1924)
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316