Fiebelmann Isidor

Isidor Fiebelmann

*27.2.1916 in Borne; ✡ nach 1945 in Mc Henry, North Dakota, USA

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Hermann Fiebelmann *1881 in Haselünne; ✡ 15.9.1920 in Enschede

Heirat der Eltern 23.9.1908 in Enschede

Mutter Aaltje Stofkoper *22.11.1883 in Enschede; ✡ ?

Großeltern Joseph Fiebelmann und Rosette Müller

Großeltern Isaak Stofkooper und Cientje de Leeuw

Geschwister

Cäcilia Fiebelmann * 12.3.1911 (in Borne?); ✡29.1.1942 in Essen; oo Ewald Herz (*20.3.1910-1983)

Martin Fiebelmann *29.11.1919 in Hüsten; ✡1975; oo Elinor Kempner (*23.5.1925);

Rosa Fiebelmann *7.9.1918 in Hüsten; ✡1943 in Auschwitz; oo 1942 Ewald Herz

Neffe Gerson Gerd Herz *21.10.1940 in Neheim; ✡28.3.1943 in Auschwitz

Beruf

Adressen Borne; Hüsten, Bahnhofstraße 147; Laer, Dorf 104

Heirat

Kinder

Achtung nicht verwechseln mit Isidor Fiebelmann geb. 1906 in Meppen, der auch nach Riga deportiert wurde und am 29.3.1945 im Buchenwald-Außenlager Ohrdruf umkam.

Weiterer Lebensweg

Zuzug der Familie nach Hüsten (heute Neheim-Hüsten)

15.9.1920 Tod des Vaters in Enschede

21.10.1936 bis 19.07.1937 Schwester Rosa im Heim des Jüdischen Frauenbundes, Neu-Isenburg, gegründet von Bertha Pappenheim für sozial entwurzelte jüdische Mädchen, unverheiratete Schwangere zur Vorbereitung auf die Entbindung und ledige Mütter mit ihren Kindern.

Novemberpogrom

10.11.1938 Martin Fiebelmann verhaftet

Verbringung in das KL Buchenwald; Martin bekommt die Häftlingsnummer 119209

Isidor Fiebelmann (*1906 in Meppen) die Häftlingsnummer 118378

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Isidor Fiebelmann mit der Mutter, Bruder Martin und den Schwestern Cäcilia und Rosa in Hüsten, Bahnhofstraße 147

Schwester Cäcilia zieht nach Essen zu Ewald Herz; Geburt des Sohnes Gerd 21.10. 1940;

29.1.1942 Tod von Cäcilia bei einer Fehlgeburt

1942 Heirat von Schwester Rosa mit dem Witwer Ewald Herz

17.2.1945 Schwager Ewald Herz in Mauthausen

Aufbaulager Dumte, Steinfurt Laer und Altenberge

Wegen wiederholter Überflutung landwirtschaftlicher Flächen durch die Aa im Kreis Steinfurt wurden vom „Wasser- und Bodenverband Steinfurter Aa“ Maßnahmen zur Regulierung und Begradigung der Aa im Kreis Steinfurt beschlossen, für die das Landesarbeitsamt Dortmund Arbeitslose aus Westfalen zuteilen sollte.

Das erste Lager wurde 1936 in einer ehemaligen Ziegelei in Dumte bei Borghorst erbaut. Es war durch Drahtzaun, Busch- und Baumbestand vor neugierigen Blicken geschützt. Bewacht wurde es von einem zivilen Lagerführer. Die einzige Ausstattung bestand nach einem Bericht eines Überlebenden aus Strohsäcken.

1938 wurden auf der Grundlage des „Geschlossenen Arbeitseinsatzes“ für arbeitslose Juden, die zuvor zumeist als Kaufmann ihrer Existenzgrundlage beraubt worden waren, reichsweit entsprechende Zwangsarbeiterlager möglich.

In der Arbeits-Bestandsliste von 1939 werden 36 Juden genannt.

Minderheiten-Volkszählung in Steinfurt

17.5.1939 im Aufbaulager Dumte bei Borghorst wurden 62 Zwangsarbeiter erfasst, überwiegend aus Westfalen, 16 aus Frankfurt

17.5.1939 im Aufbaulager Laer Steinfurt wurden 47 Zwangsarbeiter erfasst; die Brüder Fiebelmann sind 1939 noch nicht in Steinfurt

Das Lager Dumte wurde 1940 nach Abschluss der dortigen Arbeiten geschlossen.

