
Horst Friedrich Hamm
*7.8.1924 in Seesen; ✡ 1942 in Auschwitz
Religion jüdisch
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Richard Hamm *18.1.1881 in Seesen; ✡16.3.1951 in Bulawayo, Rhodesien
Mutter Marga Blumenthal *16.6.1895 in Bromberg; ✡ 3.1.1973 in Bulawayo, Rhodesien
Geschwister

Gert Joachim Hamm *7.8.1922 in Göttingen✡ 9.9.1942 in Auschwitz
Beruf Praktikant
Adressen Seesen; Hamburg, Haynstrasse 23, Isestrasse 69; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer; Amsterdam, Franschelaan 13
Heirat
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1938 die Famiie Hamm muss Seesen verlassen
Novemberpogrom
Mitte November 1938 Truus Wijsmuller zu Verhandlungen über die Kindertransporte in Hamburg.
Auf ihrer Rückreise nimmt sie vier Kinder mit in die Niederlande, u.a. Gert und Horst Hamm.
20.11.1938 Heim der IKG Monster

7.2.1939 Gert und Horst Hamm mit Ernst Mogendorff verlegt in das Dommelhuis, Jongbloetlaan in Eindhoven
26.2.1940 trennen sich die Wege der beiden Brüder, Horst geht ins Werkdorp.
Gert Hamm
2.3.1940 Gerd kommt in das Jungenheim Westersingel in Rotterdam, dann in das Jongenshuis in Arnhem
11.1.1941 Eindhoven
12.4.1941 in Bennekom bei Familie Durlacher wo er als Gärtner arbeitet. Infolge einer schweren Knieverletzung im Februar 1942 verbringt er drei Monate im Isr. Ziekenhuis in der Keizersgracht in Amsterdam;

8.5.1942 geht er als „oude kampbewoner“ in das Vluchtelingen Kamp Westerbork

Werkdorp Nieuwe Sluis
26.2.1940 Horst Hamm folgt Ernst Mogendorff zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam
10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad
10.11.1941 Aufnahme Bertel Aptowitzer als Haushilfe im Jugendheim des Joodse Raad Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam
Siegfried Rosenthal wird als Koch eingestellt.
10.11.1941 Berta Aptowitzer, Karola Frohmann, Adolf Frohmann mit Tochter Eva, Horst Hamm, Gert Herz, Gerhard Hirsch, Hans Joseph, Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer und Neffe Franz Laufer, Günter Levy, Hilde Mandel, Hajo Meyer, Harald Rosenbach, Ernst Rosenbaum, Norbert Schweitzer und Hans Stern zur Eröffnung ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13
Zunächst hat Karola Frohmann die Leitung der Hauswirtschaft; die Familie Frohmann wechselt aber am 16.12. 1941 in den Kibbuz Laag en Keppel, sodass Eva Laufer diese Position übernimmt.

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolas Witsenkade 14 , wo auch Werkdorper wohnten. Zwischen November 1941 und April 1943 wohnten hier 67 Personen, davon 44 Werkdorper.
1.6.1942 Günter Schwarzschild in die Franschelaan 13
Erste Razzia in der Franschelaan
15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet und nach Hooghalen deportiert; u.a.: Horst Hamm, Gert Herz, Günter Levy, Hans Stern, Harald Rosenbach, Horst Levi, Gerhard Hirsch, Erwin Eichengrün,
7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen
Dritte Große Amsterdam Razzia – Erster großer Massentransport aus den Niederlanden
5.7.1942 die ersten Aufrufe Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden. Damals bestand beim Hechaluz noch die Auffassung, man solle sich deportieren lassen, in der irrigen Annahme, es handele sich um Arbeitseinsätze
Kamp Westerbork
Das im Oktober 1939 von den niederländischen Behörden eröffnete Vluchtelingenkamp Westerbork in Drenthe wurde am 1. Juli 1942 von der SS als „Polizeiliches Judendurchgangslager“ übernommen. Es diente fortan der Erfassung, der Internierung und als Abgangsort der Massentransporte aus den Niederlanden nach Auschwitz und Sobibor sowie 1944 ins Sternlager Bergen-Belsen und nach Theresienstadt.
15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia wird Horst Hamm verhaftet und nach Hooghalen deportiert; 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen
Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.
Aus dem Kamp Westerbork werden 100 „oude kampbewoners“ zusätzlich auf diesen Transport gestellt.
15.7.1942 Bruder Gert Hamm, Simon Reifen, Leo Verständig, Richard Greif, Leo und Tobias Feigenblatt zusammen mit CousinMax Rack im ersten Transport ab Westerbork nach Auschwitz; aus dem Lager waren hierfür 100 „Oude kampbewoner“ selektiert worden. In Verkennung der Gefahr vertrat der Hechaluz die Ansicht, die Chaluzim sollten sich für diesen
15.7.-17.7.1942 Die Brüder Horst und Gert Hamm auf dem ersten großen Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz
Das offizielle Sterbedatum ist fiktiv und wurde für alle aus den ersten Massendeportationen von den niederländischen Behörden für den 30.9.1942 festgesetzt.
Gedenken
Stolpersteine für Horst und Gert Hamm, sie liegen in der Jacobsonstraße (Ecke Markt) vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnsitz der Familie Hamm
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130302007
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Horst%20Hamm%201924%22%7D
http://www.dokin.nl/deceased_children/horst-friedrich-hamm-born-24-dec-1924/
http://dokin.nl/deceased-children/Horst-Friedrich-Hamm-born-24-Dec-1924
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316