Merenländer Horst

Horst Itzchak Merenländer

*19.8.1923 in Frankfurt

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Ludwig Eleazar Merenländer *29.12.1887 in Warschau; ✡ 10.6.1980 in Israel  

Heirat der Eltern 30.11.1920 in Frankfurt

Mutter Clothilde Rothschild *21.5.1894 in Gottmadingen,Randegg, BW; ✡ 20.12.1988 Tel Aviv

Onkel Moschek Merenländer *13.2.1871 in Warschau; ✡27.12.1939 Frankfurt; oo Erna Sand *7.6.1892

Onkel Julius Merenländer *16.2.1874 Warschau ✡20.7.1929 Frankfurt; oo Selma Elsässer *7.1.1880 in Roth

Onkel Meir Merenländer *25.12.1880 in Warschau ✡ 1942 Treblinka

Geschwister

Ruth Leonie Merenländer *2.11.1921 in Frankfurt; oo Max Hon

Jakob Merenländer/Meron *in Frankfurt ✡ ? ; oo Eckstein

Heinz Merenländer *2.5.1929 in Frankfurt

Cousin/en

Rosi Merenländer *28.6.1918 in Frankfurt; 1997 Hvidovre, Dänemark; oo Wachsberg; oo Sörensen

Werner Merenländer *7.9.1919 in Frankfurt

Martin Merenländer *12.7.1933 in Frankfurt

Beruf landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Frankfurt, Bessemerstraße 16;

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Jüdisches Adressbuch Frankfurt 1935

Minderheiten-Volkszählung vom 17.5.1939

Ludwig und Clothilde Merenländer mit Sohn Heinz in Frankfurt, Bessemerstraße 16

Selma Merenländer mit Sohn Werner in Frankfurt, Eckenheimer Landstraße 41

Werner Merenländer auch im Lehrgut Ellguth, Falkenberg

Moschek und Erna Merenländer mit Sohn Martin in Frankfurt, Rechneigrabenstraße 9

Das jüdische Umschulungslager Hof Wecker in Rüdnitz

Ruth und Horst Merenländer zur Hachschara in das jüdische Umschulungslager Hof Wecker beim Bahnhof in der Bahnhofstraße in Rüdnitz bei Bernau. Der Hof Wecker in Rüdnitz, gelegen an der Bahnlinie Berlin Eberswalde in Rüdnitz war im Besitz der Familie Schocken. Leiter war Erich Marx. Die Eheleute Chane und Robert Emmerich sind als Köchin und Hausmeister angestellt.

Er bestand von 1933 bis 1941 und war somit eines der ersten zionistischen Hachscharalager der Jüdischen Jugendhilfe in Brandenburg.

4.7.1938 Ankunft von Ruth Merenländer in Haifa auf der SS GALILEA mit Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

Lehrgut Schniebinchen

1938  Horst Merenländer zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Madricha, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Aufnahme von Horst Merenländer im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.

Vondelhof

6.-9.2.1939 eine große Gruppe zionistisch orientierter jungen Flüchtlinge wird in den Vondelhof, verlegt. Das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam, Frederiksstraat 18a, wird zum Zentrum für zionistisch orientierte Kinder und Jugendliche, geführt von der)

9.2.1939 Wechsel von Horst Merenländer aus dem Dommelhuis in den Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)

6./7.2.1939 Wechsel von Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Esther Singer und Grete Lehmann aus dem Heim K.L. Smitoord, Losser in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

Jeugdalijah

Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Mijnsheerenland

2.9.1939   Horst Merenländer in den Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Von September 1939 bis August 1942 fanden im Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“ 99 Bewohner Zuflucht.

21.9.1939 Einreise der Eltern und Bruder Heinz in Haifa mit Kapitalistenzertifikat Kategorie A bzw. als Familienmitglied Kategorie D

19.1.1940 Horst Merenländer abgemeldet aus Mijnsheerenland zur Alija ab Marseille

31.1.1940 Einreise von Horst Merenländer in Ras en Nagura als Familienmitglied Kategorie D

31.7.1941 Einbürgerung von Ruth Merenländer in Palästina

23.12.1942 Horst Merenländer Eintritt in die Palestinian Company der Royal Army

8.3.1943 Einbürgerung von Horst Merenländer in Palästina

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71187332

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/ad

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en930028

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en930023

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/13.pdf

Ezra Ben Gershôm David. Aufzeichnungen eines Überlebenden, Evangelische Verlagsanstalt 1989

Joel König (Ezra Ben Gershom), Den Netzen entronnen, Vandenhoeck u. Ruprecht 1967

Bettina Götze, Rathenow, in: Irene Annemarie Diekmann (Hrsg.), Jüdisches Brandenburg. Verlag für Berlin-Brandenburg 2008. S. 304–328

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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