Steinberg Karl

Karl Steinberg

*8.12.1923 in Nürnberg; ✡ 14.5.1948

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Rudolf Steinberg *8.5.1889 in München; ✡ 21.7.1940

Mutter Cäcilia Lichtenstädten verw. Reiß *7.3.1892 in Nürnberg; ✡ 11.11.1941 Suizid

Erste Ehe der Mutter mit Dr. Carl Reiss *28.8.1883; ✡ 3.9.1916

Geschwister

Franz Steinberg *13.10.1926 in Nürnberg

Halbbruder Natan Otto Reiss *12.1.1912: 16.12.1993 Israel

Beruf

Adressen Nürnberg; München div. Adressen Schniebinchen bei Sommerfeld

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Lehrgut Schniebinchen

1936 Karl Steinerg zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Madricha, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann, Eva Rawraway, Margot Schiftan und Brigitte Schmidt.  Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Aufnahme von Karl Steinberg im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.

Vondelhof

6./7.2.1939 eine große Gruppe zionistisch orientierter jungen Flüchtlinge wird in den Vondelhof, verlegt. Das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam, Frederiksstraat 18a, wird zum Zentrum für zionistisch orientierte Kinder und Jugendliche, geführt von der)

7.2.1939 Wechsel von Karl Steinberg  aus dem Dommelhuis in den Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)

6./7.2.1939 Wechsel von Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Esther Singer und Grete Lehmann aus dem Heim K.L. Smitoord, Losser in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

16.3.1939 Wechsel von Karl Steinberg aus dem Dommelhuis in den  Vondelhof Amsterdam, Alijah Noar (Jugendalija)

Jeugdalijah

Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland für unter 16-Jährige und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam für diesen Zweck aufgegeben werden musste.

Mijnsheerenland

Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

5.9.1939 Karl Steinberg ins Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Von September 1939 bis August 1942 fanden in Loosdrecht, „het Paviljoen“ mehr als 100 Bewohner Zuflucht. Erster Madrich/Leiter war der Sjaliach aus dem Kibbuz Givat Brenner Jakob Zurawel mit seiner Frau Esther Elsa Scheiner

Alija aus Loosdrecht und Minsheerenland

8.8.1939 Passausstellung in Den Haag

5.11.1939 Abmeldung von Karl Steinberg  zur ersten Alija; britische Einreisevisa durch die Studentenzertifikate der Alijah Noar (Jugendalija), Kategorie B(III)

15.11.1939 Ankunft der ersten Gruppe von 24 Chaluzim auf der SS CHAMPOLLION in Haifa

25.10.1943 Einbürgerung in Palästina

14.5.1948 Erklärung der Staatsgründung durch Ben Gurion

14.5.1948 kriegsgefallen im Unabhängigskeitskrieg

Minderheitenzählung

17.5.1939 München, Herzogstraße 65

21.9.1940 Tod des Vaters in München

11.11.1941 Suizid der Mutter Cilli Steinberg

Nachkriegszeit

Gedenken

Quellen

http://www.dokin.nl/surviving_children/karl-steinberg-born-8-dec-1923/

www.historischekringlosser.nl

Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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