Stroumsa Julie

Tzoulia Julie Stroumsa

„petite“Julie

*1915 in Thessaloniki; ✡ 1.5.1945 in Bergen Belsen

Staatsangehörigkeit Griechin

Religion jüdisch

Vater Abraham Stroumsa *1883; ✡1

Mutter Doudoun Joel *1890; ✡ 1

Geschwister

Jacques Stroumsa *4.1.1912 in Saloniki; ✡14.11.2010 in Jerusalem; oo Nora Mordoli

Gedalja Stroumsa *1917 in Saloniki; ✡1944 in Auschwitz

Bella Stroumsa *19.11.1921 in Saloniki; ✡7.7.2021 in Paris

Cousin David Stroumsa *1913 in Saloniki; ✡1944 in Auschwitz

Beruf

Adressen Saloniki, Ewsonenstraße 15

Heirat verlobt mit David Perahia *22.1.1900; in New York

Kinder –

Weiterer Lebensweg

Die Räumung der Jüdischen Ghettos in Saloniki

April 1941 Besetzung von Saloniki durch die Wehrmacht; etwa 50000 Juden leben hier

25.2.1943 Internierung der Familie in das Agia Triada Ghetto in Saloniki

4.3.1943 vollständige Umzäunung der zwei Ghettos im Baron Hirsch-Viertel, die zu Deportationsghettos werden.

März 1943 Bruder Jacques hört beim Verlegen von Telephonleitungen ein Telephonat der beiden SS-Kommandanten; Dieter Wisliceny zu Alois Brunner: „Ich denke, dass die Judendeportationen in einer Woche beginnen könnten!“

Zwi Koretz

Als Stroumsa dies Zwi Koretz, einem Mitglied des Gemeindevorstandes mitteilt, wird er abgewiesen. Er solle keine Panik in der Gemeinde auslösen; er werde der Gestapo gemeldet, wenn er Gerüchte verbreite.

14.-20.3.1943 erster Transport von 2800 Juden aus dem Baron Hirsch-Viertel.

Cousin Salomon Stroumza ist schon auf diesem ersten Transport; Auschwitz Nr. 109730

Im Anschluß an die Transporte aus dem Baron-Hirsch-Ghettos wurden diese aus den anderen Bezirken jeweils rasch aufgefüllt

9.4.1943 Familie Stroumsa verhaftet und im Ghetto Baron Hirsch interniert

19.-24.4.1943 zweiter Transport von 2800 Juden aus dem Baron Hirsch-Viertel

30.4.-8.5.1943 dritter Transport von 2500 Juden aus dem Baron Hirsch-Viertel

30.4.1943 Julie mit den Eltern den Geschwistern und der hochschwangeren Schwägerin Nora auf dem 3. Transport von Saloniki nach Auschwitz

8.5.1943 an der Rampe in Auschwitz werden alle vier Geschwister zur Zwangsarbeit selektiert; die Eltern und Schwägerin Nora werden in die Gaskammer geschickt.

Bruder Jacques bekommt die Auschwitz-Häftlingsnummer 121097, Gedalia die Nr. 121098 in den linken Unterarm tätowiert.

Bruder Jacques wird für einige Monate als 1. Geige im Männerorchester von Auschwitz eingeteilt;

dann bekommt ein gutes Kommando als Maschinenbauingenieur in den Weichsel-Union-Metallwerken;

9.1.1945 Jacques von Auschwitz nach Mauthausen; er überlebt.

Schwester Bella überlebt im „Rotkäppchen-Kommando“, Effektenlager „Kanada“ in Birkenau

Bruder Gedalia stirbt in Auschwitz Monowitz

Das Mädchenorchester in Auschwitz

Auf Betreiben der SS-Oberaufseherin des Frauenlagers Maria Mandl beruft Lagerkommandant Rudolf Höss eine Versammlung der Kapo’s von Auschwitz-Birkenau ein, mit dem Auftrag, nach geeigneten Mitgliedern für ein zu gründendes Frauenorchester zu suchen, als Pendant zu dem bereits bestehenden Männerorchester.

(November 1944 wechselte Mandl nach Mühldorf, ein Außenlager des KZ Dachau. Im Krakauer Auschwitz-Prozess zum Tode verurteilt – 1948 vollstreckt)

Maria Mandl, beauftragt Zofia Czajkowska weitere Mitglieder zu suchen, ihr gelingt es aber nur, vier weitere Musikerinnen zu rekrutieren: Stefania Baruch, Danuta Kallakova, Maria Mos, Jadwiga Zatorska

Ab April 1943 dürfen auch jüdische Musikerinnen aufgenommen werden

Esther Loewy/Bejarano berichtet über die Aufstellung des Mädchenorchester von Auschwitz im April 1943, die ersten jüdischen Mitglieder

„Als dann die Dirigentin, Zofia Czajkowska eines Tages bei den Blockältesten nach Musikerinnen suchte, wurden meine Freundinnen Hilde Grynbaum, Sylvia Wagenberg und ich vorgeschlagen… Auch meine Freundinnen wurden akzeptiert, Hilde als Geigerin, Sylvia als Flötistin, und so zogen wir drei in die Baracke, in der die Musiker schliefen, die sogenannte Funktionsbaracke.“

Der Block trug die Nummer 12, ab Herbst 1943 Nummer 7 im Frauenlagerblock BI

Anfang Mai Ruth Basinski und Charlotte Grunow folgen als weitere Musikerinnen aus dem 37. Osttransport

Juni 1943 offizieller Arbeitsbeginn des Orchesters.

