Kästler Rudolf

Rudolf Kästler

*26.4.1920 in Wien; ✡19.2.1993 Boulogne-Billancourt

Staatsangehörigkeit Österreich

Religion jüdisch

Vater Dr.jur. Ernst Kästler *15.1.1880 in Saitz, Mähren; ✡ 29.11.1941 in Kauen

Heirat der Eltern 5.4.1914 in Wien

Mutter Irma Zisel *11.8.1889 in Wien; ✡ 29.11.1941 in Kauen

Geschwister

Heinrich Kästler *5.2.1915 in Wien; ✡ 13.7.1976 in Outremont, Montreal

Adressen Wien III Hauptstraße 116; Regensburg, Weißenburgstraße 31

Beruf Komponist

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

„Anschluss“ Österreichs 1938

Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich

16.5.1938 Antrag von Vater Ernst Kästler für sich, die Ehefrau Irma und Sohn Rudolf auf Unterstützung zur Emigration bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

16.5.1938 Antrag von Heinrich Kästler auf Unterstützung zur Emigration bei der IKG Wien

Beth Chaluz Regensburg

Sommer 1938 Heinrich und Rudolf Kästler ins Beth Chaluz Regensburg zur Hachschara

Das Beth Chaluz in Regensburg, Weißenburgstraße 31 war ein Hachschara-Wohnheim des Hechaluz, auch „Praktikantenheim“ genannt. Es bestand zumindest seit 1936.

Zu der Hechaluz-Gruppe gehörten auch Ernst Levy aus Regensburg und Fritz Strauß aus Selters, der aber in Regensburg in der Spiegelgasse 4 wohnte.

Novemberpogrom in Regensburg

Am 9./10.11.1938 wurde auch das Beth Chaluz Regensburg überfallen.

10.11.1938 verhaftet mit etwa 70  jüdischen Männern, sie wurden auf dem NSKK-Gelände festgehalten und mussten vormittags „Morgensport“-Übungen machen.

10.11.1938 Es folgte der „Schandmarsch durch die Regensburger Altstadt zum Bahnhof. Auf Lastwagen wurden 65 in „Schutzhaft“ genommene Juden ins Konzentrationslager Dachau, weitere aber auch in das Regensburger Gefängnis „Augustenburg“ verbracht.

10.11.1938 Heinrich Kästler gehörte mit Rabbi Falk Salomon und Jacob Farntrog zur ersten Gruppe der nach Dachau verbrachten Männer

11.11.1938 wurden vier weitere über 17-jährige Männer aus dem Beth Chaluz sowie Ernst Levy aus Regensburg und Fritz Strauß aus Selters in Dachau eingewiesen.

12.11.1938 Rudolf Kästler gehörte zur dritten nach Dachau deportierten Gruppe von fünf Chaluzim aus dem Beth Chaluz

16 Chaluzim und Rabbi Falk Salomon aus Regensburg in Dachau (nach Häftlingsnummer)

20131 Karl Michel, 20133 Willy Meier, 20143 Heinz Kurt Marcks, 20145 Hans Kroner, 20166 Heinrich Kästler, 20195 Falk Salomon, Rabbiner, 22594 Berthold Berkowicz, 22595 Bernhard Rosenberg, 22596 Waldemar Horn, 22597 Hans Wertheim, 22604 Fritz Strauß, 22606 Ernst Levy, 23182 Siegfried Berkowicz, 23183 Isaak Sapierstein, 23184 Rudolf Kästler, 23186 Erich Schlorch, 23187 Alfred Weiss

23.12.1938 Entlassung der Brüder Kästler mit den anderen Chaluzim aus dem KL Dachau

Einzelne Chaluzim gehen in ihre Heimatorte, andere wechseln in bestehende Hachscharastätten, so Fritz Strauß in das Lehrgut Ellguth in Schlesien.

12.4.1939 Brief von Jakob Farntrog aus Regensburg:

„Diese Woche … noch gehen Oberdorfer und Springer weg (Ehepaar Oberdorfer und Herr Springer auf die ST LOUIS). Die letzten vom Bet Chaluts anfangs kommender Woche illegal nach Erets. Die Auswanderung geht ja im großen ganzen nur langsam vonstatten“

Gemeint ist hier vermutlich der erste „Sonderhachschara“ SH 1; Chaluzim aus ganz Deutschland kamen ab Wien in einem Sammeltransport nach Jugoslawien, Einschiffung in Spalato auf einem kleinen Schiff, der SS DORA, die nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste Alija Beth, illegale Sonderhachschara SH1

Nach 1938 diente das Gebäude in der Weißenburgstraße 31 als jüdisches Altersheim

Deutsche Volkszählung -Minderheitenzählung

17.5.1939 noch im Beth Chaluz in Regensburg, Weißenburgstraße 31 registriert die vier Ma’apilim Erna Margules, Isaak Sapierstein, Erich Schlorch und Karel Sokolski, die am 12.8.1939 auf der SS DORA am Strand von Shefayim nahe Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht werden

Sommer 1939 beide Brüder fliehen nach England

Britischer Census

29.9.1939 Rudolf Kästler im Kitchener Camp Richborough Near Sandwich

29.9.1939 Heinrich Kästler im Richborough Camp bei Sandwich mit etwa 200 Emigranten

Massenerschießung im Fort IX in Kauen

11/1941 Verbringung der Wiener Juden in das Sammellager

25.11.1941 Beide Eltern ab Wien nach Kauen/Kowno

29.11 Ankunft der Wiener Juden, Einsperrung im Fort IX außerhalb von Kauen

Wie bereits die Züge aus Berlin (17.11.), München (20.11.), Frankfurt/Main (22.11.) und Wien (23.11.) wurde auch der Transport aus Breslau (25.11.) nicht wie ursprünglich vorgesehen nach Riga, sondern ins litauische Kowno geleitet. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden die Breslauer zusammen mit den Wiener Juden am 29.11.41 vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A im Fort IX außerhalb von Kowno erschossen. Auf Befehl des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD wurden insgesamt 2934 Menschen im Fort IX außerhalb der Stadt erschossen.

Nachkriegszeit

Nach 1945 wohnen die Brüder Kästler in Montreal

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10676525

https://www.heimatforschung-regensburg.de/2485/1/1063113_DTL1773.pdf

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429512

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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