Günther Schwersenz
*21.6.1916 in Brieg; ✡1992 in Schweden
Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Max Meir Schwersenz *30.8.1883 in Zerkow, Jarotschin; ✡ 28.4.1977 Kibbuz Galed
Heirat der Eltern 1913 in Kattowitz

Mutter Olga Pollak *26.10.1884 Kattowitz; ✡ 26.12.1977 Kibbuz Galed
Geschwister

Heinz Schwersenz/Sharon*30.3.1918 in Brieg; ✡21.2.1988 Kibbuz Galed

Horst Ari Schwersenz *12.7.1921 in Brieg; ✡29.3.2006 in Alonim; Rosel Birnbrey
Beruf Landarbeiter, Gärtner
Adressen Brieg, Breslauer Tor-Platz 4; Heilbronn; Schweden
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Der Brüderhof in Harksheide
Bruder Heinz Schwersenz zur Hachschara auf dem Brüderhof in Harksheide
Der Brüderhof in Harksheide beherbergte von 1934 bis 1939 einen Hachschara Kibbuz in Trägerschaft des Hechaluz. Die evangelische Einrichtung „Rauhes Haus“ hatte sie an den Bauern Leuschner verpachtet. Der große Hof bot Unterkunft für 35 Chaluzim.
Ab 1935 gab es hier auch eine „Mittlere Hachschara“ für 15-17-jährige Schulentlassene.
Vor der „Polenaktion“ am 28.10.1938 flüchteten einzelne Chaluzim mit polnischem Pass über die Grenze nach Dänemark, einzelne mussten mit 700 anderen ab Hamburg Altona nach Zbaszyn fahren; der Hamburger Transport kam aber erst um Mitternacht an die bereits von Polen abgeschlossene Grenze und durften nach drei Tagen des Abwartens wieder nach Hamburg zurückkehren.
Im Novemberpogrom bleibt der Brüderhof von Verwüstungen verschont, vermutlich weil Pächter Leuschner NSDAP-Mitglied war. Es sollen aber vier ältere Chaluzim verhaftet worden sein.
März 1939 Auflösung des Kibbuz nach Kündigung des Pachtvertrages. Die Jugendlichen der mittleren Hachschara können nach Palästina emigrieren. Die über 17-jährigen gehen zum Teil nach Dänemark.
Bruder Heinz Schwersenz wechselt ins Waldgehöft Havelberg
Hof Wecker bei Rüdnitz
Bruder Horst Schwersenz zur Hachschara auf Hof Wecker in Rüdnitz;
10.1.1938 Alija von Horst Schwersenz nach Haifa mit Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)
Hachschara Kibbuz Heilbronn
Das Haus auf der Frankfurter Straße 9
Vorbesitzer 1862 Moses Kirchheimer, Handelsmann
Vorbesitzer bis 1918 Hermann Baer, Häute-, Fell- und Lederhandlung Adler & Baer
Vorbesitzerin 1918-1920 Babette Baer geb. Adler *1860 in Obergimpern
Besitzer ab 1920 Max Mannheimer, Pferdehändler (1859-1930)
Im Haus befand sich eine Gastwirtschaft.
Die Familie Mannheimer
Aus der Familie Mannheimer wohnen auf der Frankfurter Straße 9:
Max Mannheimer und Emma geb. Aron (1870 -1947)
Erwin Mannheimer *1892 in Oedheim; oo Rita Mannheimer geb. Kusiel *1906 in Künzelsau; Söhne Martin Mannheimer (1929 -2018) und Max Mannheimer (1930-1991), beide geboren in Heilbronn
Benno Mannheimer *1907 in Oedheim; ledig; ✡1947 in Rochester New York
Entfernte Verwandte aus Oedheim, die Brüder Robert *1905 und Gustav Mannheimer *1909 sowie deren Mutter Fanny geb. Ehrlich wohnen 1938 in Heilbronn, Gustloffstraße 30
Die gesamte Familie Mannheimer aus Heilbronn ist in den Jahren 1933-1939 in die USA ausgewandert, Erwin und Rita Mannheimer über Venezuela.
Günther Schwersenz lebte 1938 im Hachschara-Kibbuz in Heilbronn, Frankfurter Straße 9 zusammen mit weiteren dreizehn Chaluzim. Da er als Berufsbezeichnung Gärtner angibt, ist anzunehmen, dass er seine Hachscharaausbildung im nur zehn Kilometer entfernten Kibbuz Lehrensteinsfeld bei einer Gärtnerei in Ellhofen abgeschlossen hatte.
Der Kibbuz Lehrensteinsfeld war im September 1938 geschlossen worden.
Polenaktion
Am 27./28. Oktober 1938 wurden reichsweit die Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit verhaftet und zwangsweise nach Zbaszyn abgeschoben, so auch in Heilbronn. Soweit bekannt waren aber keine Chaluzim aus der Frankfurter Straße 9 darunter.
Novemberpogrom
In der „Kristallnacht“ im November 1938 wurde die Synagoge Heilbronns in Brand gesteckt. In der Nacht darauf (10./11. November) fanden von NSDAP-Kreisleiter Drautz organisierter Terroraktionen gegen jüdische Bürger statt: Wohnungen wurden verwüstet, die jüdischen Geschäfte geplündert, Schaufenster zerschlagen. Männliche Juden über 18 Jahren wurden in das Konzentrationslager Dachau verbracht.
Im November 1938 wohnten dreizehn Chaluzim und eine Chaluza im Hachscharazentrum in der Frankfurter Straße 9; alle dreizehn Männer wurden verhaftet und in das KL Dachau verschleppt.

