Kurt Driesen
*27.3.1914 in Berlin; ✡ 19.8.1943 in Natzweiler
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater unbekannt
Mutter unbekannt
Geschwister unbekannt
Beruf –
Adressen Berlin; Ellguth, Steinau
Heirat Sophie Elka Alster *11.1.1914 in Berlin; ✡1943 Auschwitz
Kinder
Weiterer Lebensweg
Lehrgut Ellguth
Kurt und Sophie Driesen zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;
12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 23 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 u.a. Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Kurt und Sophie Driesen mit 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf
17.5.1939 Sophie Driesen auch in Berlin, Prenzlauer Berg, Choriner Straße 14 gemeldet
17.5.1939 Schwägerin Sabina und Ehemann Wilhelm Deutsch in Berlin, Prenzlauer Berg, Winsstr. 29
Fabrikaktion
Zwangsumzug von Kurt und Sophie Driesen in das Judenhaus Berlin, Kaiser-Wilhelm-Straße 32
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert


3.3.1943 Kurt und Sophie Driesen mit Sophies Tante Zipora Baum und weiteren Bewohnern des Judenhauses auf dem 33. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
86 Opfer von anthropologischen Studien
Juli 1943 in Auschwitz wird er mit Jeanette Passmann, insgesamt 86 Frauen und Männern von den Anthropologen Bruno Beger aus München, Hans Fleischhacker aus Tübingen, für Menschenversuche selektiert;
30.7.1943 die 86 Selektierten werden in das KL Natzweiler/Struthof im Elsass deportiert; da sie von den beiden Wissenschaftlern über die Absichten getäuscht werden, sollen sich die Deportierten sogar gefreut haben, aus Auschwitz zu entkommen.
Geplant war, die Schädel und Knochen zur Forschung Ausstellungszwecken an der Universität Straßburg präparieren.
August 1943 Nach Röntgen- und Blutuntersuchungen werden 86 Frauen und Männer in der Gaskammer von Natzweiler ermordet
13.8.1943 Tod von Jeanette Passmann im KL Natzweiler-Struthof
19.8.1943 Tod von Kurt Driesen im KL Natzweiler-Struthof
Die Leichen werden ins anatomische Institut der Universität Straßburg transportiert. Kurz vor dem Zusammenbruch des „III. Reichs“ werden die Leichen beiseite geschafft, um die Spuren zu verwischen
Nachkriegszeit
Gedenken
Quellen
Hans Joachim Lang, Die Namen der Nummern, Eine Initiative zur Erinnerung an 86 Jüdische Opfer eines Verbrechens von NS-Wissenschaftlern; 2006
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1029020
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7173); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85
https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten
Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110