Schiftan Margot

Lina Margot Schiftan/Ora Arbel

*2.10.1923 Hindenburg; ✡ 7.11.1987 in Gan Yavne

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Nathan Schiftan *23.6.1895 in Proskau Oppeln; ✡  ?Auschwitz

Mutter Bertha Zolkowitz *9.5.1888 Burkhardshof, Oppeln; ✡ ?Auschwitz

Onkel Erich Schiftan *13.4.1895; oo Else Herzfeld *14.8.1896

Geschwister

Ruth Dorothea Schiftan *14.5.1925 in Illnau, Oppeln; ✡ 1943 in Auschwitz

Hanne Schiftan *23.9.1933 in Hindenburg

Beruf Landarbeiterin

Adressen Hindenburg, Mittelstraße 1; Schniebinchen bei Sommerfeld

Heirat 16.3.1945 in Haifa mit Jehoschua Vermel/Arbel

Kinder

Ruth Arbel

Avner Arbel

Weiterer Lebensweg

31.3.1937 Vater Nathan als PSV Häftling im KL Dachau; (polizeiliche Sicherheitsverwahrung wie SV)

5.5.1937 Entlassung von Vater Nathan aus der SV-Haft in Dachau

1938 Margot Schiftan zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Madricha, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind.

Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann, Eva Rawraway, Margot Schiftan und Brigitte Schmidt.  Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Aufnahme der Jungen im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.

Vondelhof

6./7.2.1939 eine große Gruppe zionistisch orientierter jungen Flüchtlinge wird in den Vondelhof, verlegt. Das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam, Frederiksstraat 18a, wird zum Zentrum für zionistisch orientierte Kinder und Jugendliche, geführt von der)

7.2.1939 Wechsel von Margot Schiftan aus Losser in den Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)

6./7.2.1939 Wechsel von Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Grete Lehmann, Eva Rawraway, Esther Singer, Margot Schiftan und Brigitte Schmidt aus dem Heim K.L. Smitoord, Losser in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

Alija

18.3.1939 Passausstellung für Margot Schiftan in Den Haag

28.3.1939 Einschiffung in Marseille

3.4.1939 Ankunft von Margot Schiftan in Tel Aviv mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

17.5.1939 beide Eltern und die Schwestern Ruth und Hanni in Hindenburg, Mittelstraße 1

17.5.1939 Schwester Ruth auch bei Onkel Erich Schiftan und Tante Else in Breslau Antonienstraße 33 gemeldet

Fabrikaktion

Ruth Schiftan im Jüdischen Forsteinsatzlager Schönfelde

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

19.4.1943 Schwester Ruth auf dem 37. Osttransport ab Berlin nach Auschwitz zusammen mit 153 aus den Forsteinsatzlagern im Kreis Lebus, Regierungsbezirk Frankfurt/Oder, davon 20 aus dem Forsteinsatzlager Schönfelde sowie 153 Chaluzim aus dem Landwerk Neuendorf

Nachkriegszeit

16.3.1945 Heirat mit Jehoschua Vermel

27.12.1945 Einbürgerung in Palästina

Gedenken

8.1.1956 und 3.3.1987 Pages of Testimony für 27 Verwandte von Ora Arbel

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de964791

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de964789

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1151837

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11256136

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10746094

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212893

www.historischekringlosser.nl

Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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