Stadermann Siegfried

Siegfried Siggi Stadermann

*18.1.1923 in Chemnitz; ✡23.7.2011 in New York;

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Otto Stadermann *16.3.1894 Schwerstedt ✡ ? (Vater war Christ)

Mutter Elsa Salomon *20.10.1892 in Bitterfeld ✡ 11.1.1955 in Tel Aviv

Geschwister

Karl Joachim Jochen Stadermann *2.11.1924 in Chemnitz; ✡ 1

Beruf

Adressen Chemnitz, Zschopauerstraße 74

Heirat Gianna

Kinder

Weiterer Lebensweg

Lehrgut Schniebinchen

1938 Siegfried Stadermann zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Madricha, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann, Eva Rawraway, Margot Schiftan und Brigitte Schmidt.  Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Aufnahme von Siegfried Stadermann im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.

Vondelhof

6./7.2.1939 eine große Gruppe zionistisch orientierter jungen Flüchtlinge wird in den Vondelhof, verlegt. Das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam, Frederiksstraat 18a, wird zum Zentrum für zionistisch orientierte Kinder und Jugendliche, geführt von der)

6.2.1939 Wechsel von Siegfried Stadermann aus dem Dommelhuis in den Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)

6./7.2.1939 Wechsel von Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Esther Singer und Grete Lehmann aus dem Heim K.L. Smitoord, Losser in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

16.3.1939 Wechsel von   aus dem Dommelhuis in den  Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)

Jeugdalijah

Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland für unter 16-Jährige und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam für diesen Zweck aufgegeben werden musste.

Mijnsheerenland

Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Von September 1939 bis August 1942 fanden im Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“ 99 Bewohner Zuflucht. Erster Madrich/Leiter war der Sjaliach aus dem Kibbuz Givat Brenner Jakob Zurawel mit seiner Frau Esther Elsa Scheiner

Alija aus Loosdrecht und Minsheerenland

5.11.1939 Abmeldung von Siegfried Stadermann zur ersten Alija; britische Einreisevisa durch die Studentenzertifikate der Alijah Noar (Jugendalija), Kategorie B(III)

15.11.1939 Ankunft der ersten Gruppe von 24 Chaluzim auf der SS CHAMPOLLION in Haifa

1941 Eintritt von Siegfried in die Palestinian Company der Royal Army

Siegfried (links) mit Gianna in Florenz

1944 Siegfried Stadermann mit der Jewish Brigade in Florenz

Bruder Karl Joachim zur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf, Pfadfinderbund Makkabi HaZair

7.5.1941 Ankunft von Jochen über den Landweg aus Schweden über Finnland, UdSSR, Türkei, Syrien, Libanon in Haifa; er gibt Bruder Siegfried als Verwandten in Palästina an

17.5.1939 Eltern in Chemnitz, Zschopauerstraße 74

17.5.1939 Karl Joachim in Ahrensdorf

1939 Bruder Karl Joachim in der zweiten Auswanderungsgruppe nach Schweden

Das Internat Kristinehov war ein 1934 gegründetes Landschulheim im südschwedischen Västraby

Chemnitz Theresienstadt

14.-15.2.1945 Mutter Elsa mit 56 Deportierten auf Transport V/11 von Chemnitz ins Ghetto Theresienstadt

9.5. 1945 die Rote Armee erreicht Theresienstadt

Nachkriegszeit

Siegfried Stadermann erlangt Berühmtheit als Pianist

Festivalleiter des Abu-Gosh – Kiryath-Yearim Music Festival (1957-1972)

Dirigent des Ramat-Gan Chamber Orchestra, Histadrut Symphony Orchestra, Municipal Orchestra of Tel-Aviv; Chorleiter der Chöre von Ramat Gan and Ein Hahoresh

Gedenken

Grabstein für Mutter Elsa auf dem Kiryat Shaul Cemetery, Tel Aviv

Quellen

https://www.bach-cantatas.com/Bio/Stadermann-Sigi.htm

Siegfried Stadermann (born 18 January 1923)

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5095060

https://www.statistik-des-holocaust.de/V11-2.jpg

Jüdische Holocaust-Gedenkstätten und jüdische Einwohner Deutschlands 1939-1945

Anneliese Ora Borinski, Erinnerungen

Herbert Fiedler, Eine Geschichte der Hachschara; Verein Internationale Begegnungsstätte Hachschara-Landwerk Ahrensdorf e.V

Herbert und Ruth Fiedler, Hachschara, Hentrich & Hentrich 2004

http://www.hachschara-ahrensdorf.de/html/body_anfang.html

Naftali-Rosenthal-Ron, Aufblitzende Erinnerungen, Autobiografie; deutsche Übersetzung von Alice Meroz, Berlin 2015

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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