
Hedwig Woller
*3.1.1921 in Bütow;✡ Jun 1942 in Sobibor
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Sholem Woller
Mutter Hilde Wajchmann/Deichmann *14.3.1885 in Skerz, Lodz; ✡1939 in Bütow
Geschwister
Dewora Woller *15.5.1908 in Sklerz
Erich Woller *3.1.1921 in Bütow; ✡ 26.11.2003 Arizona
Beruf –
Adressen Bütow; Rostock, Schnickmannstraße 9; Urfeld; Friedersdorf; Wiesbaden
Heirat –

Verlobt mit Helmut Daniel Ellinger * 25.12.1920 in Wiesbaden; Palästina
Kinder
Weiterer Lebensweg
Minderheitenzählung
17.5.1939 Hedwig Woller in Rostock, Schnickmannstraße 9
17.5.1939 Mutter Hilde und Schwester Dewora in Bütow, Grotestraße 8
29.9.1939 Bruder Erich bei britischem Census im Kitchener Camp,“Schlosserlehrling“
Hachschara in Urfeld
5.7.1939 Hedwig Woller von Rostock zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.
Von März 1934 bis April 1940 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 180 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.
Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)
Auflösung in Urfeld
Wegen der anstehenden Auflösung des Lagers Urfeld gehen Chaluzim wie Fanny Hochmann mit Manfred Reinhold und anderen aus Urfeld zur Einzelhachschara in die Niederlande
Juli 1939 Gerhard Rachwalsky als Madrich, Gert Böhm, Gregor Bronstein, Ellen Gaenser, Alfred Jordan, Charlotte Ständig mit etwa vier weiteren Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.
17.7.1939 Zustieg mit etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

15.10. 1939 nach Auflösung des Lagers Urfeld wechseln 5 Chawerim direkt nach Paderborn: Heinz Becker, Karl-Heinz Goldstein, Emil Heilbronn, Hans Peter Scheier, Hans Werner Rabinowitz. Bis zum Schluss war Benny Paul Stein Madrich in Urfeld. Manfred Wolf folgt Benny Stein nach Schniebinchen, der dort bis Juli 1940 Leiter ist.
Das Hachschara-Gut Skaby in Friedersdorf
4.4.1940 Hedwig Woller abgemeldet aus Urfeld nach Gut Skaby
Das Hachschara- Lager auf Gut Skaby in Friedersdorf, Kreis Beeskow bestand ab der Einrichtung im Mai 1939 für 40 Chawerim bis zur Auflösung am 27.2.1943 in der reichsweiten „Fabrikaktion“; alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert, so auch in den benachbarten Lagern Gut Winkel und Groß Breesen.
Hedwig Woller vermutlich 1941 mit Daniel Ellinger zu seinen Eltern nach Wiesbaden
Sobibor
Anweisung der Gestapo Frankfurt an die Landräte des Regierungsbezirks Wiesbaden
10.6.1942 Verbringung der Wiesbadener Juden in die Frankfurter Großmarkthalle



11.6.1942 Hedwig Woller und ihr Verlobter Helmut Ellinger sowie dessen Eltern, Onkel und Tante Schwarz ab Frankfurt nach Sobibor. Bericht bei Moebus-Flick:
„In den Waggons des Zuges mit dem Ziel Lublin befand sich aus der Bahnhofstr. 46 nur noch Hedwig Woller, die man aber kurz zuvor noch in das Judenhaus in der Friedrichstr. 33 umgesiedelt hatte. Unmittelbar nach der Ankunft am Zielort wurden sie alle in die nahe gelegene Todesfabrik Sobibor überführt und, wie die allein zwischen Mai und Juli 1942 fast 100.000 anderen Opfer, mit dem abgeleiteten Kohlenmonoxid großer, eigens zu diesem Zweck installierter Dieselmotoren ermordet.„
Gedenken
12..7.2004 Page of Testimony für Hedwig Woller von Neffe David Woller
Page of Testimony für Helmut Ellinger von seinem Cousin Otto Schwarz, der mit seinem Bruder Manfred Schwarz ebenfalls in Urfeld war; es ergibt sich daraus die Vermutung, dass Helmut Ellinger auch dort war.
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de993123
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de993127
Babette Weil und ihre Tochter Frieda
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420611-Wiesbaden2.jpg
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420611-Wiesbaden11.jpg
https://gedenkbuch-augsburg.de/biografien/berta-lammfromm-geb-birnzweig
StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History