
Arno Aron Grossmann
*13.5.1903 in Eisenach; ✡17.1.1997 ✡in Ginosar, Israel
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Bernhard Grossmann *13.12.1862 in Lauenburg; ✡15.1.1943 in Theresienstadt
Heirat der Eltern 19.8.1901 in Berlin
Mutter Jenny Aris *1.10.1867 in Braunsberg, Ostpreußen; ✡1.3.1943 in Theresienstadt
Jenny Aris ist eine Cousine von Max Aris und Thekla Aris-Hohenstein aus Preußisch Holland, dem Nachbarbezirk von Braunsberg in Ostpreußen,beide später in Recklinghasuen
Tanten
Hulda Grossmann geb. Bär *23.9.1874 in Marisfeld b./Themar; ✡1948 in Berlin; oo Julius Grossmann (1860-1932)
Friederike Grossmann geb. Aris *14.5.1863; ✡Jan. 1943 Theresienstadt; oo Max Grossmann (1857-1930)
Cousin Berthold Grossmann *31.3.1897 Eisenach; Bendorf-Sayn; ✡19.6.1942 Sobibor
Geschwister
Henny Grossmann *10.7.1904 in Eisenach; ✡ März 1943 in Auschwitz; oo mit Isidor Philipp *9.2.1906 in Recklinghausen; ✡ September 1994 in Ashkelon
Gerhard Grossmann *31.3.1906 in Eisenach; ✡ ?
Beruf Landarbeiter
Adressen Eisenach;
Heirat Hanna Schmidt *2.2.1914; ✡23.11.1998 in Ginosar
Kinder
Waclaw Dov Dubi Grossmann/Granot*1948; ✡ 19.12.2009 in Ginosar
Emil Grossmann; ✡ 2009
Weiterer Lebensweg
3.7.1933 Bruder Gerhard abgemeldet aus Eisenach nach Chemnitz vermutlich zur Tante Hulda Grossmann, deren Mann Julius 1932 verstorben war

Dezember 1934 Gerhard Grossmann und Hans Joachimsthal in Chemnitz auf der Gruppenliste des Hechaluz
Schwester Henny Grossmann zur Tante Hulda nach Chemnitz, Neumarkt 10; das große sechsgeschossige Wohn- und Geschäftshaus war von 1907 bis 1942 im Besitz der Familie Grossmann
Alija
6.6.1932 Passausstellung für Arno Grossmann in Eisenach
3.2.1936 Ankunft von Arno Grossmann in Haifa mit einem Arbeiterzertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS
24.5.1941 Einbürgerung von Arno Grossmann in Palästina
Novemberpogrom
10.11.1938 Gerhard Grossmann verhaftet in Chemnitz, zunächst Polizeigefängnis Leipzig; dann „Schutzhaft“ in Buchenwald; Häftlingsnummer 24010

Auswandererkartei der SG Leipzig
1939 Gerhard, Henny und Hulda Grossmann in der Auswanderungskartei Leipzig;

Unter dieser Adresse ist auch die Familie von Chaluz Hans Joachimsthal registriert
Minderheitenzählung
17.5.1939 Hulda Großmann in Chemnitz, Neumarkt 10
17.5.1939 Henny Grossmann mit Bruder Gerhard in Chemnitz, Louis-Hermsdorf-Str. 7 III
1.6.1939 abgemeldet aus Chemnitz zur Alija nach Palästina
Die Patria Katastrophe
Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport
16.8.1940 Gerhard Grossmann mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank
Zweiter Transportführer Hans Wendel aus Chemnitz
Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes
1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa.
3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden
4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)
8.11.1940 Registrierung von Gerhard Grossmann im Camp Atlith;
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.
Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.
28.9.1941 Entlassung von Bruder Gerhard Grossmann aus dem Camp Athlit
12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.
Schniebinchen -Paderborn – Auschwitz
1939 Schwester Henny Grossmann nach Schniebinchen
31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner mit seiner Familie und eine Gruppe von Chaluzim wie Henny Grossmann folgen ihm ins Lager Paderborn
22.2.1943 Heirat von Henny Großmann mit Isidor Philipp in Paderborn
2.3.1943 Auflösung des Lagers Paderborn40 Stunden im geschlossenen Güterwaggon, Transport Bielefeld über Hannover – Erfurt – Dresden nach Auschwitz mit allen 98 Chawerim aus dem Arbeitslager
3.3.1943 Ankunft und Selektion in Auschwitz; Ernst Michel berichtet:
„Es gab nun zwei Reihen, beide rückten langsam voran. Männer an eine Seite, Frauen an die andere. … Issy (Isidor Philipp) schlurfte neben mir. Er war in Paderborn einer der charismatischen und zuverlässigsten Leiter. Er war dynamisch, optimistisch und stets hilfsbereit. Er war stark wie ein Stier. Er hatte Lilo ( sic! Henny) in Paderborn geheiratet einige Wochen vor unserer Deportation. Sie war bereits auf der anderen Seite. Tränen rannen sein Gesicht hinunter. Ich berührte ihn. Er nickte nur.“
Isidor Philipp wird eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Häftlingsnummer 105008
Kalendarium von Auschwitz vom 3.3.1943
„Reichssicherheitshauptamt Transport, Juden aus Berlin. Nach der Selektion lieferte man 535 Männer als Häftlinge ins Lager ein, sie bekamen die Nr. 104 890 – 105 424; 145 Frauen bekamen die Nr. 36 9035 – 37 079. Die übrigen wurden vergast.“
Henny Philipp bereits Anfang März in Auschwitz ermordet
Theresienstadt
7.9.1942 Tante Hulda Großmann auf dem Transport XV/1 von Kassel über Chemnitz nach Theresienstadt

20.9.1942 Beide Eltern und Tante Friederike Grossmann von Eisenach mit dem Transport XVI/1 Weimar Halle-Leipzig nach Theresienstadt
15.1.1943 Tod des Vaters in Theresienstadt Diagnose Marasmus senilis
1.3.1943 Tod der Mutter in Theresienstadt Diagnose Marasmus senilis
5.5.1945 Übergabe des Ghetto Theresienstadt von der SS an das Rote Kreuz
9.5.1945 Eintreffen der Roten Armee, Befreiung von Tante Hulda Großmann
Nachkriegszeit
Juni 1945 Rückkehr von Hulda Großmann zunächst nach Chemnitz
26.12.1948 Tod von Hulda Großmann im Jüdischen Altersheim in Berlin
Gedenken
27.5.2010 Stolpersteine für die Eltern Bernhard und Jenny Grossmann sowie Tante Friederike und deren Sohn Berthold in Eisenach, Karlstraße 6
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6016703
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584
https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561
www.raoulwallenberg.net/general/ruth-kl-uuml-ger-mossad-le/
Rudolf Stern (Chawer aus Dortmund), Meine Aliyah – 13. Oktober 1939 – 29. Januar 1940; unveröffentlichtes Manuskript, 1987