Käte „Lilly“Arendt
*13.5.1924 Seeburg, Ostpreußen; ✡
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Sally Arendt *10.7.1883 in Schwanau ; ✡ 19.10.1944 Auschwitz

Mutter Sylvia Sass *29.1.1896 in Guttstadt, Heilsberg; ✡ 22.10.1944 Auschwitz
Geschwister
Vera Arendt *15.12.1928 in Seeburg; ✡ 22.10.1944 Auschwitz

Esther Lieselotte „Lilo“ Arendt *8.4.1921 in Karthaus; ✡19.12.2013 in Naharija;

Lilo heiratet 1946 Salo Mechlies *15.5.1921 in München
Magda Arendt *1922 in Seeburg; ✡1926
Beruf
Adressen Seeburg Rößel, Marktstraße 21, Ostpreußen; Schniebinchen bei Sommerfeld; Losser; Loosdrecht
Heirat Steindler
Kinder
Weiterer Lebensweg
10.1.1938Salo Mechlies mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija B(III)nach Haifa
7.3.1938 Schwester Lilo mit Studentenzertifikat der Jugendalija B(III)nach Haifa
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1938 Käte Arend zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Novemberpogrom
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
10.11.1938 England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe Berlin ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal.
es wurden drei Gruppen gebildet
– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen
– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen
– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen
Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser
4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht.

Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.
Zeehuis Bergen aan Zee
4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde
6./7.2.1939 Käte Arendt mit Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann,Esther Singer und Grete Lehmann aus Losser in das Heim der Alijah Noar Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a
Jeugdalijah
Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.
Mijnsheerenland
Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht.
5.9.1939 Käte Arendt in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“
Bis März 1940 konnten 30 Chaluzim auf Alija nach Palästina gehen.
Alija
5.11.1939 abgemeldet zur Alija

15.11.1939 Ankunft von Käte Arendt mit einer Gruppe der Jugend-Alija auf der SS CHAMPOLLION in Haifa
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 in Schniebinchen registriert 122 Personen, davon 109 Chaluzim und Angestellte
17.5.1939 beide Eltern in Seeburg Rößel, Marktstraße 21
Zweiter Kindertransport aus Schniebinchen
10.8.1939 Vier Chaluzim Heinz Alter, Helmut Kirsch, Moritz Weinstein und Sala Zyskind auf einem GEF-Transport (gefährdet) über Hoek van Holland nach Harwich, England
10.5.1940 Überfall der Wehrmacht auf Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich
Tilsit-Königsberg


Beide Eltern mit Tochter Vera in das Judensammellager Allenstein, Liebstädter Straße 8
24./25.8.1942 beide Eltern mit Tochter Vera und weiteren 43 Juden aus Allenstein auf dem Transport XIV/1 Tilsit-Königsberg- Theresienstadt

16.10.1944 Vater Sally auf dem Transport E r von Theresienstadt nach Auschwitz
19.10.1944 Mutter Sylvia und Schwester Vera auf dem Transport E s von Theresienstadt nach Auschwitz
Gedenken
1.2.1955 Pages of Testimony für die Eltern und Schwester Vera von Esther Arendt
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de832578
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de832572
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de832574
www.historischekringlosser.nl
Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013
http://www.dokin.nl/surviving_children/kathe-arendt-born-13-may-1924/
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4964381
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History