Lothar Ascher
*11.6.1919 in Liebemühl, Osterode, Ostpreußen; ✡ in Auschwitz
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Albert Ascher *4.3.1885 in Rhein, Osterode; in Auschwitz
Mutter Käthe Israel *3.2.1892 Neumark, Löbau; in Auschwitz
Geschwister

Ernst Ascher *19.6.1921 in Liebemühl, Osterode; ✡ 7.10.2004 in Leiden

Lea Ascher *19.11.1924 in Liebemühl, Osterode;
Beruf –
Adressen Berlin, Bergstraße 67; Klein-Schnellendorf; Paderborn
Heirat–
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Lehrgut Ellguth
Lothar und Bruder Ernst zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;
12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 23 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.
In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Dezember 1938 u.a. mit Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Gästehaus der „Deventer Vereniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Bruder Ernst zur Hachschara ins Werkdorp
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Lothar mit den Eltern und Schwester Lea in Berlin, Bergstraße 67
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahmen Armin und Hermine Duschinski aus Wien.
24.-27.5.1940 neun Chaluzim wechseln als Gruppe aus Ellguth in das Umschulungs- und Einsatzlager Paderborn Rolf Apfel, Lothar Ascher, Herbert Brinitzer, Hermann Burstein, Walter Lion, Werner Salomon, Fritz Springer, Isbert Weinberg, Georg Witkowski. Zwischen 1939 und 1941 gingen insgesamt 21 von Ellguth nach Paderborn.
23.6.1939 Vertrag zwischen der RVJD und der Stadt Paderborn zur Errichtung des Umschulungs- und Einsatzlagers Paderborn, Grüner Weg 86;

21.11.1939 Alija von Schwester Lea aus Berlin ab Triest auf der SS GALILEA nach Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

24.5.1940 Lothar Ascher vom Hachscharalager Ellguth, Klein Schnellendorf angemeldet im Lager Paderborn
13.7.1940 von Paderborn abgemeldet nach Berlin, Bergstraße 67
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung „Jüdisches Arbeitseinsatzlager Paderborn“
November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“

29.11.1942 mit den Eltern auf dem 23. Osttransport Berlin nach Auschwitz; erster von allen weiteren Berliner Osttransporten nach Auschwitz; Unter den 986 deportierten Berliner Juden befanden sich auch 75 Kinder aus dem Baruch-Auerbachschen Waisenhaus in der Schönhauser Allee 162 zusammen mit Betreuern, wie der Köchin Rochna Ulreich (Nr. 141 der Transportliste), der Säuglingsschwester Isabella Aronheim (Nr. 157) und der Kindergärtnerin Lore David (Nr. 399).
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert
Gedenken
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Quellen
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1048300
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1048573
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1048487
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot23.html
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7
Ernest W. Michel, „Promises Kept – Ein Lebensweg gegen alle Wahrscheinlichkeiten“, 2013
Kurt Salinger, Nächstes Jahr im Kibbutz, Paderborn 1998