Günther Schwersenz bekommt die Häftlingsnummer 21742.

3.1.1939 entlassen mit der Verpflichtung, Deutschland in Kürze zu verlassen.
Emigration von 14 Chaluzim nach Schweden
Abgemeldet aus Heilbronn jeweils am:
9./10.1. 1939 Hans Baruch, Henny Baruch geb. Lorch, Georg Cohen, Erich Herze, Georg Hoffmann, Heinz Kiewe, Ernst Lachmann, Heinz Lachmann, Ruth Lachmann geb. Moser, Hans Lewin, Heinz Löwy
24.1.1939 Werner Seidler
1.2.1939 Günther Schwersenz, Heinz Stadthagen
Gerhard Kann, ein weiterer Chaluzim aus dem Kibbuz, meldete sich am 17.2.1939 nach Palästina ab.

1941 ist Günther Schwersenz in Hässelby bei Stockholm registriert, abgemeldet nach Järfälla
Waldgehöft Havelberg
1939 Bruder Heinz Schwersenz zur landwirtschaftlichen Hachschara ins Waldgehöft, auch Jagdgehöft Barella, Damlacker Weg, nördlich von Havelberg (1934-1941), Träger bis zum Pogrom November 1938 war der Hechaluz, dann die RVJD. Die frühere Jagdpacht gehörte dem jüdischen Rechtsanwalt Siegfried Freund, er war zunächst auch der Leiter. Es umfasste acht Hektar Land, eine kleine Villa, zwei Wohnhäuser, eine Werkstatt, einen Stall, Gewächshäuser und Schuppen. Bis zu 50 Chaluzim waren hier untergebracht.
17.5.1939 beide Eltern in Brieg, Breslauer Tor-Platz 4 bei der Minderheitenzählung
17.5.1939 Heinz Schwersenz Hachschara in Havelberg bei der Minderheitenzählung

September 1939 Heinz Schwersenz in Friedersdorf (Gut Skaby) und Gut Winkel
Alija Beth – Sonderhachschara VII – der Paraguay-Transport
Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können
August 1940 Bruder Heinz und beide Eltern offiziell abgemeldet nach „Paraguay“, zunächst Zugfahrt nach Berlin
16.8.1940 mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank
Zweiter Transportführer Hans Wendel
Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes
Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim
3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“
10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN
10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;
Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.
Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen
31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet
1.11.1940 Ankunft von beiden Eltern und Bruder Heinz auf der SS PACIFIC in Haifa.
3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden
4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)
7.11.1940 Registrierung der Eltern und Bruder Heinz im Camp Atlith; sie geben als Referenz an: Referenz Ari Horst Schwersenz, Ejn Charod
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.
26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;
Gedenken
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Quellen
Hans Franke, Juden in Heilbronn, Stadtarchiv Heilbronn 1963
Schweden, Haushalte-Untersuchungsbücher, 1840-1947
https://archivsuche.heilbronn.de/plink/e-96333
https://www.ushmm.org/media/images/vlpnamelist/EE1055/EE1055_part1.PDF
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429465
https://collections.arolsen-archives.org/de
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.mappingthelives.org
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=9970327
Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947