Levy Manfred

Manfred Levy

*8.12.1920 in Atens/Nordenham; ✡ 5.5.1945 in Dörnhau

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Erwin Levy *22.6.1896 in Karolinensiel; ✡11.6.1943 in Sobibor

Heirat der Eltern 23.2.1920 als Dreifachhochzeit dreier Brüder mit drei Schwestern

Mutter Selma Simon *10.2.1897 in Setterich; ✡11.6.1943 in Sobibor

Manfred, Dagobert, Selma, Erwin, Günther Levy

Geschwister

Günther Levy *29.8.1923 in Atens; ✡ 16.7.1943 in Sobibor

Dagobert Levy *16.2.1930 in Atens; ✡11.6.1943 in Sobibor

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Atens, Nordenham; Alsdorf, Aachen; Eygelshoven in Limburg; Franeker; Laag en Keppel

Heirat   ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Nach 1930 Umzug der Familie nach Alsdorf bei Aachen

24.4.1935 Flucht der Familie in die Niederlande nach Eygelshoven in Limburg

Kibbuz Franeker

Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath we Eretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.

Träger Misrachi/ Dath Waäretz; Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘. Die Hachschara Organisation hieß „Dath we Eretz“

29.3. 1934 als erster Chaluz von Franeker  bezieht Wolf Tempel ein Zimmer an der Dijkstraat 1;

April 1935 Anmietung des alten Bahnhofsgebäude am Harlinger Weg 45 für den Kibbuz Franeker; es konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10-15, zuletzt bis zu 30 Chalutzim. Zuvor wohnten die Chaluzim in den Haus Noorderbolwerk 13.

Jacob Bramson kümmerte sich persönlich um die sorgfältige Auswahl die Bauernhof-Stellen.

Die geistliche Betreuung übernahm Oberrabbi Lewinson aus Leeuwarden

Manfred Levy im Kibbuz Franeker

Juli 1942 bei den Eltern in Eygelshoven, Laurastraat 89

Der Kibbuz Laag en Keppel bei Hummelo

 Wechsel  aus Franeker  in den Kibbuz Laag en Keppel

Der Kibbuz Laag-Keppel war 1940 als Nachfolge des zwangsaufgelösten Kibbuz Beverwijk vom Dathwa’Eretz gegründet worden

Aus Franeker waren somit dort: Lea Bobbe, Joseph Cohen, Simon van Frank, Manfred Levy, Ernst Mannes

29.3.1943 Ankündigung der „Evakuierung“; einzelne Kibbuzim wie Gustav Simon versuchen unterzutauchen, werden aber verraten und verhaftet.

Vught – Moerdijk-Kamp Westerbork

9.4.1943 Einweisung von Manfred mit den Eltern und Geschwistern in das KL Vught; vermtlich als Repressalie wegen versuchten Untertauchens.

21.5.43 Verlegung von Manfred mit seinem Vater Erwin von Vught in das Männer-Lager Moerdijk

8.6.1943 Deportation der Eltern von Westerbork nach Sobibor

11.6.1943 Tod der Eltern in Sobibor

14.9.1943 Deportation von 38 älteren Chaluzim (über 20 Jahre) von Westerbork nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold ErlangerKarl Elias, Erwin Moses sowie die Brüder Wolff Wolffs und Lazarus Wolffs.

17.9.1943 Verlegung von Manfred Levy aus Moerdijk nach Westerbork

21.9.1943 Deportation von Westerbork nach Auschwitz

1943 Selektion zur Zwangsarbeit im Buna Werk, KL Auschwitz Monowitz.

Der Todesmarsch von Monowitz nach Geppersdorf

18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Häftlinge aus Monowitz marschieren bis Nicolai; die deutschen Juden gehen in der ersten 1000er Kolonne; Übernachtung in einer Ziegelei

Isidor Philipp berichtet von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:

„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“

19.1.1945 Ankunft im den Eisenbahnknotenpunkten Gleiwitz. Von Gleiwitz in Güterwaggons zu westlich gelegen Konzentrationslager wie Buchenwald, Ravensbrück, Mauthausen.

Isidor Philipp berichtet:

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

21.1.1945 nach 30 Stunden Warten Abfahrt des Transportes, der Zug bleibt aber nach 15 km liegen.