1939 wurde das Aufbaulager Laer in der Bauernschaft Altenburg Nr. 27 a errichtet, in das Isidor und Martin Fiebelmann am 15. Juli 1940 mit einer Gruppe von 31 jüdischen Zwangsarbeitern eingewiesen wurden. Lagerführer war der Nichtjude Otto Rautenberg

Isidor und Martin Fiebelmann in der Hausstandsliste Laer Altenburg 27 a

Am 16.10.1940 erfolgte dann die Weiterverlegung der Gruppe in das Lager Altenberge, Kümper 35 auf den Hof Geuker.

Deportation aus Frankfurt nach Kauen

22.11.1941 Max Levy, Julius Freudenthal, Markus Wallach

25.11.1941 Massenerschießung im Fort IX

Deportationen nach Riga

Bielefeld -Riga

November 1941 Ankündigung der „Umsiedlung in den Osten“

10.12.1941 frühmorgens Transporte aus dem Gestapobezirk Münster mit LKW und Bussen nach Münster in das zuvor beschlagnahmte Sammellager Gertrudenhof.

Aus den drei Aufbaulagern zählten dazu neben Isidor Fiebelmann 16 weitere Zwangsarbeiter, jeweils aus den Orten:

Altenberge, Kümper 35: Hermann Neuhaus, Mandel Reicher, Julius Sichel, Kurt Zwillenberg

Bocholt: Adolf Blumenthal, Otto Landau, Max Markus

Drensteinfurt: Siegmund Salomon, Rudolf Seelig

Epe: Gustav Gottschalk

Laer nach Münster Isidor Fiebelmann, Walter Perlstein,

Lengerich: Hermann Abrahamson, Norbert Neufeld,

Rheine: Albert Abrahamsohn, Moritz Metzger, Ernst Reinhaus,

Weseke: Heimann Cohen

11.12.1941 Rudolf Sax aus Aschendorf/Sögel via Viehhallen Osnabrück nach Bielefeld

13.12.1941 ab Bielefeld nach Riga

15.12.1941 23 Uhr, Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa Riga

16.12.1941 vom Rangierbahnhof Skirotawa Riga, Fußmarsch ins Ghetto Riga

22.12.1941 500 junge Männer aus den ersten Transporten vom Ghetto zum Aufbau nach Salaspils

Düsseldorf-Riga

Am 11.12.1941 aus Düsseldorf deportiert

Karl Gradus, Siegfried Landau

Dortmund -Riga

27.1.1942 von Dortmund nach Riga deportierte Zwangsarbeiter waren

Aus Bochum Kurt Karl Broch, Karl Hirschberger, Karl Meyer, Wilhelm Naphtali, Fritz Nussbaum

Aus Dorsten die Brüder Max und Ernst Metzger,

Aus Dortmund Arthur Jägers

Aus Gelsenkirchen Chaim Endel, Hermann Goldenberg, Arnold Heymann, Hans Isaacson, Karl Posner, Jonas Reiner und sein Sohn Moritz Reiner, Leo Schwalbe,

Aus Herne Karl Steilberger

Dortmund-Zamosc

28.4.1942 von Dortmund nach Zamosc, Zwangsarbeiter aus dem Reg-Bezirk Arnsberg

Bochum: Leopold Daniel (28.4.1942 von Dortmund nach Zamosc)

Herne: Leopold Weiß, Artur Grabowski, Heinz Hirschen, Hermann Spiro,

Dortmund: Max Löffler

Unna: Eduard Müller

Theresienstadt

Otto Baer aus Bochum, Überlebender von Theresienstadt

Karl Hirsch, Max Löwenhardt aus Dortmund, Überlebende von Theresienstadt

Adolf Nussbaum, Willi Szymjawicz, Emil Schott aus Frankfurt, Überlebende von Theresienstadt

Riga

Isidor Fiebelmann (*1916) deportiert ab Laer über Münster und  Bielefeld nach Riga

22.12.1941 500 junge Männer aus den ersten Transporten vom Ghetto zum Aufbau nach Salaspils

Die meisten der nach Riga deportierten Zwangsarbeiter aus den Aufbaulagern sind bereits 1941 unter den mörderischen Bedingungen des Aufbaulagers Salaspils umgekommen.

Die Judenbararacken im Ohl

1941 wurden die ersten Familien aus ihren Wohnungen in das Sammellager „Judenhaus Im Ohl 79″ zwischen Neheim und Hüsten eingewiesen, so auch Martin Fiebelmann, seine Mutter Aaltje, seine Schwester Rosa und Neffe Gerd Herz

Fabrikaktion

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

24.2.1943 Schreiben der RVJD-Verwaltungsstelle Dortmund, unterzeichnet von Adolf Stern und Willi Meier an die in Unternehmen beschäftigten jüdischen Zwangsarbeiter:

„Auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei – Staatspolizeistelle – Dortmund haben Sie zwecks Überprüfung Ihres Arbeitseinsatzes persönlich amSonnabend, den 27. Februar 1943, vormittags 10 Uhr im jüdischen Gemeindehaus Dortmund, Kampstraße 14, möglichst mit Ihren Arbeitspapieren zu erscheinen. Dieser Aufforderung ist unbedingt nachzukommen. Sie ist ggf.dem Arbeitgeber auf Verlangen vorzulegen. Sollten Sie dieser Aufforderungnicht nachkommen, so haben sie mit den strengsten staatspolizeilichen Maßnahmen zu rechnen.“

Anfang März 1943 reichsweite Fabrikation besonders in Berlin, Breslau und Westfalen; die 300 überwiegend in kriegswichtigen Betrieben Zwangsarbeit verrichtenden Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg wurden im Saal der Gastwirtschaft Gerold am Brackeler Hellweg war in Dortmund als Sammelstelle interniert. In der Nacht vom 1./2.3.43 war die Gaststätte Zur Börse am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs zugleich Zwischenstation für Juden aus einen Koppelzug, der von Stuttgart kommend über Trier durch das Ruhrgebiet geführt wurde und bereits 212 Menschen aus Württemberg, Baden und dem Rheinland aufgenommen hatte.

Familie Fiebelmann mit weiteren 25 Juden aus den Judenbaracken nach Auschwitz

Am 2.3.43 fuhr dieser Zug mit nunmehr über 500 Juden vom Dortmunder Südbahnhof aus weiter in Richtung Bielefeld, wo etwa 250 Menschen für den Transport im Saal der Eintracht am Klosterplatz gesammelt wurden.

Schwager Ewald Herz nach Auschwitz

1.3.1943 Schwager Ewald Herz deportiert aus Essen nach Auschwitz

Auschwitz

Martin Fiebelmann (*1919) hat die Auschwitz-Nr.105463, diese Nr. wurde März 1943 vergeben

Isidor Fiebelmann (*1906!) hat die Auschwitz-Nr. 175263, die Nr. wurde Februar 1944 vergeben

Tod der Mutter Aaltje und der Schwester Rosa mit Sohn Gerson in Auschwitz

Todesmarsch

15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten

Die SS-Wachmannschaften verbrennen die Lagerkartei und Transportlisten, sprengten die Krematorien und zünden die Magazine mit dem geraubten Häftlingseigentum an.

18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Männer aus Monowitz

18.1.1945 Beginn des Todesmarsches mit 400 Frauen von Auschwitz- Birkenau nach Loslau

22.1.1945 Ankunft von Martin Fiebelmann von Auschwitz in Buchenwald, zusammen mit Isidor Fiebelmann (*1906!), zunächst im Kleinen Lager

dann Baracke 66, dieser Block wurde ab Januar für Kinder und Jugendliche eingerichtet, Blockältester war der tschechische Kommunist (KPT) Antonin Kalina (Häftlingsnummer 1173)

9.2.-3.4.1945 stationäre Behandlung im Häftlingskrankenbau von Buchenwald wegen Erfrierungen, Frostwunden an den Füßen

6.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (47500 Häftlinge)

7.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben, 12000 (Schätzung) kommen auf diesen Märschen um.

10.4.1945 9.280 Insassen haben an diesem Tag Buchenwald in zwei Kolonnen verlassen. Evakuierung des KL Buchenwald in geschlossenen Güterwaggons nach Theresienstadt, Flossenbürg und Dachau

3800 in offenen Güterwagen nach Flossenbürg abtransportiert; ab Flossenburg Todesmarsch zu Fuß Richtung Dachau, an dem vermutlich auch Martin Fiebelmann teilnahm.

Zur Befreiung von Isidor Fiebelmann 1945 gibt es aktuell keine Daten.

Nachkriegszeit

Isidor Fiebelmann emigriert in die USA

12.8.1946 ist Martin Fiebelmann als Bewohner des Hauses Nr. 46 in Falkenstein in der Oberpfalz registiert; das lässt vermuten, dass er am Todesmarsch Buchenwald – Flossenbürg Richtung Cham in der Oberpfalz teilnehmen musste

1960 Negativanzeige für Suchanfragen

Gedenken

Quellen

Sabine Jarnot, Vorübergehend gemeldet – Jüdische Zwangsarbeiter in Laer und Altenberge 1940/1941; Laer, 2021

Arbeitgeberliste 1938, Kreis Steinfurt – Kreisstraßenverwaltung

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_411213.html

Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010

Hubert Schneider, Leben nach dem Überleben; LIT-Verlag 2014

Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000

https://gedenkbuch.neu-isenburg.de/namen/fiebelmann-rosa

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131507137

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5284364

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5854827

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/105606487

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130118820

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865109

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865115

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865118

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de865114

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430301-1.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430302_18.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430302_19.jpg

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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