August 1943 Alma Rose übernimmt die Leitung des Mädchenorchesters, Zofia Czajkowska wird Blockälteste in der „Funktionsbaracke“

August 1943 Alma Rose übernimmt Julie als 2. Violistin in das Orchester

4. 4.1944 Tod von Alma Rose (*3.11.1906 in Wien, ✡4.4.1944 in Auschwitz aus ungeklärter Ursache)

April 1944 Sonia Winogradowa wird neue Leiterin und verlangt den Ausschluss der jüdischen Musikerinnen

„Als 1944 Tausende von ungarischen Juden in das Lager gebracht wurden und aufgereiht standen, um in die Gaskammern geführt zu werden, mussten wir auch diesen Unglücklichen etwas vorspielen.“

18.8.1944 sie steht Liste „Laboruntersuchungen des SS-Hygiene-Instituts Auschwitz, betreffend Urin-, Blut-, Stuhl- und Sputumproben sowie Rachenabstriche von Häftlingen des Konzentrationslagers Auschwitz“

Insgesamt 23 Orchestermitglieder, u.a.:

Helene Dunicz, Jadwiga Zatorska, Fanny Kornblum, Lilly Mathe, Kazimiera Malistowa (Malys), Christa Budzinska, Maria Mosa, Regina Kuperberg, Eva Benedek, Fanny RubakCharlotte Grunow, Olga Losowa,  Lola Croner, Helene Rounder, Bronia Labusa, Sonia Winogradowa, Maria Galewa.

Diese Tests erfolgen vermutlich vor einer geplanten Verlegung der Frauen in die Kleiderkammer im Lagerbereich „Kanada“.

30.10.-1.11.1944 Verlegung von etwa 30 jüdischen Mitgliedern des Mädchenorchesters aus dem KL Auschwitz nach Bergen-Belsen.

Die „arischen“ Mitglieder des Orchesters bleiben in Auschwitz:

Jozefa Maria Bielakowska, Henryka Brzozowska, Stefania Buchalska, Sofia Cykowiak, Sofia Czajkowska, Helena Dunicz, Jadwiga Kollak, Irena Lagowska, Maria Langenfeld, Kazimiera Malys, Maria Mos, Ewa Stojowska, Irena Walaszyk, Jadwiga Zatorska.

Die Mitglieder des Mädchenorchester kommen in Bergen Belsen zunächst in Zelten unter, die aber bei einem heftigen Sturm zusammenbrechen, so dass sie in Wehrmachtsbaracken kommen.

Violette Silberstein und Claire Monis werden zu Kapos ernannt.

Zwangsarbeit in der Weberei.

Januar 1945 Ankunft zweier „arischer“ Musikerinnen in Bergen Belsen: Ewa Stojowska, Stefania Buchalska Ewa Stojowska wird Blockälteste von Block 201

Charlotte Croner, Julie Stroumsa und Ibolya sterben in Bergen-Belsen

15.4.1945 Befreiung durch die Royal Army in Bergen Belsen

April/Mai 1945 Tod an Fleckfieber („Typhus“ ) nach der Befreiung

14.6.1945 Liste deutscher Jüdinnen in Bergen Belsen mit Mitgliedern des Mädchenorchesters:

Ruth Basinski,  Hilde Grynbaum, Charlotte Grunow, Elga Schiessel; Renate und Anita Lasker, Sylvia Wagenberg, Carla Wagenberg;

Weitere Jüdinnen auf dieser Liste

Hannelore Grünberger, Lotte Joseph, Sara Landsberg, Hildegard Mayer, Margot Rosenblatt

ebenfalls in Bergen Belsen aus dem Mädchenorchester

Helen Dunicz, Flora Jacobs, Fanny Kornblum, Regina Kuperberg, Elsa Miller, Claire Monis, Helene Rounder, Rachela Selmanowitz

1967 Bruder Jacques emigriert nach Israel

Gedenken

7.5.1985 Pages of Testimony für Julie, Bruder Gedalia, die Eltern und seine Frau Nora von Jacques Stroumsa

1998 Buch des Bruders Jacques Stroumsa: Tu choisiras la vie, Violoniste à Auschwitz

Fanny Birkenwald erinnert sich an sie:

“… so erinnere ich mich ihrer als sehr sanftes, zurückhaltendes Mädchen, das niemals an den manchmal heftigen Diskussionen teilnahm, die wir führten. Wir wollten ja leben, uns am Leben festklammern, […]. Sie war keine Kämpfernatur, um dieser Brandung des Todes zu widerstehen.“

Erinnerungsplakette mit ihrem Namen in der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Quellen

Jacques Stroumsa: Tu choisiras la vie, Violoniste à Auschwitz, Paris: Le Cerf 1998

Jacques Stroumsa: Geiger in Auschwitz, Ein jüdisches Überlebensschicksal 1941–1967. hg. von Erhard Roy Wiehn. Hartung Gorre, Konstanz 1993

https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Stroumsa

http://www.musiques-regenerees.fr/GhettosCamps/Camps/Thessaloniki/StroumsaJacques.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3554888

http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1943/index.html

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130833270

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/81967955

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/555609

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/555610

Serie eines autobiografischen Berichts von Lili Bernstein 1960 in der Zeitung „News of the World“

http://thegirlsintheauschwitz.band/

https://yvng.yadvashem.org/ad

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

Lore Shelley (Editor), The Union Kommando in Auschwitz, Lanham, New York, London, 1996

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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