Ein Überlebender berichtet:

„Am 21. Januar mussten wir mit dem Zug weiterfahren. 4500 Gefangene wurden in offene Waggons verladen, in die jeweils 100 bis 130 Menschen gepresst wurden. 30 Stunden mussten wir auf die Abfahrt warten, bei Temperaturen von 15 bis 20 Grad unter Null. Dann, nach nur 15 Kilometern, stoppte der Zug. Den Häftlingen wurde befohlen, die Waggons sofort zu verlassen. Wem von der Kälte die Glieder steif geworden waren, so dass er den Wagen nicht schnell genug verlassen konnte, der wurde erschossen.“

3000 Häftlinge müssen einen wochenlangen Fußmarsch zum Lager Geppersdorf antreten, ein Außenlager des KL Groß Rosen; dazu gehören neben Manfred Levy u.a. die Chawerim:

Willy Chanan Ansbacher, Erich Auerbach, Werner Coppel, Benjamin Feingersch, Michael Miki Goldmann (*26.7.1925 in Kattowitz), Horst Goldschmidt, Erich Heymann, Gerhard Maschkowski, Abraham Matuszak, Hans Nebel, Alfred Ohnhaus, Alfred Stillmann.

Michael Miki Goldmann berichtet im Interview über die Flucht beim Todesmarsch:

„Der Todesmarsch ging wochenlang. Ich, am dritten Tag konnte ich nicht mehr laufen. Meine Beine waren geschwollen und ich hatte zwei Möglichkeiten. Sich hinzusetzen und auf eine Kugel zu warten, weil jeder, der stehengeblieben ist oder hat sich hingesetzt, bekam sofort eine Kugel. Einen Genickschuss. Oder versuchen, wegzulaufen und sich irgendwo zu verstecken. Aber man konnte das nicht am Weg machen. Man konnte nur, wenn wir in Dörfer reingekommen sind. Und so kam ich am dritten Tag in ein Dorf, das hieß Wielopole, auch noch in Schlesien. Nicht weit von Gleiwitz. Das war, es war noch nicht Nacht, es war Nachmittag, aber es war schon fast dunkel und ich sah, dass von beide Seiten, von diesem Dorfweg, standen Frauen und einige von denen hab ich weinen gesehen. Und in dieser Sekunde habe ich beschlossen, da versuche ich zu fliehen. Chanan Ansbacher war mit mir.“

Horst Efraim Goldschmidt ist zu schwach, kann nur mit Hilfe gehen. Hilde Zimche, die spätere Frau von Piese Ernst Zimche (Kibbuz Netzer Sereni) berichtet:

„Efraim war zu schwach zu gehen. Den ganzen Weg lang, mehrere Tage, viele Kilometer, nahmen ihn seine Freunde in die Mitte und stützten ihn. Ohne die gegenseitige Unterstützung wären wir verloren gewesen.“

Der wochenlange Marsch führt über Gleiwitz, Ratibor, Neustadt, Neisse nach Glatz; weiter durch Frankenstein,  Langenbielau, Waldenburg, Hirschberg im Riesengebirge in das Zwangsarbeiterlager Geppersdorf-Dörnhau, Dienststelle Schmelt (Bautrupps) in der Nähe von Greiffenberg, Oppeln; von dort werden die völlig erschöpften Arbeitsfähigen in das Arbeitslager Riesa bei Wüstegiershof geschickt. Nur 280 sollen dort angekommen sein.

Gerhard Maschkowski im Interview im Jahre 2007:

„Der Todesmarsch war das Schlimmste. Wenn man es soweit schon gebracht hat, ja, bis, noch am Leben zu bleiben bis Januar 45. Und dann marschiert, marschiert, marschiert, marschiert. Und so kalt. Und natürlich, ich mein‘, einen Regenschirm haben wir nicht gehabt. Es spielt keine Rolle, Regen oder Schnee oder was immer, wir waren nass. Weiter konnt’s ja nicht gehen wie auf die Haut. Und dann am nächsten Tag, wenn die Sonne geschienen hat, oder nicht, auf jeden Fall – na, Sonne war nicht viel da sowieso – dann ist es getrocknet oder es ist gefroren.“

Die nicht mehr Gehfähigen kommen noch in das provisorische Krankenrevier in Dörnhau

22.4.1945 Verlegung in die 1944 eingerichtete zentrale Krankenstation des Lager-komplexes Riese in Dörnhau

5.5.1945 Befreiung durch die „Rote Armee“

5.5.1945 Tod von Manfred Levy in Dörnhau

Gedenken

2012 Fünf Stolpersteine für Manfred und seine Familie in Eygelshoven

Fotos

https://www.hugenholtz.net/levy-simon

Quellen

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de912872

https://www.gedenkbuchprojekt.de/html/biographie.php?language=de&file=levy_erwin.html&lastName=Levy&firstName=Selma

https://www.myheritage.de/research

https://www.hugenholtz.net/levy-simon

https://historischcentrumfraneker.nl/inwoners

http://danielabraham.net/tree/related/dora/

Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, Fries Film Archief Leeuwarden, 2020

Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020

Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002

Hannelore Grünberg-Klein, Zolang er nog tranen zijn, Nijgh & Van Ditmar, 2015

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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