Ludwig/Uri Wallach
*29.4.1924 in Kassel ; ✡ 4.1.1971 Gvar’Am, Ashkelon
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Julius Wallach *22.7.1882 in Baumbach; ✡ Riga
Heirat der Eltern 19.10.1911 in Baumbach
Mutter Goldina Rosenbaum *18.1.1889 in Baumbach ; ✡ Riga
Onkel Leopold Wallach *30.1.1885 in Baumbach; ✡ 17.7.1943 in Riga
Geschwister
Margot Wallach *9.2.1922 in Heinebach
Isaak Wallach
Berta Wallach; oo Rothschild
Beruf –
Adressen Kassel; Heinebach, Nürnberger Landstraße 118; Schniebinchen bei Sommerfeld
Heirat Katalin Böhm *12.1.1928 in Kispest, Ungarn; ✡16.10.1969 in Gvar’Am, Ashkelon
Kinder vier
Weiterer Lebensweg
Lehrgut Schniebinchen
1938 Ludwig Wallach zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Novemberpogrom
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Madricha, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet
– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen
– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen
– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen
Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser
4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann, Eva Rawraway, Margot Schiftan und Brigitte Schmidt. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.
Zeehuis Bergen aan Zee
4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde
Dommelhuis Eindhoven
5.1.1939 Aufnahme von Ludwig Wallach im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.
Vondelhof
6./7.2.1939 eine große Gruppe zionistisch orientierter jungen Flüchtlinge wird in den Vondelhof, verlegt. Das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam, Frederiksstraat 18a, wird zum Zentrum für zionistisch orientierte Kinder und Jugendliche, geführt von der)
6.2.1939 Wechsel von Ludwig Wallach aus dem Dommelhuis in den Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)
6./7.2.1939 Wechsel von Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Esther Singer und Grete Lehmann aus dem Heim K.L. Smitoord, Losser in das Heim der Alijah Noar Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a
Jeugdalijah
Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland für unter 16-Jährige und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam für diesen Zweck aufgegeben werden musste.
Mijnsheerenland
11.8.1939 Ludwig Wallach in den Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Von September 1939 bis August 1942 fanden im Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“ 99 Bewohner Zuflucht. Erster Madrich/Leiter war der Sjaliach aus dem Kibbuz Givat Brenner Jakob Zurawel mit seiner Frau Esther Elsa Scheiner
Alija aus Loosdrecht und Minsheerenland
5.11.1939 Abmeldung zur ersten Alija; britische Einreisevisa durch die Studentenzertifikate der Alijah Noar (Jugendalija), Kategorie B(III)
15.11.1939 Ankunft der ersten Gruppe auf der SS CHAMPOLLION in Haifa
9.2.1940 Abmeldung von Ludwig Wallach zur zweiten Alija-Gruppe aus Loosdrecht mit Ellen Grünewald Leonard Hausmann, Eva Rawraway, Kurt Rohringer, Georg Reiss und Walter Saphir.

22.2.1940 Ankunft der zweiten Gruppe auf der SS PROVIDENCE von Marseille nach Haifa. An Bord der PROVIDENCE sind 34 Chaluzim.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 beide Eltern und Schwester Margot in Nürnberger Landstraße 118
Kassel – Riga

8.12.1941 elf Mitglieder der Familie Wallach über Nacht im Sammellager Turnhalle Wörthschule, Schillerstraße
9.12.1941 Deportation der Eltern und Schwester Margot ab Kassel, Transportzug Da 36
Bahnfahrt über Berlin, Breslau, Posen, Königsberg, Riga- Skirotawa mit 1022 Juden
12.12.1941 Ankunft Skirotawa; Fußmarsch ins Ghetto Riga bei über 10 Grad minus
Von den elf Mitgliedern der Familie Wallach hat niemand Riga überlebt.
Nachkriegszeit
Gedenken
–
Quellen
http://www.dokin.nl/surviving_children/ludwig-wallach-born-29-apr-1924/
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411209-20.jpg
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de984956
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de984908
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1006349
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de984934
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de984942
www.historischekringlosser.nl
Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage