Reutlinger Willy

Wilhelm Willy Reutlinger

*13.3.1915 in Königsbach Enzkreis; ✡

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Jakob Reutlinger *21.1.1886 in Königsbach Enzkreis; ✡

Mutter Recha Friedberger *7.2.1892 in Lauphem;

Geschwister

Ruth Reutlinger *18.3.1916 in Königsbach Enzkreis; ✡

Hannah Reutlinger *13.10.1917 in Königsbach Enzkreis; ✡ 2.2.2009 USA; oo Moses

Ilse Alisa Reutlinger *10.7.1921 in Königsbach Enzkreis; ✡ 10.8.1942 Auschwitz

Rosa Rosele Varda Reutlinger/Riccini *8.11.1922; Israel

Edit Reutlinger *30.4.1931 in Königsbach Enzkreis; ✡ 10.8.1942 Auschwitz

Beruf

Adressen Königsbach; Pforzheim, Kaspar-Glaser-Straße 2; Ellguth, Steinau

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Lehrgut Ellguth

Willy Reutlinger zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.

Benno Teichmann berichtet:

„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“

Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen

10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;

12.11.1938   die über 16 jährigen Männer – mehr als 25 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450;

10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald

Dezember 1938 — u.a. Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski und Hermine Duschinsky als Wirtschaftsleiterin aus Wien.

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Willy Reutlinger mit 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf

17.5.1939 Willy Reutlinger in Pforzheim, Kaspar-Glaser-Straße 2 registriert zusammen mit den Eltern Recha und Jakob sowie die Schwestern Ilse und Rosa

Kindertransport

Sommer 1939 Schwester Rosa mit Kindertransport nach England

Alija

September 1939 Willy Reutlinger abgemeldet aus Ellguth nach Palästina

12.10.1939 Bahnfahrt von Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluss von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit; als Kontaktadresse gibt er Heinrich Herbst in Petach Tikwa an.

Die Bürckel-Wagner-Aktion in Baden

22.10.1940 beide Eltern, Schwester Ilse und weitere Mitglieder der Familie Reutlinger auf einem von sieben Transporten von 6500 Juden des Saarlandes, der Pfalz und Baden, aus Pforzheim in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich transportiert in der „Bürckel-Wagner-Aktion“.

März 1941 Verlegung verschiedener Gruppen aus Gurs in andere Lager: Betagte Menschen kamen nach Noé, Schwerbehinderte nach Récébédou, Familien in das sogenannte ‚Familienlager‘ Rivesaltes.

10.8.1942 Deportation von beiden Eltern und Schwester Ilse ab Drancy nach Auschwitz

Nachkriegszeit

Gedenken

12.6.2001 Pages of Testimony für die Familie von Schwester Rosa Varda Riccini geb. Reutlinger

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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